• vom 09.06.2018, 17:00 Uhr

Fußball-WM 2018


Fußball-WM

Nach dem Abpfiff beginnen die Sorgen




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Von WZ-Korrespondentin Simone Brunner

  • Kreml-nahe Oligarchen mischten beim Bau der Stadien kräftig mit. Diese drohen zur Belastung für die regionalen Haushalte zu werden.

Das mehr als 900 Millionen Euro teure Stadion in St. Petersburg ist Sinnbild für Misswirtschaft.

Das mehr als 900 Millionen Euro teure Stadion in St. Petersburg ist Sinnbild für Misswirtschaft.© ntonov Das mehr als 900 Millionen Euro teure Stadion in St. Petersburg ist Sinnbild für Misswirtschaft.© ntonov

Moskau. Für Aras Agalarow scheint es nichts zu geben, was es nicht gibt. Sein Name prangt auf Luxusimmobilien, Einkaufszentren, Banken, Brücken, Konzerthallen und Modelabels. Seit kurzem gehören auch Sportstätten zum Portfolio des medienscheuen 62-jährigen Oligarchen: Für die Fußball-WM in Russland hat seine Holding "Crocus Group" die Stadien in Kaliningrad und Rostow am Don gebaut.

Der gebürtige Aserbaidschaner gehört in Russland zu den ganz großen Nummern. Mit einem Vermögen von umgerechnet 1,62 Milliarden Euro ist er auf Platz 51 der reichsten Russen laut Liste des Wirtschaftsmagazins "Forbes". Seine Vorliebe für glamourös-protzige Projekte hat ihm den Beinamen "der russische Trump" eingebracht. Agalarow kennt Trump persönlich und hat sogar gemeinsam mit ihm den Schönheitswettbewerb "Miss Universe" 2013 in Moskau veranstaltet. Wiederum in New York soll Agalarows Sohn bei den Kontakten zum umstrittenen Lobbyisten Paul Manafort geholfen haben.


Wer mitmischt
Wie sehr die Agalarows in die Russland-Affäre verwickelt sind, steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist, dass der Oligarch in seiner Heimat als Kreml-nah gilt und immer wieder bei staatlichen Großprojekten zum Zug gekommen ist. Und damit ist Agalarow nicht allein. So wurden praktisch alle neuen WM-Stadien von Kreml-nahen Oligarchen errichtet oder sie sind zumindest über Beteiligungen verbunden. Die Stadien in Wolgograd und Nischni Nowgorod? Gebaut vom Baukonzern "Stroitransgas", mehrheitlich im Besitz der Volga Group des Oligarchen und Putin-Freundes Gennadij Timtschenko (Vermögen: 13,5 Milliarden Euro, fünftreichster Russe laut Forbes). Das Stadion in Jekaterinburg? Wurde von "Sinara-Development" des Unternehmers Dmitrij Pumpijanskij ausgebaut (1,4 Milliarden Euro laut Forbes). Das Stadion Sankt Petersburg? Damit war zumindest bis 2014 eine Tochter der Holding "Basowoj Element" des Oligarchen Oleg Deripaska beauftragt (5,7 Milliarden Euro).

"Fußball ist für den russischen Staat von enormer Bedeutung, er ist ein Prestigeobjekt, das weltweite Anerkennung verspricht", schreibt der deutsche Politologe Martin Brand im Artikel "Eine Staatsaufgabe". Ein Grund, warum der russische Staat knapp zehn Milliarden Euro (678 Milliarden Rubel) in die Fußball-WM investiert hat, so die aktuelle Schätzung. Es wäre somit die teuerste Fußball-WM aller Zeiten. Damit ist das russische Turnier aber alles andere als ein Ausreißer: So haben sich zuletzt die Investitionskosten für Weltmeisterschaften von Mal zu Mal gesteigert. Südafrika hat für die WM 2010 fünf Milliarden Euro investiert, in Brasilien 2014 waren es dann schon 9,3 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte Katar für die WM 2022 sogar 26,6 Milliarden Euro veranschlagt, das Budget wurde jedoch wieder halbiert.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-08 15:16:17
Letzte Änderung am 2018-06-08 15:44:49



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