Innsbruck. Seit der Doping-Razzia während der nordischen Ski-WM in Seefeld vergeht kaum ein Tag ohne neue Enthüllungen. Nachdem fünf Langläufer, darunter die zwei Österreicher Dominik Baldauf und Max Hauke sowie zwei estnische und ein kasachischer, unmittelbar nach ihrer vorübergehenden Verhaftung Geständnisse abgelegt hatten, wurde am Wochenende bekannt, dass auch gegen einen österreichischen Radprofi ermittelt wird. Am Montag bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass es sich dabei um den 31-jährigen Tiroler Stefan Denifl handelt, der in seiner Einvernahme Blutdoping gestanden haben soll. Am selben Tag erstattete sein steirischer Kollege Georg Preidler Selbstanzeige, womit er auch selbst an die Öffentlichkeit ging.

Er sei von dem Zirkel um den deutschen Sportmediziner - der offenbar die Drehscheibe war und sich nach wie vor in Untersuchungshaft befindet - angesprochen worden und habe sich vor kurzem Blut abnehmen, aber nie rückführen lassen. Der 28-Jährige fühlt sich als Betrüger, aber nicht als Krimineller. "Ja. Ich hatte betrügerische Absichten oder Gedanken. Ich fühle mich aber nicht als Verbrecher", sagte Preidler zur "Kleinen Zeitung". Seine bisherigen Leistungen wie ein dritter Etappenplatz beim Giro d’Italia 2016 seien alle sauber zustande gekommen, behauptete der für das französische Spitzenteam Groupama-FDJ fahrende Profi. "Alle meine Erfolge, etwa beim Giro, waren sauber. Ich war ohne Doping gut, habe nie etwas getrickst", so Preidler in der "Kronen Zeitung".

"Riesenfehler, Dummheit"

Wann die Hemmschwelle, Blutdoping zu betreiben, bei ihm gefallen sei, wollte Preidler nicht angeben. "Dazu kann ich noch nichts sagen, weil alles mit der Staatsanwaltschaft im Laufen ist. Aber sie ist erst vor kurzem gefallen. Nach langem Überlegen habe ich mich zu diesem Riesenfehler und dieser Dummheit entschlossen." Im Profizirkus höre man, dass ohnehin viele dopen. "Irgendwann fällt die Hemmschwelle weg." Sein Umfeld habe nichts gewusst, er habe alleine gehandelt, betonte Preidler. Außerdem gab der mehrfache Staatsmeister an, er kenne keine weiteren Kunden des Netzwerkes. "Ich kenne keine Namen." Die Selbstanzeige sei wegen des Drucks der Enthüllungen der vergangenen Tage erfolgt. "Ich kann nur sagen, mit dem Wissen des Betrugs im Hinterkopf zu leben, ist die Hölle. Ich weiß nicht, wie das andere aushalten. Ich musste nun an die Öffentlichkeit gehen. Ich habe das nicht mehr ausgehalten." Die jüngsten Entwicklungen mit den Verhaftungen und späteren Geständnissen hätten ihn zu der Beichte veranlasst. "Ich hätte jetzt auch zu Hause sitzen können und warten, aber das bin ich nicht, und das kann ich nicht."

Geldgeber erhöhen den Druck

Laut Staatsanwaltschaft Innsbruck sei sein Name bei den bisherigen Vernehmungen nicht gefallen, zudem gebe es - Stand Montag - auch keine weiteren Sportler oder Sportarten über die Genannten hinaus, die konkret ins Visier geraten seien. Allerdings ist aufgrund der gefundenen Menge an Blutbeuteln und Daten bei dem Sportmediziner davon auszugehen, dass weitere Enthüllungen folgen.

Wenngleich diese laut Experteneinschätzung auch andere Sportarten betreffen dürften, rumort es vor allem im heimischen Skiverband nach wie vor. Markus Gandler, der Verantwortliche für Langlauf und Biathlon, ist sein Amt los, auch die Ablöse von Präsident Peter Schröcksnadel könnte sich beschleunigen. Am Wochenende hatten sich die österreichischen Lotterien als Partner und Förderer des Sports kritisch gezeigt. "Die Übernahme von persönlicher Führungsverantwortung im ÖSV für das langjährige systematische Scheitern im Kampf gegen Doping ist geboten", wurde Generaldirektor Alexander Labak in einer Aussendung zitiert - ohne freilich Schröcksnadel dezidiert zu nennen. Dieser hatte sich wie Gandler im Rahmen der WM schockiert geäußert, beteuert, nichts gewusst zu haben, und auf die bisherigen Maßnahmen im Kampf gegen Doping verwiesen.