• vom 01.07.2018, 08:00 Uhr

Fußball-WM 2018

Update: 01.07.2018, 08:20 Uhr

Fußball-WM

Eine tiefrote Fußballgeschichte




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Historisch Bedeutendes trägt sich am 21. August 1955 in Moskau zu. Vor 80.000 Zuschauern kommt es zu einem fußballerischen Aufeinandertreffen der Sowjetunion und der Bundesrepublik Deutschland. Die sowjetische Auswahl gewinnt mit 3:2, doch viel bemerkenswerter ist der Umstand, dass es überhaupt zu einem Spiel der beiden Teams kommt. Denn im Mai 1955, nur vier Monate zuvor, verfestigen sich die Fronten im Kalten Krieg aufs Neue, als Westdeutschland der Nato beitritt und der Warschauer Pakt - mit der DDR als Mitgliedsstaat - unterzeichnet wird. Mit Lew Jaschin als beinahe unüberwindbaren Rückhalt bricht eine der erfolgreichsten Zeiten an. 1960 gewinnt die UdSSR den Europacup der Nationen, das Vorläuferturnier der Europameisterschaften. Das brisanteste Spiel ereignet sich im Viertelfinale, das mit Hin- und Rückspiel gegen Spanien ausgetragen wird. Dessen Diktator Franco befürchtet ein Wiederaufkommen der Linken in seinem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land und untersagt seinen Spielern die Reise zum Auswärtsspiel nach Moskau. Die UdSSR steigt kampflos ins Halbfinale auf und gewinnt später das Turnier. In den folgenden Jahren erreicht die sowjetische Auswahl mehrere Endspiele, die jedoch verloren werden. Hervorzuheben ist die WM 1966 in England, wo die UdSSR bis ins Halbfinale vorstößt und dort an der BRD mit 1:2 scheitert.

Das Kollektiv aus Kiew
Bei den Weltmeisterschaften 1982, 1986 und 1990 kann die Sowjetunion keine großen Erfolge einfahren. Dafür erspielt sich die UdSSR in Europa den Ruf eines funktionierenden Kollektivs. Ab 1986 wird das Team von der Trainerlegende Waleri Lobanowski betreut, der von 1974 bis 1990 auch Coach von Dynamo Kiew ist. Aus seinen überschneidenden Tätigkeiten ergeben sich nützliche Synergien. "Lobanowski hat damals fast den gesamten Kader von Dynamo Kiew zur sowjetischen Auswahlmannschaft gemacht", sagt Manuel Veth, der auf futbolgrad.com seit Jahren den russischen Fußball analysiert. Im Vergleich zu anderen Nationalteams ist die UdSSR, angeführt vom späteren Vorwärts-Steyr-Spieler Oleg Blochin, aufeinander abgestimmt und eingespielt. Der erfolgreiche Weg geht bis ins Finale der EM 1988 - dort unterliegt Lobanowskis Elf den Niederlanden mit 0:2. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul wird die Elf nicht von Lobanowski, sondern von Anatoli Byschowez betreut. Unter ihm gelingt mit einem 2:1 im Finale gegen Brasilien der letzte Titelgewinn.

Erfolglose Jahrzehnte
Der Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 führt zu veränderten, fußballerischen Rahmenbedingungen. Bei der EM 1992 geht eine Auswahl der nachfolgenden Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) an den Start und scheidet bereits in der Gruppenphase aus. Im gleichen Jahr nimmt die russische Mannschaft den Spielbetrieb auf. Bei WM 1994 in den USA, der ersten Turnierteilnahme nach dem Kollaps der Sowjetunion, ist Russland nur bedingt konkurrenzfähig. Oleg Salenko erzielt beim 6:1 über Kamerun zwar als bis heute einziger Spieler fünf Tore in einem WM-Spiel, die Niederlagen in den übrigen Gruppenspielen führen aber zum frühen Ausscheiden. Auch bei den folgenden Turnieren ist die Sbornaja entweder nicht qualifiziert oder muss schon in der Vorrunde die Segel streichen. Der bis heute größte Erfolg des russischen Nationalteams gelang 2008 mit dem Halbfinaleinzug bei der EM in Österreich und der Schweiz. Jüngster Tiefpunkt war das Ausscheiden in der Gruppenphase bei der EM 2016 in Frankreich. Das aktuelle Team unter Trainer Stanislaw Tschertschessow hat seinen Eintrag in den Geschichtsbüchern bereits sicher - ein Aufstieg ins Viertelfinale wäre historisch gesehen der nächste Meilenstein.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-29 17:19:41
Letzte Änderung am 2018-07-01 08:20:02



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