Zürich. (art) Der 26. Februar 2016 war ein einschneidender Tag in der Geschichte des Weltfußballverbandes Fifa: Gianni Infantino wurde zum Präsidenten gewählt; nach den Jahrzehnten unter João Havelange und Joseph Blatter, die ein System aus Geben und Nehmen installiert und etabliert hatten, wollte der Italo-Schweizer für Veränderung, für Transparenz, schlichtweg für eine "neue Ära" stehen. Nun, nicht einmal drei Jahre danach, scheint sich diese Ära langsam, aber immer wahrscheinlicher dem Ende zu neigen. Besser gesagt: Es hat sie ohnehin nie wirklich gegeben.

Denn in seiner Amtszeit hat es der 48-Jährige, der zu deren Beginn noch als mutmaßlicher Heilsbringer gefeiert worden war, so schnell wie kein anderer vor ihm geschafft, die Erwartungen zu enttäuschen - sei es, indem er Mahner entmachtete, sich Gegner in bester Blatter-Manier entledigte oder jüngst mit seinen Plänen für eine völlige Neuausrichtung der Klub-WM beziehungsweise eine noch zu schaffende globale Nations League. Die Rechte an diesen Turnieren sollen nach den Wünschen Infantinos für die selbst im Weltfußball absurd anmutende Summe von 25 Milliarden Dollar an ein Konsortium veräußert werden. Wie solche Mammutturniere logistisch funktionieren sollen, ohne die Tektonik im globalen Fußball komplett zu verschieben, ist derzeit ebenso wenig bekannt wie die Identität der Geldgeber. Investoren aus Saudi-Arabien sollen dabei aber eine zentrale Rolle spielen.

Doch ob das Geschäft tatsächlich abgeschlossen wird, ist ohnehin mehr als fraglich. Infantino hatte es schon im Frühjahr propagiert, war aber abgeblitzt. Im Oktober erwirkten europäische Mitglieder des Fifa-Rats die Gründung einer Task Force, die die Pläne auf ihre (sportliche) Machbarkeit prüfen soll. In der Vorwoche nahm diese Arbeitsgruppe ihre Tätigkeit auf, eine Entscheidung soll laut Infantino bei der Sitzung Mitte März fallen. Das könnte zur Nagelprobe für Infantino werden, der sich kurze Zeit später als Präsident bestätigen lassen will.

Doch schon jetzt wird der Gegenwind für Infantino, der zudem durch Enthüllungen über Absprachen in seiner Zeit als Generalsekretär der Uefa, Einflussnahme auf die Ethikkommission beziehungsweise seine Nähe zu einem mittlerweile suspendierten Schweizer Staatsanwalt unter Druck geraten war, rauer. Am Montag übte der Anti-Korruptionsexperte Mark Pieth, der in der Blatter-Ära Anstöße zum bisher nur halbherzig umgesetzten Reformprozess gegeben hatte, in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in ungewohnt scharfen Worten Kritik: "Nachdem er die politische Herrschaft innerhalb der Fifa übernommen hatte, will Infantino jetzt auch noch nach den Finanzen der Fifa greifen. Das sprengt sogar die Dimension Blatters", sagte Pieth. In der "Süddeutschen Zeitung" heißt es in einem Kommentar, es sei "eine Frage der Notwehr, ihn loszuwerden".

Infantino selbst freilich streitet die Vorwürfe ab und ortet ein Komplott gegen seine Person. Beobachter gehen aber davon aus, dass er sich ohnehin schon für die Zeit nach dem Fußball in Stellung bringt - falls seine Ära früher endet als Anfang 2016 erwartet.