Seefeld. Die Erinnerung ist noch jung und schmerzlich: Teresa Stadlober liegt bei Olympia 2018 in Pyeongchang auf Silberkurs und biegt in die falsche Loipe ein. Der Traum von der zweiten Medaille einer österreichischen Langläuferin bei einem Großereignis, der ersten bei Olympischen Spielen, ist geplatzt. Jetzt, ein Jahr später, bekommt die 26-jährige Tochter von Alois Stadlober eine neue Chance. Ihr Vater ist zuversichtlich, weiß aber: "Die Konkurrenz ist eher stärker als schwächer geworden."

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Ab Mittwoch bis 3. März trägt Seefeld die 52. nordische Ski-Weltmeisterschaft aus. Eine Heim-WM erlebten Österreichs nordische Skisportler - Langläufer, Springer und Kombinierer - zuletzt 1999 in Ramsau am Dachstein. Damals trat der seltene Fall ein, dass die Langläufer die größten Erfolge erzielten. Unvergesslich bleibt das Gold für die Herren-Staffel mit Markus Gandler, Alois Stadlober, Michail Botwinow und Christian Hoffmann. Dazu gab es Silber für Alois Stadlober über 10 Kilometer klassisch sowie Bronze für Maria Theurl über 15 Kilometer Freistil und Michail Botwinow über 50 Kilometer klassisch. 1999 in Ramsau sicherte sich auch Kombinierer Mario Stecher in der Loipe seine Silbermedaille. Bei den Springern holte das Team mit Andreas Widhölzl, Martin Höllwarth, Reinhard Schwarzenberger und Stefan Horngacher Bronze.

Die Breite fehlt

Heuer in Seefeld gelten die von Stefan Kraft und Daniela Iraschko-Stolz angeführten Springer trotz einer bisher durchwachsenen Saison und die Kombinierer um Mario Seidl und Franz-Josef Rehrl als weitaus aussichtsreicher als die Loipenhelden. Der für diese Gruppen zuständige Chefbetreuer Mario Stecher hofft auf vier Medaillen: "Im Springen je eine bei den Männern und Damen und zwei bei den Kombinierern."

Die rot-weiß-roten Langläufer gingen seit 1999 bei Weltmeisterschaften leer aus. Es gab noch Olympiamedaillen für Christian Hoffmann und Michail Botwinow, vor allem aber viele bewiesene wie unbewiesene Dopingvorwürfe, die das Image massiv schädigten. "Das war Negativ-Werbung pur", sagt Markus Gandler, der heutige Chefbetreuer der Langläufer. Er ist sich bewusst, dass dem Langlauf in Österreich derzeit die Breite fehlt. Der Speziallanglauf sei "knallhart", und viele Talente weichen in verwandte Sportarten aus - in die Kombination oder den Biathlon. In Seefeld zählt Gandler nur Teresa Stadlober zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter. Sie war 2017 in Lahti WM-Sechste im Skiathlon über 15 Kilometer und hat in dieser Disziplin sowie im Klassik-Bewerb über 10 Kilometer sowie im Skating-Rennen über 30 Kilometer Chancen. Wie gut sie nach einer längeren Erkrankung im Jänner wirklich in Form ist, bleibt abzuwarten. "Sie wirkt wieder fit und stark", meint Gandler. Am Sonntag konnte sie jedoch bei ihrem Comeback im Weltcup, einem Klassik-Bewerb über 10 Kilometer im italienischen Cogne, noch nicht glänzen: Sie kam zu Sturz und schaffte in dem Bewerb, in dem einige Topstars fehlten, nur den achten Rang.

Lange Langlauf-Tradition

Bei den Herren ist ein Top-Ten-Ergebnis in Seefeld das Wunschziel. Neben Bernhard Tritscher, bei der WM 2015 in Falun immerhin Sechster über 15 Kilometer Freistil, kommen dafür in erster Linie Max Hauke und Dominik Baldauf in Frage. Da die starken Nationen nur vier Starter stellen können, so Gandler, "schneidet man bei einer WM oft besser ab als im Weltcup". Beim Kontinental-Cup in Planica bewiesen unlängst Hauke als Sieger und Tritscher als Dritter im 20-Kilometer-Skaten mit Massenstart ihre gute Form. Baldauf, der heuer am Neujahrstag mit einem achten Platz im Sprint von Val Müstair für das beste heimische Weltcup-Resultat sorgte, ist seither nicht in Erscheinung getreten.

Von der Herren-Staffel, die bei Olympia 2018 auf dem zwölften Platz landete, erhofft sich Gandler in Seefeld auf jeden Fall ein Top-Ten-Ergebnis. Vierter Staffelmann bleibt wohl Luis Stadlober, in Planica jüngst Vierter im 15-Kilometer-Klassik-Rennen, auch wenn Gandler schon überlegte, einen laufstarken Biathleten oder Kombinierer einzusetzen. Das Herren-Team komplettieren Tobias Habenicht und die beiden Nachwuchsläufer Mika Vermeulen und Benjamin Moser. Markus Gandlers Wunsch, dass Österreich in allen Bewerben antritt, möglichst auch in der Damen-Staffel, hat der Skiverband aus nachvollziehbaren Gründen nicht erfüllt. Bei den Damen konnte sich neben Teresa Stadlober nur Lisa Unterweger qualifizieren.

Seefeld hat eine lange Langlauf-Tradition. Schon 1933 fanden hier WM-Bewerbe in der Loipe statt - mit einer Staffel-Medaille für Österreich. 1964 und 1976 trug man die Olympia-Rennen in Seefeld aus. Die 35. nordische Ski-WM 1985 in Seefeld erlebte eine Revolution: Obwohl man die Teilnehmer durch schwierige Loipen zum klassischen Diagonalschritt zwingen wollte, brach das Skating-Zeitalter an. Österreichs bestes Ergebnis in der Loipe schaffte damals die Herren-Staffel (Andreas Gumpold, Alois Stadlober, André Blatter, Franz Gattermann) mit einem siebenten Platz.