• vom 14.06.2018, 20:31 Uhr

Fußball-WM 2018


Marokko

Der WM-Traum lebt weiter




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  • Marokko spielt am Freitag gegen den Iran. Und will am Ziel einer Heim-WM festhalten.

In Marokko erfreut sich Fußball großer Beliebtheit. Am Freitag trifft das afrikanische Land zum WM-Auftakt auf den Iran. - © reuters/Boudlal

In Marokko erfreut sich Fußball großer Beliebtheit. Am Freitag trifft das afrikanische Land zum WM-Auftakt auf den Iran. © reuters/Boudlal

St. Petersburg. (rel) Wenn Marokko am Freitagabend (17 Uhr MESZ) im ersten Spiel der Gruppe B auf den Iran trifft, wird sich die Enttäuschung der Fans, Funktionäre und Spieler über die neuerliche, mittlerweile fünfte Niederlage bei der Kandidatur für die Ausrichtung einer Fußball-WM etwas gelegt haben. Schließlich waren ja die Chancen, gegen den von allen Seiten favorisierten Mitbewerber "United", bestehend aus dem doch finanzkräftigeren Trio USA, Kanada und Mexiko, gewinnen zu können, von Haus aus schon sehr gering gewesen. Das hat auch das Abstimmungsergebnis von 134:65 ziemlich eindeutig gezeigt. Außerdem weiß man nie, für was es gut ist. Zwar zählt das Königreich Marokko zu den stabileren und wohlhabenderen Ländern Afrikas, lebt mehr oder weniger die Demokratie (wenn auch mit klaren autoritären Elementen) und unterhält Freihandelsabkommen mit Europa und den USA. Ob das alles aber reicht, um das Risiko einer sicherheits- wie kostenintensiven Veranstaltung wie einer Fußball-WM zu tragen, steht auf einem anderen Blatt.

Fünf neue Stadien
Dem Maghreb geht es hier nicht anders als anderen Schwellenländern: Da genügt es oft, dass die Preise für Brot oder Benzin empfindlich steigen, und schon steht das Volk auf der Straße. Und wohin das führen kann, haben unter anderem die Ergebnisse des Arabischen Frühlings, der immerhin beinahe auch das politische und wirtschaftliche System Marokkos ins Wanken gebracht hätte, doch anschaulich gezeigt. Das bedeutet aber nicht, dass eine WM in dem Königreich von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Nicht nur zählt Fußball zu den beliebtesten Sportarten im Land und unterhält Marokko eine passable Liga (auch für Frauen), auch ist die Auswahl der funktionstüchtigen Stadien so übel nicht. Immerhin acht Arenen mit mehr als 30.000 Plätzen gibt es, hinzukommen dutzende kleine Plätze mit einer Kapazität für 10.000 bis 25.000 Personen, wobei freilich nur die wenigsten modernen Ansprüchen genügen. Daher gelten auch maximal die zwischen 2007 und 2013 errichteten Ovale in Casablanca, Fes, Marrakesch, Tanger und Agadir als turniertauglich. Dem wird allerdings bereits Abhilfe geschaffen, aktuell befinden sich drei Großstadien - Tetouan (50.000 Plätze), Kenitra und Al Hoceima (jeweils 40.000) - im Bau, zudem wären zwei Kolosse in Casablanca (80.000) und Oujda (40.000) geplant.


Bleibt nur die Sorge, ob das investierte Geld angesichts der neuerlich verpassten Heim-WM verloren sein könnte. Noch dazu, wo die marokkanische Liga kaum Bedarf an dutzenden neuen Arenen hat. Statt aber die Reißleine zu ziehen, bot Marokkos Sportminister Rachid Talbi am Donnerstag eine pragmatische Lösung an: Marokko werde sich ein sechstes Mal - für die WM 2030 - bewerben. Irgendwann muss es ja klappen.

Ob das auch für den Sport gilt, ist eher unwahrscheinlich. Zwar scheint für Marokkos Nationalelf ein Erfolg gegen den Iran am Freitag möglich, dafür wird es gegen die übrigen Gruppengegner Portugal und Spanien richtig schwer. Bisher war das Königreich fünf Mal bei Weltmeisterschaften vertreten, in die K.o.-Phase schaffte man es aber nur einmal: ins Achtelfinale bei der WM 1986.




Schlagwörter

Marokko, Fußball-WM

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Dokument erstellt am 2018-06-14 17:22:25



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Den VAR mag man eben . . .

Wenn jemand die Geste markenrechtlich geschützt hätte (so dies überhaupt möglich ist), hätte die Fifa bei dieser Weltmeisterschaft ordentlich zu... weiter







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