Wien. Es könnte das letzte fehlende Puzzlestück gewesen sein. Mit einem gelungenen Comeback in der Startformation hat Fußball-Superstar Neymar eine Woche vor Brasiliens WM-Auftaktspiel am Sonntag gegen die Schweiz große Hoffnungen genährt. Nach einem überzeugenden 3:0-Sieg bei der Generalprobe in Wien gegen Österreich lebt der Traum von der Hexa, dem sechsten WM-Titel.

"Man muss Vertrauen haben und träumen", hatte Neymar nach dem Schlusspfiff gemeint. "Man kann davon reden als Brasilianer und davon träumen. Wir träumen Tag für Tag mehr." Das tat Brasilien auch bereits bei der Heim-WM 2014, damals folgte einer Rückenverletzung Neymars aber im Halbfinale der Kollaps gegen Deutschland (1:7). Heute scheint die Seleção unter ihrem Erfolgstrainer Tite besser in Schuss. Die Abhängigkeit von Neymar ist nicht mehr allzu groß - und der 26-Jährige selbst rechtzeitig nach einem Ende Februar erlittenen Mittelfußbruch wieder in Form. "Das Spiel war gut, um Vertrauen zu bekommen", erklärte Neymar. Die ÖFB-Spieler hingegen hatten sich über die theatralischen Einlagen des Brasilianers beschwert, der noch dazu alle Pfiffe vom Schiedsrichter bekam. Neymar selbst befand das Auftreten der Österreicher etwas zu rustikal. "Es gab Schläge, aber alle blieben unverletzt", sagte der 222-Millionen-Spieler von Paris Saint-Germain. Von einem "physischen Spiel mit viel Kontakt" sprach auch Tite, lobte aber auch, wie seine Elf im Hinblick auf die WM damit umging.

Während Brasilien von der Hexa träumt, hat die Euphorie bei einigen anderen WM-Favoriten am Wochenende einen kleinen Dämpfer erhalten. Nach dem 1:1-Remis am Samstag in Lyon gegen die USA reist vor allem Frankreichs Teamchef Didier Deschamps mit Sorgen im Gepäck nach Russland. "Es hat mir gar nicht gefallen, dass wir Schwierigkeiten hatten", erklärte der Weltmeister-Kapitän von 1998 nach dem Auftritt gegen das nicht für die WM-Endrunde qualifizierte US-Team. Die Offensive agierte ideenlos, die Abwehr unsicher - dazu patzte auch noch Torhüter Hugo Lloris.

Nicht wirklich glücklich zeigte sich nach der holprigen WM-Generalprobe am Freitag auch die deutsche Nationalmannschaft. Vor allem Joachim Löw verließ die Leverkusener BayArena nach dem mageren 2:1 gegen Saudi-Arabien mit gemischten Gefühlen. "Wir müssen sicherlich noch drauflegen, klar", sagte der Bundestrainer. "Wir haben zu viele Chancen ausgelassen und zu viele Chancen des Gegners zugelassen", betonte der frühere Austria- und Tirol-Trainer. Viel Zeit, um das auszumerzen, bleibt den Deutschen nicht mehr. Noch dazu, wo auf sie in Moskau als erster WM-Gegner Mexiko erwartet.

Spanien patzt gegen Tunesien

Nicht in Form präsentierte sich auch der frühere Welt- und Europameister Spanien im Test gegen Tunesien in Krasnodar, wobei Iago Aspas erst in der 84. Minute das einzige Tor erzielte. Dass Tunesien Spaniens Abwehr bei Kontern oft in Verlegenheit brachte, schmeckte Teamchef Julen Lopetegui gar nicht. Er reagierte pragmatisch: "Vergesst die Vergangenheit. Ich versuche nicht so sehr, mir auf Testspiele etwas einzubilden", erklärte er. Hart wird es für Spanien dennoch. Erster WM-Gegner ist ausgerechnet der amtierende Europameister: Portugal.