• vom 14.06.2018, 17:29 Uhr

Fußball-WM 2018

Update: 15.06.2018, 07:21 Uhr

Fußball-WM

Moskau im Ballfieber




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Von WZ-Korrespondentin Simone Brunner

  • Dass die WM in Moskau die politischste WM seit Jahrzehnten ist, ist unübersehbar.

Die Basiliuskathedrale auf dem Roten Platz im Schatten des WM-Pokals.

Die Basiliuskathedrale auf dem Roten Platz im Schatten des WM-Pokals.© afp/Cortez Die Basiliuskathedrale auf dem Roten Platz im Schatten des WM-Pokals.© afp/Cortez

Moskau. Auf dem Manege-Platz im Moskauer Zentrum, dort, wo man schon fast an der Kreml-Mauer ist und zum Lenin-Mausoleum sieht, haben sich die Fans versammelt. Die tunesischen Fans haben sich in ihre roten Fahnen gehüllt und liefern sich mit den Peruanern ein Duell der Schlachtgesänge. Die Brasilianer drücken sich abwechselnd eine Attrappe des WM-Pokals in die Hände und küssen sie. Die Kolumbianer haben sogar ein Plakat gedruckt. "Danke, Russland!", steht in kyrillischen Lettern. In Moskau ist der erste Tag der Fußball-WM in guter Stimmung angelaufen. Vor allem auf dem Platz am Ende der Twerskaja-Straße, dort, wo eine große Uhr schon seit Jahren den Countdown zum Anpfiff herunterzählt, steigt das WM-Fieber an.

Eine Gruppe mexikanischer Fans mit grün-weiß-roten Hüten rollt gerade ihre Koffer über den Platz, um sich noch für ein Foto zusammenzustellen. Plötzlich hüpft eine Passantin in das Bild und hält zwischen den Mexikanern die russische Fahne hoch. "Mexiko!", ruft ihr Begleiter, der ein Foto von der Gruppe schießt.


Moskau putzte sich heraus
"Wo geht es hier zum Roten Platz?", fragt Walet, der bei der Metro-Station Teatralnaja steht. Der Ägypter hat sich ein rotes Trikot seiner Nationalmannschaft übergestreift und ist gestern aus Dubai, wo er arbeitet, angereist. Nur für das Turnier. Er zählt seine Reisepläne auf: Heute Moskau, morgen Jekaterinburg, nächste Woche Sankt Petersburg, wo das ägyptische Nationalteam dann im zweiten Spiel gegen den Gastgeber Russland spielt. Von Moskau ist er begeistert. "So eine schöne und historische Stadt", schwärmt er. "Und mit der Metro ist man überall schneller als mit dem Taxi."

Doch auch Russen aus dem ganzen Land sind für das Turnier angereist. Wie Margarita, eine Frau um die 50 und ihr Mann, die 5000 Kilometer weiter östlich, am Baikal-See wohnen. "Wir sind große Fußballfans", erklärt Margarita. "Wir werden mit unserem russischen Nationalteam mitzittern." Sie lässt sich von ihrem Mann vor dem Reiterdenkmal des Marschalls Schukow fotografieren. Doch während sie so dasteht, läuft im Hintergrund die russische Nationalgarde ins Bild. Junge Männer in blauem Tarnfleck, in Dreierreihe, wie sie Richtung Lenin-Mausoleum marschieren.

Rund um die WM haben die Einsatzkräfte ihre Präsenz in der Stadt erhöht. Auch in der Metro wurden die Sicherheitskontrollen merklich ausgeweitet. Doch auch die sonst so mürrischen Metro-Mitarbeiter sind sichtlich um Freundlichkeit bemüht. Während aber in der ganzen Stadt die bunten "Welcome!"-Fahnen der WM aufgestellt wurden, fahren dieser Tage auch die "Awtosaki", die berühmt-berüchtigten Polizeibusse mit den Gitterfenstern, vermehrt in der Stadt auf. Das ohnehin strenge Versammlungsrecht wurde vor der WM noch zusätzlich eingeschränkt. Der britische Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell, der jüngst vor dem Roten Platz mit einem Schild ("Putin fails to act against Cechnya torture of gay people") einen Ein-Mann-Protest für Homosexuellen-Rechte abgehalten hatte, wurde kurzerhand von der Polizei abgeführt.

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Schlagwörter

Fußball-WM, Moskau, Reportage

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-14 17:34:32
Letzte Änderung am 2018-06-15 07:21:40



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