• vom 10.07.2018, 21:44 Uhr

Fußball-WM 2018

Update: 10.07.2018, 22:27 Uhr

Fußball-WM

Natürlich Standard




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Von jm

  • Frankreich ist im WM-Finale. Ein Kopfball brachte die Entscheidung gegen Belgien. Alles andere hätte auch überrascht.

Frankreichs Samuel Umtiti erlöst seine Mannschaft mit dem Siegestor in Minute 51.

Frankreichs Samuel Umtiti erlöst seine Mannschaft mit dem Siegestor in Minute 51.© APAweb / AP Photo, Martin Meissner Frankreichs Samuel Umtiti erlöst seine Mannschaft mit dem Siegestor in Minute 51.© APAweb / AP Photo, Martin Meissner

St. Petersburg. So sympathisch die Belgier als Geheimfavorit schlussendlich waren: Die Semifinalpartie ging schon bei der Hymne an Frankreich. Vom Gesang der aufgereihten Spieler einmal abgesehen. Aber das war auch nicht der Song Contest. C’est Magnifique!

Und da war so viel Qualität auf dem Platz. Aber wie gewinnt man ein Spiel gegen sich selbst? Die Spielanlage beider Mannschaften ist nahezu ident. Ballbesitzfußball, hunderte Pässe im Laufe einer Partie, bis sich beim entnervten Gegner endlich eine Lücke auftut für einen tödlichen Pass, den Paul Pogba ebenso spielen kann wie Kevin de Bruyne. Dann kennt man sich auch noch ziemlich gut. Zum Teil aus der eigenen Klubs oder als Rivalen in der Liga. Vielleicht war man sich für den neutralen Beobachter fast zu ähnlich. In der 14. Minute gab es den ersten Fehlpass. Bis dahin hat man sich in Weltklassemanier gegenseitig neutralisiert.

Die hauchdünne Nuance im ersten Durchgang zwischen beiden Mannschaften war lange die Geduld im Angriffsspiel, die zunächst Belgien eher verkörperte, was die Franzosen regelmäßig in der gegnerischen Hälfte festschnürte, garniert mit, was auch sonst: Qualität. Frankreichs Außenverteidiger Benjamin Pavard hatte oft seine liebe Not mit Eden Hazard, der ihn stehen ließ wie ein eben verpasster Zug (19.); Hazard schlenzte den Ball halb links im Strafraum Richtung Tor, den Raphael Varane nur knapp über die Querlatte klären konnte.

Bis dahin war von Frankreichs Offensivspiel nur bekannt: Kylian Mbappes Schnelligkeit ist schnell, sehr schnell. Aber erst in der 40. Minute wurde sie erstmals gefährlich. Nach einem Doppelpass mit Mbappe stand Pavard völlig frei vor Belgiens Schlussmann Thibaut Courtois, der gerade noch so mit einem Bein klären konnte.

Was sind schon 13 Zentimeter?

Nach der Halbzeitpause wurde es dann groß, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Eckball, Tor für Frankreich in der 53. Minute. Natürlich Standard. Erstaunlicher war nur der Hergang. Samuel Umtiti (1,81 m) schraubt sich nach einem guten Laufweg höher als Marounae Fellaini (1,94 m) und nickte kompromisslos ein. So einfach gehts. Nur ist Fellaini 13 Zentimeter größer als Umtiti. Den Lockenkopf nicht eingerechnet. Wie geht das? Fellainis haariges Haupt war eine Viertelstunde später dann wieder Thema. Nur diesmal in Frankreichs Strafraum. Der Mittelfeldspieler von Manchester United köpfte eine Flanke so knapp am Tor vorbei, wie Belgien schlussendlich am Finale vorbeischrammte. Die Belgier verloren nach dem Gegentreffer viele Bälle im Mittelfeld, die Franzosen foulten mehr und mauerten vor dem eigenen Sechszehner.

Auf Stürmersuche

Ein Linksschuss von de Bruyne näherte sich in der 77. Minute plötzlich dem Stadiondach. Das mochte man von einem beidfüßigen Weltklassespieler nicht so recht glauben, aber das war immerhin, etwas überspitzt ausgedrückt, mehr und gefährlicher als das, was die nominellen Stürmer beider Mannschaften die längste Zeit so vorbrachten. Frankreichs Spitze Olivier Giroud war zwar da aber ungefährlich, sein belgisches Pendant Romelu Lukaku war auch da, aber über die gesamte Spielzeit so gut wie gar nicht zu sehen. Erst zum Schluss, als es die Belgier mit allen Mitteln probierten, wurde Lukaku zumindest von den Kameras eingefangen. Auf das Kurzpassspiel verzichtete Belgien immer öfter, schlug hohe Flanken in Frankreichs Strafraum, die Lukaku trotz seines stämmigen Körpers gegen Varane verwerten nicht konnte.

Frankreich verteidigte konsequenter und disziplinierter als Belgien. Zumindest für diesen einen Moment, als Umtiti einköpfte. Ein Innenverteidiger und ein Standard brachten Frankreich ins Finale. Alles andere hätte in diesem Turnier aber auch überrascht.





Schlagwörter

Fußball-WM, Frankreich, Belgien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-10 21:45:14
Letzte Änderung am 2018-07-10 22:27:15



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