• vom 09.06.2018, 15:02 Uhr

Fußball-WM 2018


Fußball-WM

Eine Zugfahrt ins Ungewisse




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Von Moritz Ablinger und Benjamin Schacherl

  • Die russische Premjer Liga kämpft bis heute mit den Folgen des Zusammenbruchs der Sowjetunion - und droht den Anschluss an den Spitzenfußball zu verlieren.

Erstmals nach 14 Jahren holte Lok Moskau wieder den russischen Meistertitel. - © Ivan Vodopyanov

Erstmals nach 14 Jahren holte Lok Moskau wieder den russischen Meistertitel. © Ivan Vodopyanov

Moskau/Wien. Die Lokomotive rollt wieder. Nach 14 Jahren Wartezeit durfte sich Lokomotive Moskau Anfang Mai über den dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte in der russischen Premjer Liga freuen. Nach einem 1:0-Sieg über Zenit St. Petersburg stand fest, dass die Rot-Grünen von ihren Stadtrivalen Spartak und ZSKA nicht mehr eingeholt werden konnten. Zur Meisterfeier von Lok hätten die geschlagenen Verfolger problemlos mit der Metro anreisen können, alle drei Vereine liegen im Norden der Stadt.

Neben der geographischen Nähe basiert die Rivalität auf ihren erfolgreichen Zeiten in der Vergangenheit. Die Konkurrenz verschärft sich, weil die Klubs aus der Hauptstadt staatsnahen Institutionen oder Unternehmen zugeordnet werden. Während Lokomotive immer der Klub der Eisenbahner war, die staatliche Bahngesellschaft RZD ist auch heute noch als Trikotsponsor an Bord, ist ZSKA ursprünglich der Klub der Roten Armee. Spartak hingegen hatte als einziger Verein keine direkte Verbindung, aus dieser Zeit stammt auch noch der Spitzname Spartaks, das als "Klub des Volkes" bezeichnet wird.


Turbulente Wendejahre
Der Umstand, dass Spartak keinen staatlichen Stempel trug, sollte sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 als nützlich erweisen. Die nicht-russischen Teams wurden aus der Liga ausgegliedert, und die neue Premjer Liga feierte 1992 ihre Debütsaison. In dieser gewann Spartak die erste russische Meisterschaft. Bis 2001 sollten acht weitere Titel folgen. Der Mann hinter dem Erfolg war Oleg Romanzew. Der langjährige Trainer und kurzzeitige Präsident des Klubs setzte auf ein schnelles Kurzpassspiel, harte Disziplin und ein umfassendes Scouting. Die Suche nach neuen Sponsoren gestaltete sich für Spartak ebenfalls leichter. 1995 stieg Gazprom ein, ab 2000 übernahm Lukoil die Hauptfinanzierung. "In allen Klubs saßen in den Vorstandsetagen Leute mit guten Verbindungen nach oben, aber nirgends waren sie so gut wie bei Spartak", sagt Manuel Veth. Er betreibt das russische Fußballfachportal futbolgrad.com und hat sich in seiner Doktorarbeit mit dem russischen Fußball nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auseinandergesetzt. Das einzige Team, das die Titelserie für ein Jahr unterbrechen konnte, war Spartak Wladikawkas im Jahr 1995. Nachdem die Vereine durch den rasanten Systemwandel mehr und mehr finanzielle Probleme bekamen, erließ der russische Staat ein neues Gesetz, um den Klubs unter die Arme zu greifen. Die Bestimmung erlaubte Sportvereinen, Alkohol und Zigaretten steuerfrei zu importieren und zu verkaufen. Großer Nutznießer war Wladikawkas, da die Stadt zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer und keine 50 Kilometer von der georgischen Grenze entfernt liegt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-08 14:19:18
Letzte Änderung am 2018-06-08 20:39:45



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