Innsbruck. (may) Wer in seiner Karriere 25 Weltcupsiege zu Buche stehen hat, hat auf der internationalen Bakken-Landkarte nicht viele weiße Flecken. Bei Andreas Felder ist dieser weiße Fleck, wo er also nie gewinnen konnte, ausgerechnet die Heimschanze am Innsbrucker Bergisel. Ein dritter Rang bei seiner letzten Tournee anno 1992 war schon das Höchste der Fluggefühle des Tirolers, nachdem er auch bei der Heim-WM 1985 auf der Großschanze nur den enttäuschenden siebten Rang belegt hatte. Eine solche Platzierung oder gar ein Stockerlplatz wäre für den nunmehrigen ÖSV-Sprungtrainer beim diesjährigen Bergiselspringen angesichts der aktuellen Misere schon ein kleiner Erfolg - die Vorzeichen auf der dritten Station der 67. Vierschanzentournee (Freitag, 14 Uhr/ORFeins) sind aber alles andere als günstig.

Seit 2015 stand kein ÖSV-Adler (Stefan Kraft als Zweiter) mehr in Innsbruck auf dem Stockerl, das rot-weiß-rote Zuschauerinteresse ist mau, und der Heimvorteil konnte im Vorfeld auch nicht genutzt werden. Schuld daran war ausgerechnet der Schnee - der fehlende nämlich. Mangels entsprechender Zulieferung der weißen Pracht konnte der Bakken nicht präpariert werden, weshalb ein exklusives Training weder vor noch nach Weihnachten möglich war. Und was noch bitterer scheint: Auch für die Großschanzen-Bewerbe bei der Heim-WM in Seefeld, die wie anno 1985 am Bergisel über die Bühne gehen (Einzel am 23. Februar, Team am 24. Februar), geht sich schwerlich eine Extraschicht nur für Rot-Weiß-Rot aus. Denn die Schanze muss gemäß FIS-Kriterien ab Anfang Februar gesperrt werden - und davor ist es laut Sportdirektor Mario Stecher höchst fraglich, ob der volle Weltcup-Kalender oder die Witterung überhaupt ein Training zulassen. "Natürlich ist das schade", so Stecher zur "TT".

Dezenter Optimismus

Aber noch dreht sich alles um die Tournee beziehungsweise die ÖSV-Bruchlandung am Neujahrstag in Garmisch. Felder und Konsorten übten sich nach dem Desaster darin, Durchhalteparolen auszugeben und dezenten Optimismus zu verbreiten. "Wir müssen jetzt Springen für Springen schauen. Ich hoffe, dass wir in Innsbruck gleich besser reinkommen, dass das Gefühl besser kommt, und dann wird es auch wieder besser gehen. Davon bin ich überzeugt." Zumal für ihn die Tendenz stimme: "Es gibt teilweise eine gute Performance, aber die Sicherheit und Konstanz sind noch nicht da. Aber man sieht, die Leute haben was drauf, sie können gut springen." Auch Kraft glaubt, seinen verhauten Sprung auf der Olympiaschanze von Garmisch abgehakt zu haben: "Was passiert ist, ist vorbei. Jetzt freue ich mich auf die Heim-Springen, ich traue mir zu, ganz vorne mitzumischen."

Die rot-weiß-roten Hoffnungen auf Schadensbegrenzung in der Tournee trägt aber längst ein anderer, nämlich Daniel Huber. Der 26-jährige Salzburger rechnet sich in der Heimat Chancen aus, seinen zehnten Zwischenrang noch zu verbessern. "Es ist noch Potenzial da. Ich sehe die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr positiv, ich kann meine Leistung unter Druck abrufen", bilanzierte Huber zur Tournee-Halbzeit. Er ist übrigens der einzige ÖSV-Athlet, der alle vier Sprünge in die Wertung gebracht hat. Huber war auch Österreichs Bester am Donnerstag in der Qualifikation - 126 Meter bedeuteten Rang vier; Insgesamt konnten sich 8 von 12 ÖSV-Springern für die Konkurrenz qualifizieren. Nicht so Ex-Tournee-Sieger Andreas Kofler, der beim Comeback-Versuch als 61. deutlich scheiterte.