• vom 13.07.2018, 16:27 Uhr

Fußball-WM 2018


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Der ungeliebte Kampf um Bronze




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  • England und Belgien wollen im kleinen WM-Finale einen versöhnlichen Schlusspunkt setzen.

Im Gruppenspiel vor zwei Wochen schickten Belgien und England nur B-Elfs auf den Platz. Im kleinen Finale am Samstag wird das anders sein. - © reu/Bazo

Im Gruppenspiel vor zwei Wochen schickten Belgien und England nur B-Elfs auf den Platz. Im kleinen Finale am Samstag wird das anders sein. © reu/Bazo

St. Petersburg. Bronzemedaillen und der goldene Schuh - sie stehen auf dem Spiel, das eigentlich keiner gern spielen will. Die beiden enttäuschten Halbfinal-Verlierer Belgien und England treffen am Samstag (16 Uhr MESZ) in St. Petersburg im Spiel um Platz drei aufeinander. Dennoch werden die Teams, immerhin zwei belebende Mannschaften dieser WM, am Ende ein positives Fazit ziehen, nahezu unabhängig vom Ausgang.

Die Begegnung einer "brillanten Generation", der die Krönung misslang, mit "Messias und seinen Jünger", wie ein Boulevardblatt schrieb, soll zumindest unterhaltsameren Fußball bieten als das Duell vor gut zwei Wochen, als man zum Abschluss der Gruppenphase schon einmal aufeinander getroffen war. Sowohl England als auch Belgien standen bereits als Aufsteiger fest, auf den Verlierer wartete ein vermeintlich leichterer Weg in der K.o.-Phase. Die eine B-Elf besiegte schließlich die andere B-Elf mit 1:0, danach entgingen die roten Teufel im Achtelfinale knapp einem Aus (3:2 gegen Japan) und schalteten Rekordweltmeister Brasilien (2:1) aus.


Fürs Finale hat es aber für beide nicht gereicht, weswegen auch am Samstag weniger der Kampf um Bronze als in erster Linie das Duell um den goldenen Schuh für den besten Torschützen des Turniers im Mittelpunkt stehen wird. Diesen wird sich aller Voraussicht nach Harry Kane holen, der den Sieg in der Torjägerliste schon vor der WM als Ziel ausgegeben hat. Der englische Kapitän und Mittelstürmer führt mit sechs Treffern die Schützenliste an. Sein größter Konkurrent spielt auf der Gegenseite: Der Belgier Romelu Lukaku hält bei vier Toren. Die Franzosen Antoine Griezmann und Kylian Mbappé, die am Sonntag im Finale auf Kroatien treffen, stehen bei je drei. "Es ist nicht das Spiel, das eine Mannschaft spielen will", erklärte Englands Teamchef Gareth Southgate mit Blick auf das kleine Finale. "Aber natürlich wollen wir gewinnen." Und damit beweisen, dass die Three Lions verdient in die Weltspitze zurückgekehrt sind. "Wir hätten das Turnier gewinnen können. Aber wenn wir es jetzt nicht mehr gewinnen können, wollen wir es wenigstens mit einem Sieg beenden", sagte Torhüter Jordan Pickford: "Wir wollen dieses Turnier mit einem Erfolgserlebnis beenden und eine schöne Erinnerung sammeln."

Vom "Trottel" zum "Messias"
Wie sehr sich der englische Fußball in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat, zeigen am besten zwei Zitate britischer Medien. Teamchef Steve McClaren wurde nach der verpassten Qualifikation für die EM 2008 von der "Daily Mail" noch als "Trottel mit dem Regenschirm" verspottet. Gareth Southgate, schon der fünfte Nachfolger seitdem, huldigte die "Sun" am Donnerstag mit den Worten: "Der Messias mit der Anzugweste heilte unser unruhiges Volk mit seinen jungen Jüngern." Dennoch steckt den Engländern wie auch den Belgiern der Frust des bitteren Halbfinal-Aus noch deutlich in den Knochen. Dafür scheint der Antrieb der roten Teufel größer: Sie können immerhin die goldene Generation ihres Landes übertreffen. 1986 war das Team um Torhüter Jean-Marie Pfaff Vierter geworden. Pfaff bezeichnete die heutige dieser Tage als "brillante Generation". "Der dritte Platz ist auf jeden Fall noch eine Motivation", meinte Abwehrchef Vincent Kompany: "Schließlich hat Belgien das vorher noch nie erreicht."

Auch für England, Weltmeister von 1966, macht Platz drei oder vier statistisch einen Unterschied. Nachdem die Engländer 1990 das Spiel um Platz drei gegen Italien verloren haben, würde die aktuelle Generation mit einem Sieg alleinig zweitbeste in der Historie des Fußball-Mutterlandes sein.




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Dokument erstellt am 2018-07-13 16:34:57



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