• vom 05.07.2018, 16:32 Uhr

Fußball-WM 2018


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  • Didier Deschamps versucht sein Starensemble vor dem Viertelfinale gegen Uruguay (Freitag, 16 Uhr) zu erden.

Noch ist nichts gewonnen: Auf Kylian Mbappé und Co. wartet Uruguay.

Noch ist nichts gewonnen: Auf Kylian Mbappé und Co. wartet Uruguay.© AFP Noch ist nichts gewonnen: Auf Kylian Mbappé und Co. wartet Uruguay.© AFP

Nischni Nowgorod. (may) Ist Frankreich wieder reif für den WM-Titel? 20 Jahre nach dem umjubelten Fest in Bleu-Blanc-Rouge bei der Heim-WM 1998 und zwölf Jahre nach dem Finaleinzug in Berlin steht die Équipe Tricolore wieder an der Schwelle zum Weltmeistertitel. Der Viertelfinalgegner ist mit Uruguay (Freitag, 16Uhr MESZ) wahrlich ein unangenehmer, allerdings auch keiner, vor dem sich das Starensemble mit der geballten Offensivkraft um Kylian Mbappé und Antoine Griezmann fürchten müsste. Allerdings beweisen die bisherigen WM-Duelle, dass die Südamerikaner mit ihrem defensiven Bollwerk eine harte Nuss werden könnten - sowohl 2010 in Südafrika als auch 2002 in Japan/Südkorea trennten sich beide Mannschaften in der Vorrunde torlos.

In jenen Jahren verfügte Frankreich freilich nicht über jene Offensivpower, die aktuell in Russland - jedenfalls spätestens seit dem furiosen 4:3 über Argentinien im Achtelfinale - mit ihrem Tempofußball für Begeisterung sorgt. In den Tagen nach dem fulminanten Auftritt in Kasan war Teamchef Didier Deschamps vor allem darum bemüht, seine Elf wieder zu erden und so gut wie möglich abzuschotten. So wurde etwa das (ohnedies nicht öffentliche) Training des Vize-Europameisters in Istra von Sicherheitsdiensten regelrecht abgeriegelt, damit nur ja niemand eine ungewöhnliche Trainingsaktion erhascht. Und dann nutzte der Kapitän der Weltmeisterelf von 1998 auch noch die Gelegenheit, seine Mannen subtil zu kritisieren und auf ihre Schwächen hinzuweisen: "Die Hälfte meiner Spieler hat noch keine WM gespielt. Diese Erfahrung fehlt uns, andere Mannschaften wie Brasilien sind uns in dem Punkt voraus. Darin sehe ich ein Problem", erklärte der 49-Jährige. Ein gefinkelter Schachzug - auf dass nur ja niemand auf die Idee käme, Analogien zwischen dem Jetzt und der Elf um Zinédine Zidane zu ziehen: "Bei unserem Titelgewinn waren wir alle nahezu 30 Jahre alt. Angefangen von Fabien Barthez im Tor bis zu Zidane waren alle Führungsspieler, keine Mitläufer", meinte Deschamps, der auch noch das DFB-Team bemühte. So habe Deutschland bei seinem Titelgewinn 2014 auf große Erfahrung zurückgreifen können. "Sie wurden Weltmeister mit vielen Spielern, die schon 2006 dabei waren. Sie haben schmerzhafte Niederlagen kennengelernt und acht Jahre gebraucht, um zu reifen."


Nun, schmerzhafte Niederlagen hat auch die Équipe Tricolore in der jüngeren Vergangenheit einstecken müssen. Vor vier Jahren kam das Aus im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister - das 0:1 im Maracanã war die bisher einzige Niederlage, die Deschamps in 15 Einsätzen als Spieler oder Trainer im Rahmen von Weltmeisterschaften kassiert hat. Und dann war da natürlich noch der Stich ins Herz einer ganzen Nation in Form des Weitschusses des Portugiesen Éder im EM-Finale 2016 in Saint-Denis. Recht viel schmerzhafter können Niederlagen nun wirklich nicht sein.

Neue Taktik mit Tolisso
Entschieden dürfte indes die Frage sein, wer statt des Gelb-gesperrten Blaise Matuidi ins Mittelfeld rückt: Die Wahl scheint auf Corentin Tolisso von Bayern München gefallen zu sein, der schon den Auftakt gegen Australien anstelle von Matuidi von Beginn an bestritten hatte. Tolisso ist zudem flexibel einsetzbar, wie es Deschamps für das defensive Bollwerk der Südamerikaner verlangt. So könnte er sein bisheriges 4-2-3-1-System umstellen und mit Mbappé, Griezmann und Olivier Giroud einen Dreier-Sturm aufbieten. Dass die beiden Letztgenannten in Russland bisher noch nicht recht harmonierten, bestätigt sogar Giroud. "Stimmt. Aber man muss geduldig bleiben." Dieses Motto gilt am Freitag wohl für alle Franzosen - gegen das Team mit den wenigsten Gegentoren des Turniers. Uruguays Fernando Muslera musste erst ein Mal hinter sich greifen.




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Dokument erstellt am 2018-07-05 16:37:50



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