Innsbruck. Der Langläufer Johannes Dürr, dessen Aussagen in einer ARD-Fernsehdokumentation den bei der Nordischen Ski WM in Seefeld aufgeflogenen Dopingskandal ins Rollen gebracht haben sollen, soll selbst seit Jahren und bis zuletzt Eigenblutdoping betrieben haben. Er soll diesbezüglich bereits ein Geständnis abgelegt haben, teilte die Staatsanwaltschaft Innsbruck am Mittwoch mit.

Dürr war am Dienstag wegen des Verdachts des Sportbetrugs in Innsbruck festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft verdächtigte den Langläufer, dass er nicht nur andere Sportler an den Erfurter Sportmediziner Mark S. vermittelt habe, sondern auch, dass Dürr selbst bis vor kurzem Eigenblutdoping betrieben habe und sich dabei von ebendiesem Arzt behandeln ließ. Weil Dürr zur Finanzierung seines geplanten Comebacks Crowdfunding betrieben habe, bestehe der Verdacht des Sportbetrugs.

Sportbetrug wird geprüft

Während Dürr das Eigenblutdoping zugegeben hat, stellte er jedoch weiterhin in Abrede, andere Athleten an den Sportmediziner weiter vermittelt zu haben. Auch, dass er sich mit dem Eigenblutdoping unrechtmäßig bereichert hätte, bestritt der Langläufer, weil er für finanzielle Unterstützungen auch jeweils entsprechende Leistungen erbracht hätte.

Der Verdacht des Sportbetrugs werde demnach weiter zu prüfen sein, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen dazu seien noch nicht abgeschlossen. Trotzdem konnte Dürr nach der Vernehmung noch in den späten Dienstagabendstunden wieder enthaftet werden, "da nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht anzunehmen ist, dass er auf freiem Fuß die Ermittlungen beeinträchtigen würde", teilte die Anklagebehörde mit.

Als Tippgeber belastet

Im Interview mit der "Kronen Zeitung" haben die des Eigenblutdopings überführten österreichischen Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke erklärt, dass sie 2016 vom am Dienstag vorrübergehend festgenommenen Johannes Dürr von jenem deutschen Arzt in Erfurt erfahren hatten, der als mutmaßlicher Drahtzieher eines großen Doping-Netzwerks gilt. Die erste Blutabnahme soll im Sommer 2018 erfolgt sein.

"2016 traf ich Johannes Dürr erstmals seit dem Skandal um ihn wieder. Wir arbeiteten beide beim Zoll in Wien und gingen manchmal miteinander trainieren. Dabei redeten wir natürlich über das Langlaufen und in der Folge auch darüber, dass die Leistungen von Max und mir stagnierten. Dürr erklärte mir, dass es ohne Doping nicht möglich sei, an die Spitze zu kommen. Und dass uns sein Erfurter Arzt helfen könne", wird Baldauf in der Krone zitiert.

In der Folge hätten beide "diese Option ständig im Hinterkopf" gehabt, ergänzte Hauke. Man habe sich entschlossen, Kontakt zu dem Mediziner aufzunehmen. Es sei der "Beginn unseres Untergangs" gewesen. Die Blutabnahme erfolgte laut Baldauf im Sommer 2018, die Rückführung vor den Wettkämpfen im Winter. Alles sei "extrem professionell organisiert" gewesen, erklärte Hauke.

Gegen Dürr war am Dienstag wegen des Verdachts des schweren Betrugs und des Sportbetrugs eine Festnahmeanordnung erlassen worden, er wurde Mittwoch enthaftet. Der Niederösterreicher war bei Olympia 2014 positiv auf EPO getestet und danach gesperrt worden. In einer ARD-Dokumentation im Jänner hatte er umfassend über Dopingpraktiken im Leistungssport ausgepackt, dies soll zu den Razzien während der Nordischen WM in Seefeld und Erfurt geführt haben.

Hauke berichtete der "Kronen Zeitung", dass er keine einzige Kontrolle nach den Bewerben gehabt hätte, Baldauf eine, der Test sei negativ gewesen. "Es reicht, nach dem Rennen ein Glas Salzwasser zu trinken, dadurch wird das Blut so stark verdünnt, dass die Werte normal sind. Wer beim Blutdoping bei einem normalen Check auffliegt, muss ein Trottel sein."

Beide wollten sich für ihr Handeln entschuldigen. "Uns ist bewusst, dass wir enormen Schaden angerichtet haben. Für den Sport in Österreich und die Heim-WM", sagte Hauke. "Wir haben so viel kaputt gemacht und wir entschuldigen uns dafür. Wir bereuen zutiefst, dass wir gedopt haben", meinte Baldauf. (apa)