London. (art) Die Vorbereitung verlief schleppend, der Start dann umso glatter: Oliver Marach und Mate Pavić haben ihr Auftaktmatch beim World-Tour-Finale im Tennis gewonnen und den Aufstieg nach dem 6:4, 7:6-Sieg über die Franzosen Pierre-Hugues Herbert/Nicolas Mahut nun in eigener Hand. Dabei waren die beiden - wiewohl in der Londoner O2-Arena beim Saison-Abschlussturnier der acht besten Doppel des Jahres als Nummer eins gesetzt und Weltranglistenerste mit Jahresende - keineswegs sorgenfrei zum finalen Höhepunkt gereist. Zum einen hatte sich Pavić beim Turnier in Paris eine Bauchmuskelverletzung zugezogen, zum anderen war das Duo ausgerechnet in eine Gruppe mit seinen Angstgegnern gelost worden. Gegen Herbert/Mahut hatte es etwa im French-Open-Finale eine Niederlage gesetzt.

Dafür nahm die österreichisch-kroatische Paarung nun erfolgreich Revanche, was auch für das weitere Turnier Positives verheißt. Die weiteren Gegner in der Gruppe Knowles/Nestor sind die zuletzt stark aufspielenden Lukasz Kubot/Marcelo Melo sowie die US-Amerikaner Mike Bryan und Jack Sock. Schon zuvor sind wieder die anderen beiden Österreicher in London im Einsatz - die aber beide noch auf ihren ersten Sieg warten. Ebenfalls im Doppel tritt Alexander Peya mit Nikola Mektić an, sie eröffnen den Dienstag um 13 Uhr mit ihrer Partie gegen Raven Klaasen/Michael Venus. Nach der Auftaktniederlage gegen Cabal/Farah brauchen sie einen Sieg, um noch realistische Chancen auf den Aufstieg ins Halbfinale zu haben. Allerdings ist auch Peya angeschlagen, aufgrund einer Ellenbogenverletzung konnte der Wiener seit August kein Turnier bestreiten.

Den Abschluss des Tages bestreitet schließlich Dominic Thiem mit seiner Partie gegen Roger Federer (21 Uhr/ORF Sport+). Ausgerechnet der langjährige Branchenprimus ist der einzige unter Thiems Gruppengegnern, gegen den er eine positive Bilanz hat: Zwei von drei direkten Duellen mit dem Schweizer hat der Niederösterreicher gewonnen, allerdings datieren alle bisherigen Begegnungen aus dem Jahr 2016.

Knowle war am nächsten dran

Diesmal treffen die beiden als Auftaktverlierer aufeinander und hoffen jeweils auf eine Steigerung. Thiem musste sich am Sonntag Stadthallensieger Kevin Anderson ebenso in zwei Sätzen geschlagen geben wie Federer dem Japaner Kei Nishikori.

Thiem, der bei seiner dritten Teilnahme am Saisonabschlussturnier den erstmaligen Aufstieg ins Halbfinale anstrebt - das bisher beste Resultat eines Österreichers war der Finaleinzug von Doppelspezialist Julian Knowle im Jahr 2007 -, haderte zwar vor allem im ersten Satz gegen Anderson sowohl mit seinem Aufschlag als auch mit seinem Return, gab sich dennoch für den weiteren Turnierverlauf kämpferisch: "Das ist das Schöne an dem Turnier: Egal ob Sieg oder Niederlage - es ist noch lange nicht vorbei."

Mit der dritten Teilnahme en suite hat der 25-Jährige mittlerweile Konstanz bewiesen, nicht viele andere Spieler haben dies zuletzt geschafft. Thiem sieht dies auch als "Belohnung für die Leistungen des Jahres" - und diese Belohnung bekommen die Spieler auch abseits des Platzes zu spüren: Den Spielern wird jeder Wunsch von den Augen abgelesen, der Transfer vom Hotel in die Halle erfolgt mit dem Boot über die Themse, dazu gibt es jedes Jahr besondere Aufmerksamkeiten - als Souvenir von seinem ersten Turnier von vor zwei Jahren hat Thiem beispielsweise seine Kabinentür samt seinem Namen und seinem Bild mitgenommen. "Die habe ich zu Hause an der Wand aufgehängt", erzählt der 25-Jährige. Den Namen an der Tür hat Dominic Thiem also schon. Auf der Siegerliste würde er ihn freilich lieber lesen.