• vom 12.07.2018, 17:23 Uhr

Fußball-WM 2018

Update: 12.07.2018, 17:35 Uhr

Fußball-WM

Der Schmerz wird noch größer




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  • Nach der verpassten Finalchance dauern die "52 years of hurt" weiter an. Doch es schwingt auch Stolz mit.

Harry Kane am Boden zerstört. "Es tut weh, sehr weh. Und es wird länger wehtun." - © ap/Blackwell

Harry Kane am Boden zerstört. "Es tut weh, sehr weh. Und es wird länger wehtun." © ap/Blackwell

Moskau. (may) Nach solchen Niederlagen, die eine ganze Nation in ein tiefes Loch reißen, sind alle Erklärungen nur entsetzlich hilflose Versuche, den Schmerz zu beschreiben. "Wir dachten, wir könnten es schaffen, aber es hat nicht sollen sein", stammelte ein völlig fertiger Three-Lions-Kapitän Harry Kane in die Mikrofone. "Am Boden zerstört", umriss es Verteidiger Harry Maguire. Und sein Trainer Gareth Southgate, der bei Gott als Spieler schwere Schlappen wegzustecken hatte, wagte gleich gar nicht, drumherumzureden. "Im Moment fühlen wir nur den Schmerz", sprach der 47-Jährige, der wie ein verdutzter Boxer nach einem plötzlichen K.o.-Schlag dreinsah.

Aus und vorbei für England - nach dem 1:2 nach Verlängerung im WM-Semifinale gegen Kroatien lautet es nicht mehr "Foootball is coming home", sondern "Four more years of hurt". Denn die während der WM hochstilisierten "52 years of hurt" seit dem WM-Titel im eigenen Land anno 1966 dauern jedenfalls vier weitere Jahre an - in Katar 2022 darf sich die für viele noch zu junge britische Elf erneut an der höchsten Trophäe im Weltfußball versuchen. Wobei allen bewusst ist, dass es eher nicht mehr so leicht werden wird, ein Finale zu erreichen wie heuer und damit eine womöglich einmalige Chance vertan wurde. "Es tut weh, sehr weh. Und es wird länger wehtun", meinte Kane. Zumal der scheinbar ausgelaugte Semifinalgegner am Mittwoch im Luschniki-Stadion fast 70 Minuten lang dominiert und in Schach gehalten wurde, und die Three Lions der irren Annahme waren, mit dem 1:0 (5.Minute Freistoß von Kieran Trippier) über die Runden zu kommen. Doch das Kung-Fu-Tor von Ivan Perišić aus dem Nichts (68.) bescherte den Kroaten plötzlich Auftrieb, der letztlich zum verdienten Siegestor durch Mario Mandžukić (109.) in der Verlängerung führte. Die Engländer konnten diesen Rückschlag weder mental noch körperlich verkraften. Nach dem Schlusspfiff saßen die englischen Spieler gedankenverloren auf dem Rasen, Tränen flossen sonder Zahl. "Der Trainer hat kurz zu uns in der Kabine gesprochen: Wir sollen uns nicht schlecht fühlen, sondern stolz sein", berichtete später Kapitän Kane - Southgates Worte werden wohl Zeit brauchen, um zu sickern. Wie jene aus dem royalen Kensington Palast: "Ich weiß, wie enttäuscht Ihr jetzt sein müsst. Aber ich könnte nicht stolzer sein auf diese Mannschaft, und Ihr solltet es auch sein", schrieb Prinz William via Twitter.


Auch Englands früherer Top-Torjäger und nunmehriger Top-Kommentator Gary Lineker sprach Mut zu: "Zutiefst erschüttert, aber diese junge Truppe hat absolut alles gegeben. Das ist ein großer Schritt nach vorne, und sie können nur noch besser werden." Auch Southgate hofft, dass seine junge Elf den Zenit erst erreichen und auch künftig um Titel mitspielen wird. Aber: "Heute war eine wunderbare Gelegenheit für uns. Man kann nicht garantieren, dass eine solche wieder kommt."

Er wird sich aber wohl auch die Frage stellen müssen, ob er mit seiner Rückzugstaktik in der zweiten Hälfte nicht die Kroaten erst stark gemacht hat. Und warum er nichts gegen die letztlich spielentscheidenden Flanken der starken Außenspieler Perišić und Šime Vrsaljko unternommen hat.

Gegen Belgien im kleinen Finale
Zuvor gilt es freilich, seine darniederliegende Mannschaft für das kleine Finale am Samstag (16Uhr MESZ) gegen Belgien in St. Petersburg aufzurichten. "Es ist natürlich eine sehr schwere Aufgabe, jeden mental dort wieder hinzubringen", gab Southgateoffen zu. Immerhin geht es dabei nicht nur um Rang drei und einen versöhnlichen WM-Abschied, sondern auch um den goldenen Schuh für den WM-Schützenkönig. Zumindest diesen Titel kann sich Kane, der mit sechs Treffern vor Belgiens Romelu Lukaku (4) führt, noch sichern.




Schlagwörter

Fußball-WM, England, Kroatien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-12 17:28:58
Letzte Änderung am 2018-07-12 17:35:29



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