• vom 13.07.2018, 16:20 Uhr

Fußball-WM 2018


Fußball-WM

"Spassibo"




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  • Die WM in Russland war organisatorisch ein Erfolg - Gianni Infantino lobt den Gastgeber.

Moskau. "Ich kann es mit größter Überzeugung sagen. Ich habe es erlebt, und Sie haben es erlebt: Es ist die beste Weltmeisterschaft, die jemals stattgefunden hat." Gianni Infantino hat sein Urteil schon getroffen. Sportlich kann man darüber freilich geteilter Meinung sein, organisatorisch und infrastrukturell hat Russland aber tatsächlich ganze Arbeit geleistet. "Ein großes Dankeschön an Russland: Spassibo. Der russischen Regierung, Präsident Putin, allen, die in diesem Land beteiligt waren, um sicherzustellen, dass es die beste WM war, die jemals stattgefunden hat", betonte der Weltverbandschef. Russland habe sich durch die WM zu einem Fußball-Land verändert.

Die Fußball-WM hat den Ruf von Gastgeber Russland auch nach eigener Darstellung spürbar verbessert. "Das Image ist wichtiger als das BIP. Russland ist besser, als viele dachten, vor allem im Westen", hatte WM-Cheforganisator Arkadi Dworkowitsch am Mittwoch in Moskau gesagt. Russlands Ruf habe sich durch die WM der Realität angenähert, sagte Dworkowitsch der Agentur Tass zufolge bei einer Konferenz. Dies werde sich auch positiv auf die Wirtschaft auswirken, meinte der Organisationschef.


Präsident Wladimir Putin, der sich anders als bei den Olympischen Spielen diesmal als Edelmaskottchen zurückhielt und nach der Eröffnung nur beim Finale auf der Tribüne sitzen wird, hatte vor der WM gesagt, das Turnier solle eine Gelegenheit zur Völkerverständigung werden. Russland wollte sich als gastfreundlich und liebenswert präsentieren. Zehntausende Fußballfans aus dem Ausland feierten in den vergangenen Wochen ausgelassen in den Straßen der Spielorte. Die Behörden, die bei politischen Kundgebungen oft brutal vorgehen, ließen sie gewähren. Experten schätzen, dass die lockere Stimmung nach der WM allerdings wieder verpuffen wird, auch Menschenrechtsaktivisten befürchten danach wieder Repressionen für Minderheiten.

Impulse für den Tourismus
Russland hofft dennoch nach der WM auf wesentlich mehr Touristen. Sie erwarte ein deutliches Plus bei der Zahl ausländischer Urlauber, sagte die stellvertretende Regierungschefin Olga Golodez in einem Reuters-Interview. "Wir hoffen, dass dieser Zustrom im nächsten Jahr um nicht weniger als 15 Prozent zunehmen wird, dank der Politik der Offenheit und der Anerkennung Russlands während der Weltmeisterschaft." Russland hat mehr als 700.000 ausländische Fußballfans während des Turniers beherbergt, unter anderem in Moskau, St. Petersburg und Sotschi, Sicherheitsprobleme gab es nicht. Auch Sorgen über Gewalt von Hooligans, die es vor dem Turnier gab und teilweise aus der Szene angekündigt worden war, haben sich nicht bestätigt. "Wir sind sehr erfreut darüber, wie die Menschen auf die Atmosphäre reagiert haben", sagte Golodez. "Es scheint mir, dass die Weltmeisterschaft uns erlaubt hat, Stereotypen zu zerstören, die in der Welt existierten."

Russland hofft laut Golodez auch auf einen Entwicklungsschub in den Regionen, wo Spiele stattgefunden haben. Die Regierung werde bald einen Plan vorlegen, um sicherzustellen, dass neu gebaute Stadien nicht ungenutzt bleiben. Saransk, die kleinste WM-Stadt, verfügt über ein Stadion mit rund 45.000 Sitzplätzen und nur 300.000 Einwohnern. Die 650 Kilometer südöstlich von Moskau gelegene Stadt hat auch keine Mannschaft in der ersten russischen Liga. "Je kleiner die Bevölkerung, desto schwieriger wird es natürlich, dieses Programm umzusetzen. Das ist verständlich. Aber wir sehen überall Potenzial."

Die WM-Stadien sollen künftig große kulturelle Veranstaltungen, einschließlich Musikfestivals, beherbergen. Ihr Betrieb solle in den nächsten zwei bis drei Jahren stabil sein, sagte Golodez, die für Sport und Kultur zuständig ist.




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Dokument erstellt am 2018-07-13 16:26:05



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