• vom 15.07.2018, 07:00 Uhr

Fußball-WM 2018

Update: 15.07.2018, 10:31 Uhr

Fußball-WM

Und es hat Klick gemacht




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  • Über verschlungene Wege hat Zlatko Dalić ins Team gefunden. Jetzt ist er ein Held. Dabei ist gerade seine Zurückhaltung seine Stärke.

Zlatko Dali blickt seinem größten Spiel entgegen. Dass es so weit kommen würde, hätte er nie geträumt.Damir Sagolj/Reuters - © REUTERS

Zlatko Dali blickt seinem größten Spiel entgegen. Dass es so weit kommen würde, hätte er nie geträumt.Damir Sagolj/Reuters © REUTERS

Moskau. (art) Als Kroatien bei der WM 1998 mit dem Einzug ins Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich den bis dahin größten Erfolg des ebenso jungen wie kleinen Landes feierte, saß Zlatko Dalić mit seinem Klub Hajduk Split im Trainingslager, nachdem er die Vorrundenspiele noch im Stadion verfolgt hatte. Selbst wurde er während seiner eher durchschnittlichen Spielerkarriere nie in die kroatische Auswahl einberufen, erinnern kann er sich aber bestens an dieses 1:2 gegen Frankreich. "Jeder in Kroatien erinnert sich daran und an die beiden Tore von Lilian Thuram. Ich weiß noch, wie wir Davor Šukers Führungstor feierten, aber kaum sind wir wieder gesessen, fiel der Ausgleich", sagt er. Kroatien verpasste das Finale. 18 Jahre später stand Dalić dann selbst in einem Endspiel, jenem der asiatischen Champions League mit Al Ain aus den Vereinigten Arabaischen Emiraten, mittlerweile als Trainer, und musste eine ebenso bittere Niederlage gegen die südkoreanische Mannschaft Jeonbuk hinnehmen. Auch daran erinnert er sich noch gut. "Die Niederlage war ein großer Schock. Wir waren so nahe dran, diesen Titel zu gewinnen, den sich alle gewünscht haben. Die Niederlage wird immer in meinem Kopf sein", sagte er dieser Tage in Moskau. Dabei hat er dort am Sonntag im Finale gegen Frankreich (17 Uhr MESZ) selbst die Chance, die Geister der Vergangenheit zu vertreiben - die eigenen als Trainer und jene Kroatiens.

Dass es dazu kommen würde, hätten sich weder er noch die kroatischen Fans vor einem Jahr erträumt. Der Verband holte ihn sprichwörtlich aus der Wüste, ein Akt der Verzweiflung, als Kroatien drohte, die WM zu verpassen und (der wesentlich bekanntere) Ante Čačić vor dem entscheidenden Spiel gegen die punktgleiche Ukraine vor die Tür gesetzt wurde. Prominente Spieler wie Luka Modrić hatten ihm die Gefolgschaft verweigert. Doch dann kam Dalić.


Vertrauensvolles Klima
Mit einem 2:0 über die Ukraine rettete sich Kroatien als Zweiter ins Play-off, wo es sich gegen Griechenland durchsetzte. Der Rest ist ein Sommermärchen, das sich Dalić selbst nicht so recht erklären kann. "Der Schlüssel ist, dass es zwischen mir und den Spielern Klick gemacht hat", sagt der 51-Jährige, der sich im Umgang mit den Spielern bewusst zurücknimmt. "Ich muss diesen Burschen nicht Fußball beibringen. Ich muss mich um andere Dinge kümmern." Es ist eine Zugangsweise, die offenbar Erfolg hat. "Zlatko hat uns von Anfang an gezeigt, dass er jenes Vertrauen in uns hat, das andere davor nicht hatten", erklärt Verteidiger Dejan Lovren. Auch der unter Čačić unglückliche Modrić hat wieder zu jener Freude am Spiel zurückgefunden, die es braucht, damit die Vatreni, die Feurigen, ihrem Spitznamen wieder gerecht werden. "Seit ich in der Nationalmannschaft bin, habe ich noch nie so eine Gemeinschaft gespürt. Das hat uns dahin geführt, wo wir jetzt stehen", sagt der 32-jährige Regisseur. Und vielleicht führt sie ihn, seine Kollegen und Dalić sogar noch weiter. Der Teamchef, ein gläubiger Katholik mit dem Rosenkranz immer im Säckel, hofft gegen den großen Favoriten auf Beistand von oben. "Wenn Gott will, werden wir Weltmeister." Die Geister der Vergangenheit wären damit endgültig vertrieben.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-13 16:41:05
Letzte Änderung am 2018-07-15 10:31:30



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