Über ihre Gage für diese Art des durchaus auch sportlich zu sehenden Einspringens spricht sie nur ungern. Lieber erzählt sie von ihrer Unternehmensphilosophie "Mir geht’s um Wohlfühlen. Dann folgt der Verkauf automatisch." Doch nur für Gottes Lohn geht schon gerade in Russland gar nichts. Wie die "Wiener Zeitung" in Erfahrung bringen konnte, gelten für Friedreichs Tätigkeit dem Vernehmen nach tausend Euro als Gage für jeden Beratertag als branchenüblich.

Zur eigentlichen WM ist Christine Friedreich "56 Tage im Stück" in Russland. "Dazu kommen noch eine Menge Vorbereitungs- und Nachbereitungszeit."

Mit der EM 2008 hat
alles begonnen

Ihren ersten einschlägigen Job hatte die nunmehrige Unternehmerin Friedreich bei der Fußball-Europameisterschaft 2008. Das war knapp nach Abschluss ihrer Ausbildung an der FH Kufstein. Die Organisation des Rahmenprogramms für die VIP-Bereiche an den acht Austragungsorten in der Schweiz und in Österreich fielen damals in ihre Kompetenzbereiche. In Wien selbst organisierte die Eventexpertin unter anderem im Rathaus das Galadiner vor dem Finale. "Da war ich vom Catering, über das Programm bis zur Tellerauswahl für alles zuständig", erzählt sie.

Friedreich fiel mit ihrem Einsatz so auf, dass sie den Grundstein für ihr heutiges WM-Engagement legte: "Ich war immer schon bereit, Extrameilen für Kunden und Gäste anzunehmen." Gleichzeitig mit der Euro 2008 war die Aufgabe verbunden, als ausgesuchte Organisatorin an einem "Observers program" mitzuwirken, mit dem Südafrika die Ausrichtung seiner WM 2010 vorbereitete - das Ganze, "obwohl ich vom Fußballsport eigentlich kaum eine Ahnung habe". Dafür interessierten sie immer schon "die Touchpoints" mit den Gästen. "Es geht darum, wie man diese wieder am besten nach Wien bringt."

Nach der Mithilfe für Südafrika folgten Gästebetreuungen für ein Ski-Team eines Sponsors bei der Alpinen-WM in Val d’Isère, sowie des Österreich-Hauses bei den Olympischen Spielen in London 2012. Im gleichen Jahr gründete Christine Friedreich ihre eigene Firma in Wien als eine Art Start up. Ihr Name: "Friedreich Hospitality". "Ich habe immer gespürt, dass ich gründen möchte. Ich bin ein Unternehmer-Typ", sagt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Sie habe früh "erkannt, dass es viele gute Veranstaltungen gibt, wo aber die Bedürfnisse von Gast und Kunden außer Acht gelassen werden". Friedreich formte daraus ihre Geschäftsidee: "Für mich ist Hospitality die Marktlücke." Seit 2012 organisiert sie auch die renommierte Kunstmesse "Viennacontemporary" mit, die früher "Viennafair" hieß. Der Bogen der Aufgaben reicht dabei "vom Catering über die Auswahl und Schulung der Hostessen, über die Deko bis zur Betreuung der Sammler und die Auswahl der Hotels."

Obwohl Friedreich selbst mit Leidenschaft lehrt, sieht sie in der Praxis die wichtigste Schule ihres Berufs: "Ich habe immer praktisch gearbeitet. Was man lernt, lernt man am besten durch die Jobs. Das ist meine Überzeugung."

Gleich nach dem Ende der Fußball-WM wartet schon im heimischen Vorarlberg die nächste große Sportveranstaltung auf die Hospitality-Managerin: Im Juli 2019 steigt die Welt-Gymnaestrada in Dornbirn. 25.000 Teilnehmer aus 60 Ländern werden zu dieser riesigen Breitensport-Veranstaltung erwartet. Christine Friedreich: "Da geht’s mir darum, dass Vorarlberg als Gastgeber in der ganzen Welt gut rüberkommt."