Manchester. Bradley Wiggins. Chris Froome. Geraint Thomas. Es sind klingende Namen, die in die Geschichte des Radsports eingegangen sind, untrennbar verknüpft mit der Geschichte des britischen Rennstalls Sky. Dabei ist es eine Geschichte, die noch gar nicht so lange währt, wie die Dominanz des Teams bei den großen Rundfahrten gefühlt wurde. Und es ist eine Geschichte, die - diese Nachricht überraschte am Mittwoch in den frühen Morgenstunden die Radsportwelt - im kommenden Jahr bei ihrem letzten Kapitel angekommen sein wird. "Das Team tritt während der gesamten Saison 2019 zum letzten Mal als Team Sky an", hieß es in einer Mitteilung auf der Homepage, auf der der Bezahlsender Sky den Rückzug aus dem Radsport-Sponsoring verkündete.

Damit steht derzeit in den Sternen, wie es mit dem erfolgreichsten Team der vergangenen Dekade weiter gehen wird. Ein neuer Geldgeber soll bis vor der Tour de France im Juli gefunden sein, dann könnte jener Rennstall, der seit seinem Bestehen auf höchster Ebene im Jahr 2010 sechs Mal den Tour-de-France- sowie je einmal den Giro d’Italia- und Vuelta-Sieger stellte, unter einem anderen Namen weiter an den Start gehen. Doch ob das Starensemble, das mitsamt dem Betreuerstab und den logistischen Rahmenbedingungen auch im Kollektiv funktionierte, in der Form zu halten sein wird, ist mehr als fraglich. Schließlich war die Mannschaft nicht nur mit Erfolgen, sondern auch mit Geld verwöhnt. Umgerechnet rund 165 Millionen Euro hat alleine Sky in den vergangenen zehn Jahren investiert, das Jahresbudget betrug zuletzt knapp 35 Millionen Euro - und damit etwa das Doppelte von Rennställen wie Sunweb rund um Tom Dumoulin, den Weltmeister von 2017. Nicht alle werden daher über die neuesten Entwicklungen unglücklich sein. Die finanzielle Überlegenheit Skys hatte schließlich schon bisher für Kritik gesorgt, mehrmals wurde eine Budgetobergrenze im Radsport diskutiert. Zudem sahen sich Fahrer wie Funktionäre immer wieder dem Verdacht ausgesetzt, es gehe auch bei Sky nicht alles dopingfrei zu. Wiggins soll einmal vor einem wichtigen Rennen eine verdächtige Lieferung erhalten haben, beim vierfachen Tour-de-France-Sieger Froome sorgte im Vorjahr ein stark erhöhter Wert des Asthma-Mittels Salbutamol für Aufregung. Das Verfahren wurde eingestellt, die Affäre hinterließ aber einen schalen Beigeschmack. Schließlich hatte das Team bei seiner Gründung "eine Null-Toleranz-Politik" gegenüber Doping angekündigt - und sieht sich nach wie vor in dieser Rolle als vorbildhaft.

Demnach haben die Vorhaltungen auch nichts mit der nunmehrigen Entscheidung zu tun. Vielmehr seien unternehmensinterne Gründe verantwortlich für das Ende. Im Herbst hatte der US-Kabelsender Comcast nach einem Bieterstreit mit Rupert Mordochs 21st-Century-Fox-Konzern die Mehrheitsanteile übernommen; nun orientiert sich das Unternehmen neu. "Es ist manchmal unvermeidlich, dass Veränderungen weitere Veränderungen nach sich ziehen", erklärte das Team in einem offenen Brief an die Fans. Man sei "stolz", mitgeholfen zu haben, "Großbritannien in eine Radfahrer-Nation zu verwandeln", erklärte Mastermind Dave Brailsford und verwies auf das - freilich auch im Sog der Olympischen Spiele 2012 in London - gestiegene Interesse am Radfahren in Großbritannien. Jeremy Darroch, Manager der Sky-Gruppe, schloss sich dem an: "Wir sind mit dem Ziel in den Radsport gekommen, Erfolg auf Elite-Ebene zu nützen, um eine größere Anteilnahme auf allen Ebenen zu erreichen. Nach mehr als einem Jahrzehnt des Engagements könnte ich nicht stolzer sein."

Nun aber gelte: "Ende 2019 ist der richtige Zeitpunkt für uns, ein neues Kapitel in der Geschichte von Sky aufzuschlagen und unseren Fokus auf andere Initiativen zu legen." Die Geschichte des britischen Erfolgsrennstalls, für den der (Radsport-)Himmel das Ziel war, wird damit allerdings ein für allemal zu Ende geschrieben.