• vom 09.07.2018, 19:01 Uhr

Fußball-WM 2018

Update: 09.07.2018, 19:28 Uhr

Fußball-WM

Die Könner und das Kollektiv




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Von Klaus Huhold

  • Es ist nicht die WM der Stars, sondern die der starken Individualisten.


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Moskau/Wien. Eine fast ketzerische Frage hat sich bei dieser WM aufgedrängt: Ist es überhaupt denkmöglich, dass ein Fußball-Team ohne Zlatan Ibrahimovic besser sein kann als mit diesem Ausnahmekönner? Für Ibrahimovic selbst scheint die Antwort klar zu sein: Für Zlatan ist eine Fußballmannschaft ohne Zlatan wie ein theologisches System ohne Gott (er bezeichnet sich in seinem Twitter-Account tatsächlich als Gott - oder als Löwen).

Nun hat aber Schweden bei diesem Turnier ohne Ibrahimovic einen Erfolg wie schon lange nicht gefeiert. Das Drei-Kronen-Team hat mit dem Erreichen des Viertelfinales sein bestes Ergebnis seit Platz drei bei der Endrunde 1994 erreicht. Die schwedische Elf, die schließlich sogar von Ibrahimovic Anerkennung bekam, war ein Team, dessen Taktik nur über das Kollektiv funktionieren konnte, in dem jeder Akteur sich dem (Defensiv-)Konzept unterordnete, und in dem sich auch keiner darauf verlassen konnte, dass es ein überragender Stürmer vorne schon richten wird.

Kevin de Bruyne jubelt mit seinen Teamkollegen, während Lionel Messi ein einsames Drama erlebte.

Kevin de Bruyne jubelt mit seinen Teamkollegen, während Lionel Messi ein einsames Drama erlebte.© ap/F. Augstein; ap/T. Stavrakis Kevin de Bruyne jubelt mit seinen Teamkollegen, während Lionel Messi ein einsames Drama erlebte.© ap/F. Augstein; ap/T. Stavrakis

Allerdings kann auch argumentiert werden, dass ein Ibrahimovic die Chancen, die Schweden bei der 0:2-Viertelfinalniederlage gegen England vergeben hat, verwertet hätte und Schweden mit ihm noch weiter gekommen wäre. Die Schweden-Frage wird also immer auch ein wenig eine hypothetische Diskussion bleiben.


Was sich aber feststellen lässt: Von allen Stars, die in der Manege des globalen Fußballzirkus einen Platz für sich beanspruchen, hatte Ibrahimovic bei dieser WM den erfolgreichsten Auftritt. Er ist nach Russland geflogen, hat wieder ein paar Sprüche abgelassen, für seine Werbepartner die typische Ibra-Show abgezogen und so viel Geld verdient.

Für die anderen drei großen Stars, die vor allem durch ihr fußballerisches Mitwirken auffallen wollten, verlief die WM weniger glänzend. Cristiano Ronaldo und Lionel Messi scheiterten im Achtelfinale, für Neymar war nun im Viertelfinale Schluss.

Neymar hat seine große
Chance verschauspielert

Vor allem der Brasilianer hat dabei eine große Chance verpasst. Das frühe Abtreten der beiden großen Dominatoren des Weltfußballs hätte dem durch eine Ablösesumme von 222 Millionen Euro bisher teuersten Spieler der Welt die Chance geboten, auch sportlich aus dem Schatten von Messi und Ronaldo zu treten. Der Akteur von Paris Saint Germain hat auch immer wieder gezeigt, was für ein Ausnahmekönner er mit dem Ball am Fuß ist. Doch in Erinnerung bleiben wird vor allem seine überzogene Theatralik, die er auch noch mit einer Schwalbe bei der 1:2-Viertelfinalniederlage gegen Belgien krönte. Gerade bei einer Weltmeisterschaft werden kollektive Geschichten erschaffen, und Neymar wird nun das Image des Schauspielkönigs nicht mehr loswerden.

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Dokument erstellt am 2018-07-09 17:40:56
Letzte Änderung am 2018-07-09 19:28:42



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