• vom 10.07.2018, 17:48 Uhr

Fußball-WM 2018

Update: 10.07.2018, 18:02 Uhr

Fußball-WM

Teamgeist als Trumpf




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  • Für Ex-ÖFB- und Kroatien-Teamchef Otto Baric käme ein Finale für sein Heimatland nicht überraschend.

Otto "Maximale" war 2004 bei der EM in Portugal Kroatiens Teamchef - und verlor in der Vorrunde gegen England 2:4. - © afp/Fife

Otto "Maximale" war 2004 bei der EM in Portugal Kroatiens Teamchef - und verlor in der Vorrunde gegen England 2:4. © afp/Fife

Wien. Otto Baric wird auch mit 85Jahren des Fußballs nicht müde. Für einen kroatischen Sport-TV-Sender analysiert der frühere österreichische und kroatische Teamchef in Zagreb die WM in Russland. Der Erfolgslauf der kroatischen Nationalmannschaft, die am Mittwoch (20 Uhr MESZ) gegen England um den Finaleinzug spielt, kommt für ihn nicht überraschend.

"Kroatien kann schon seit längerer Zeit mit den besten Mannschaften mithalten", erklärte Baric am Dienstag im Gespräch mit der APA. "Dass sie so weit kommen, ist höchstens eine kleine Überraschung." Von den Namen her ist Kroatiens Semifinaleinzug tatsächlich keine Sensation. Luka Modrić, Ivan Rakitić, Mario Mandžukić, Marcelo Brozović, Ivan Perišić - vor allem im Mittelfeld sind die Südosteuropäer mit überbordendem Talent gesegnet.

Rakitić und Modrić, die Achter von Barcelona und Real Madrid, seien die Mannschaftsstützen, so Baric. "Aber der Schlüssel ist die sehr gute Stimmung zwischen Trainerstab und Spielern. Sie alle glauben fest daran, dass sie Großes schaffen können. Das ist sehr wichtig in einem Turnier."

Der 51-jährige Teamchef Zlatko Dalić, vor der WM als Trainer ein eher unbeschriebenes Blatt (arbeitete in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten), habe eine Wohlfühloase geformt. "Die Verständigung im Verband ist viel besser als früher, besser als viele Jahre", meinte Baric, der Kroatien selbst zur EM 2004 geführt hat. Damals war bereits in der Vorrunde Schluss. Das Entscheidungsspiel verlor seine Truppe damals 2:4 - ausgerechnet gegen England. "Sie waren damals einfach besser, wir hingegen hatten viele Probleme im Umfeld. Ich musste dann gehen", erinnerte sich Baric.

Die Three Lions von 2018 sieht er auf Augenhöhe mit den Kroaten. "Sie sind ein guter Gegner, aber überhaupt nicht besser als wir. Sie haben eine größere Liga, größeres Potenzial und leider auch mehr gleichwertige Spieler", sagte Baric. Kroatien habe "besondere Spieler", aber nur 14 "mit Niveau für die Spitze". Sperren und Verletzungen, wie die Knieblessur von Šime Vrsaljko, seien schwer zu verkraften. Durch den Ausfall des erprobten Rechtsverteidigers wird die eingespielte Innenverteidigung Dejan Lovren/Domagoj Vida gesprengt - ein schwerer Schlag für Kroatiens Final-Ambitionen, so Baric. "Leider ist Jedvaj noch jung und nicht gut in Form, Vida muss das jetzt machen. Wir verlieren damit die zwei besten Stopper der Weltmeisterschaft bisher." Nach überzeugenden Siegen in der Gruppenphase, unter anderem gegen Argentinien (3:0), wurde für die Kroaten in den K.o.-Runden plötzlich alles komplizierter. Gegen Dänemark und Russland konnten sie nicht mehr an die Vorrunden-Leistungen anknüpfen und schafften jeweils erst im Elfmeterschießen den Aufstieg. "Manchmal braucht man auch das nötige Glück, so ist das im Fußball", sagte Baric. Die Extra-Schichten könnten gegen England aber den Unterschied ausmachen, befürchtet der siebenfache österreichische Meistertrainer (Wacker Innsbruck, Rapid, Salzburg). "Kroatien ist schon ein bisschen müde, das könnte ein Vorteil für England sein."

"Keine sehr gute WM"

Der Endrunde in Russland stellte Baric ein zufriedenstellendes Zeugnis aus. "Das Niveau ist gut. Aber ich kann nicht sagen, dass es eine sehr gute WM ist", erklärte Baric und verwies auf den seiner Meinung nach zu großen Niveau-Unterschied insbesondere zwischen den Kontinenten. Dementsprechend wenig kann er einer zukünftigen XXL-WM mit 48 Teams abgewinnen. "Die Idee mit 48 Mannschaften ist idiotisch. Bei einer WM wollen die Leute die Besten sehen. So viele gute Nationen gibt es nicht."

Den österreichischen Fußball verfolge der ÖFB-Teamchef von 1999 bis 2001 nach wie vor intensiv. Der fachmännische Kommentar dazu fiel knapp aus: "Österreichs Fußball ist solide." Eine Qualifikation für ein Großturnier dürfe für ein Land wie Österreich eben nicht selbstverständlich sein. Baric ist aber guter Dinge: "Österreich wird sich in zwei bis vier Jahren wieder qualifizieren." Der nunmehrige ÖFB-Teamchef Franco Foda sei genauso "in Ordnung" wie Vorgänger Marcel Koller. "Leider wechseln europäische Verbände ihre Teamchefs zu schnell, das ist nicht gut."





Schlagwörter

Fußball-WM, Kroatien, Otto Baric

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-10 17:55:53
Letzte Änderung am 2018-07-10 18:02:25



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