• vom 05.07.2018, 21:00 Uhr

Fußball-WM 2018


Fußball-WM

Uruguays grenzenlose Hingabe




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Von Klaus Huhold

  • Das kleine südamerikanische Land liebt den Fußball und erkämpft sich seine Erfolge. Vor dem Viertelfinale gegen Frankreich sei die Stimmung bei den Fans "verrückt" und "unglaublich", berichtet der frühere Austria-Legionär Carlos Sintas.


© ap/Matilde Campodonico © ap/Matilde Campodonico

Montevideo/Wien. Diego Godín ist offenbar dem Pathos nicht abgeneigt. Uruguays Kapitän hat vor dem Achtelfinale gegen Portugal seine Mannschaftskameraden kurz vor Anpfiff versammelt, um noch einmal ein Beschwörungsritual durchzuführen. Die Worte, die Godin wählte, waren laut Zeugen in etwa folgende: "Wir spielen für die Mutter, für den Vater, für den Bruder, für die Schwester, für den Nachbarn. Deshalb ist keine Anstrengung zu groß."

Diese Szene sagte viel über das Selbstverständnis dieser Nationalmannschaft aus. Sie gibt am Spielfeld keinen Zentimeter her. So haben die Uruguayer Cristiano Ronaldo 90 Minuten lang keine ruhige Sekunde gelassen, sie haben keinen Zweikampf gescheut und sich den 2:1-Sieg erkämpft. Auch Trainer Óscar Tabárez betonte nach dem Match gegen Portugal fast gerührt, was sein Team besonders auszeichne: die grenzenlose Hingabe.


"Alle reden nur über Fußball"
Die gibt es offenbar auch bei den Fans. "Einfach nur unglaublich" sei vor dem Viertelfinale gegen Frankreich (Freitag, 16 Uhr MESZ) die Stimmung in Uruguay, berichtet der frühere Fußballprofi Carlos Sintas der "Wiener Zeitung". Der 65-Jährige hat Ende der 1970er Jahre für Austria Wien gespielt, nachher weiter in Wien gelebt und als Spielermanager und in der Tourismusbranche gearbeitet. Nun ist er zurück in Uruguays Hauptstadt Montevideo und verfolgt zum ersten Mal seit 1970 wieder einmal eine Weltmeisterschaft in seiner Heimat. Er ist selbst überrascht, welches Ausmaß die Leidenschaft dort hat. "Es ist verrückt. Alle reden nur über Fußball. Wenn das Match ist, wird kein Mensch arbeiten", erzählt der frühere Teamkollege von Herbert Prohaska.

. . . und Stürmer Cavani.

. . . und Stürmer Cavani.© REUTERS . . . und Stürmer Cavani.© REUTERS

Diese Begeisterung mag vielleicht Teil der Antwort eines Rätsels sein, das nicht ganz zu lösen ist und sich mit jedem Erfolg der Celeste neu stellt: Wie kann ein so kleines Land, das lediglich 3,5 Millionen Einwohner hat, nur so erfolgreich Fußball spielen? Nicht nur steht Uruguay zum siebten Mal in einem WM-Viertelfinale, die Himmelblauen sind auch zweifacher Weltmeister (1930 und 1950) und haben am öftesten die Copa América gewonnen - nämlich 15 Mal, zuletzt 2011.

Der Schriftsteller Eduardo Galeano, der - und das ist bei einem Autor aus Uruguay vielleicht gar nicht so überraschend - leidenschaftlich gerne über Fußball schrieb, meinte einmal, dass Uruguay erst durch den Fußball auf der Landkarte erschienen sei.

Tatsächlich war Uruguay einst die Avantgarde des Fußballs: Nicht nur war es das erste Land, das Spieler mit schwarzer Hautfarbe bei Großereignissen im Nationalteam einsetzte. Bei ihren Siegen bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris und 1928 in Amsterdam spielten diese aus Südamerika angereisten Gäste einen Fußball, der für Staunen sorgte: Uruguay praktizierte einen Kombinationsfußball, wie ihn die Europäer bis dahin noch nicht gesehen hatten.

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Dokument erstellt am 2018-07-05 17:19:52



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