Seefeld/Wien. Ein mit der Anti-Doping-Razzia in Seefeld in Tirol betrauter Ermittler soll ein Video der Amtshandlung weitergegeben haben. Das Video zeigt den Langläufer Max Hauke beim Eigenblutdoping. Er hatte die Blutinfusion noch im Arm und wurde im Zuge des Einsatzes scheinbar auf frischer Tat ertappt. Hauke sitzt auf einem Sofa, hinter ihm steht ein Polizeibeamter. Das Video dauert nur wenige Sekunden. Es tauchte in verschiedenen Medien auf.

Nachdem das Video von der Amtshandlung veröffentlicht wurde, hat das Bundeskriminalamt (BK) eine Überprüfung eingeleitet. In der Nacht auf Freitag ist der Beamte, der das Video in einen Messaging-Dienst eingespielt haben soll, ausgeforscht worden. Der Mann wurde mit sofortiger Wirkung vom Einsatz abgezogen. Welcher Abteilung der Beamte zugehörig ist, dazu wollte das Bundeskriminalamt keine weitere Auskunft geben.

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt in der Causa gegen den Beamten wegen des Verdachts der Verletzung des Amtsgeheimnisses. Die Behörde wird den Erhebungsbericht der Polizei abwarten. Das Innenministerium befasst sich zeitgleich mit den disziplinarrechtlichen Folgen.

Hauke und Baldauf suspendiert 

Österreichs Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) hat am Freitag die zwei unter Doping-Verdacht stehenden Langläufer Hauke und Dominik Baldauf vorläufig suspendiert. Der Internationale Ski-Verband (FIS) tat dies für die ebenfalls in die Blutdopingcausa verwickelten Ausländer Karel Tammjärv, Andreas Veerpalu (beide EST) und Alexei Poltoranin (KAZ).

Hauke und Baldauf haben Eigenblutdoping mittlerweile gestanden und sind auf freien Fuß gesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck teilte in einer Aussendung mit, dass die beiden namentlich nicht genannten ÖSV-Skilangläufer und ein kasachischer Sportler am Nachmittag enthaftet worden sind.

Das Trio sowie zwei estnische Langläufer waren am Mittwoch im Zuge einer Anti-Doping-Razzia gegen ein international agierendes Netzwerk im Rahmen der Nordischen Ski-WM in Seefeld in Tirol festgenommen worden.

Hauke und Baldauf drohen drei Jahre Haft

Die beiden ÖSV-Läufer und der Kasache hätten umfangreiche Angaben gemacht, gab die Staatsanwaltschaft bekannt. Da nach dem derzeitigen Ermittlungsstand nicht anzunehmen sei, dass die verdächtigen Athleten auf freiem Fuß die Ermittlungen beeinträchtigen würden, liegen keine Gründe für eine Untersuchungshaft vor, hieß es. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft ihre Enthaftung angeordnet.

Den fünf Sportlern drohen bis zu drei Jahre Haft. Sie könnten wegen des Vergehens des Sportbetrugs angeklagt werden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, Hansjörg Mayr, im Gespräch mit der APA. Doping selbst sei nach österreichischer Rechtslage nämlich nur strafbar, wenn man es bei jemand anderen anwendet. Wenn man sich als Sportler selbst dopt, sei das nach dem Dopinggesetz nicht strafbar. "Es gibt aber eben das Vergehen des Sportbetrugs", erklärte Mayr.

Auch sportrechtlich Konsequenzen 

Auch sportrechtlich drohen Konsequenzen. Die österreichische Anti-Doping Agentur (NADA) wird als zuständiges Organ demnächst Disziplinarverfahren gegen die unter Blutdopingverdacht stehenden Hauke und Baldauf einleiten, kündigte die NADA auf Anfrage der APA an. Dem Duo droht eine Sperre von vier Jahren. Es könne aber auch sein, dass sie durch die Mitwirkung beim Aufdecken von Hintermännern als Kronzeugen eine Reduktion erhalten.