• vom 10.07.2018, 17:46 Uhr

Fußball-WM 2018

Update: 11.07.2018, 10:14 Uhr

Fußball-WM

Als England gegen Kroatien baden ging




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Von Christian Mayr

  • Die Three Lions haben mit Kroatien eine Rechnung offen. 2007 schossen sie Modrić & Co. aus der EM-Quali.

"The Wally with the brolly." Trainer Steve McLaren ging 2007 mit England gegen Kroatien mit 2:3 unter - eine denkwürdige Schlappe. - © afp

"The Wally with the brolly." Trainer Steve McLaren ging 2007 mit England gegen Kroatien mit 2:3 unter - eine denkwürdige Schlappe. © afp

Moskau. "Wir haben Trainer gesehen, von Hagel durchnässt und gepeitscht. Wir haben Anführer gesehen, die in Schnee und beißendem Wind bei ihren Männern sein wollten. Aber wir haben noch nie einen Cheftrainer gesehen - und ganz sicher nicht in England - der in so einem wichtigen Spiel Angst hatte, dass seine Haare nass werden könnten. In der dunkelsten Nacht der jüngsten englischen Fußball-Geschichte haben die Multi-Millionäre des Nationalteams ihre größte Demütigung erlitten." Wenn die angesehene "London Times" zu einem solchen Furor anhebt, muss etwas wahrlich Schreckliches passiert sein. Wir schreiben den 21. November 2007, das Mutterland des Fußballs empfängt im nagelneuen Wembley-Stadion im letzten Spiel der EM-Qualifikation Kroatien - ein Remis reicht für die Teilnahme an der Endrunde in Österreich und der Schweiz.

Doch die bereits fix qualifizierten Kroaten - schon damals angeführt von Luka Modrić - dachten nicht daran, die Three Lions zu schonen. Nach raschem 0:2-Rückstand (unter tatkräftiger Mithilfe des englischen Goalies Scott Carson) brannte der Hut gewaltig, also sollte es der eingewechselte Altstar David Beckham nach der Pause richten. Tatsächlich gelang rasch der 2:2-Ausgleich, und die EM schien wieder gerettet, ehe die verhängnisvolle 77. Minute anbrach: Mladen Petrić zieht aus 30 Metern ab, Carson entgleitet der Ball auf dem tiefen Boden erneut, Russland fährt statt England zur EM. Und mit Teamchef Steve McLaren ist rasch ein Schuldiger des vercoachten Spiels gefunden, zumal sich der lieber im strömenden Regen unter seinen Schirm verkroch, als die richtige Taktik zur erfolgreichen Qualifikation zu diktieren. Der "Trottel mit dem Regenschirm" ("the Wally with the brolly") ist seither auf der Insel ein geflügeltes Wort. Eine Metapher für die wohl bitterste Niederlage des englischen Fußballs seit der Absenz bei der WM 1994 in den USA.


Und nun kommt es am Mittwoch (20 Uhr MESZ) zu einem Wiedersehen beider Teams in den höchsten Sphären des Weltfußballs - dem WM-Semifinale in Moskau. Die Chance zur Revanche ist für die Briten freilich nur eine indirekte, weil kein einziger der jungen Garde von Gareth Southgate damals auf dem heiligen Rasen zu Wembley stand. Im Gegensatz zu den Kroaten, bei denen außer Modrić schon Vedran Corluka und Ivan Rakitić im Einsatz waren. Außerdem können die Kroaten genausogut auf Rache sinnen, schließlich verpassten sie die WM 2010 in Südafrika wegen - der Engländer. Die 1:4-Heim- und 1:5-Auswärtspleiten taten mindestens genauso weh. Daher meinte auch Kroatiens Fußballpräsident Davor Šuker vor dem Duell im Luschniki-Stadion: "Keine Revanche, es ist nur Fußball." Jener Šuker, der an Kroatiens erstem WM-Halbfinaleinzug vor 20Jahren als Torschützenkönig maßgeblichen Anteil hatte - womit die WM 1998 und das knappe 1:2 gegen Gastgeber Frankreich der wesentlich bedeutendere Bezugspunkt für die Kroaten ist. Die damalige goldene Generation, an der seither jede Elf mit den rot-weißen Karos ("Kockasti") gemessen wird, könnte damit ein für alle Mal übertrumpft und damit auch überwunden werden. "Wir wollen weiter unsere eigene Geschichte schreiben", betonte demgemäß Rakitić, der im Achtel- und Viertelfinale jeweils den entscheidenden Elfmeter im Penaltyschießen verwertet hatte.

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Schlagwörter

Fußball-WM, England, Kroatien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-10 17:52:57
Letzte Änderung am 2018-07-11 10:14:33



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