Moskau. Russlands Sportminister Pawel Kolobkow erlaubt internationalen Doping-Kontrolleuren, Daten mit Proben von Sportlern zu kopieren und auszuwerten - allerdings unter Bedingungen. "Russland ist bereit, Kopien der Datenbank zur Verfügung zu stellen, aber in Übereinstimmung mit dem russischen Gesetz", sagte er am Mittwoch im Fernsehsender Rossija 24 laut Medienberichten. "Es muss aber noch über technische Details und die Verwendung bestimmter Ausrüstung diskutiert werden", räumte der Minister ein.

Experten der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) waren am Freitag mit leeren Händen aus Moskau abgereist. In einer Mitteilung danach hieß es, die russischen Behörden hätten überraschend gefordert, dass die Wada ihre Ausrüstung "nach russischem Recht zertifizieren" müsse. "Wir arbeiten jetzt mit der Wada zusammen. Ich bin mir sicher, dass wir eine gemeinsame Sprache finden und Entscheidungen treffen werden, die der russischen Gesetzgebung entsprechen und die die Wada zufriedenstellen", sagte der Minister.

Hintergrund sind Auflagen für eine dauerhafte Wiederzulassung der russischen Anti-Doping-Agentur (Rusada). So muss Russland bis zum Jahresende Kontrolleuren den Zugang zum Moskauer Analyselabor und den dortigen Doping-Daten und -Proben gewähren. Anderenfalls wird die Entscheidung vom Herbst, die Rusada zuzulassen, wieder aufgehoben.

Im russischen Sport wurde nach den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi ein mutmaßliches Staatsdoping-System aufgedeckt, woraufhin russische Athleten nur unter bestimmten Bedingungen an Wettkämpfen teilnehmen durften. Auch Biathlon-Star Anton Schipulin wurde beispielsweise nicht zu den Spielen 2018 in Pyeongchang zugelassen, obwohl es gegen ihn davor keinen konkreten Dopingverdacht gegeben hatte. Mittlerweile aber haben die österreichischen Behörden Ermittlungen wegen Dopingverstößen bei der WM 2017 in Hochfilzen gegen Mitglieder des russischen Teams aufgenommen. Schipulin hatte dort Gold mit der Männerstaffel gewonnen. Der 31-Jährige bestreitet, jemals die Anti-Doping-Regeln verletzt zu haben, wird seine Karriere aber bei der World Team Challenge am Samstag auf Schalke beenden. Schon davor schrieb Schipulin von einer "Hexenjagd".