Wien. "Der Weg zurück", lautete in den vergangenen Jahren das Motto von Johannes Dürr. Zurück zum Langlauf-Profisport, zurück zu einem Großereignis namens WM in Seefeld, zurück zu einem sauberen Sport. Doch der von vielen Seiten bei seinem Comeback-Versuch unterstützte Dürr kehrte vielmehr zurück zum Doping, das ihm schon bei Olympia 2014 in Sotschi zum Verhängnis geworden war. Nach Dürrs Festnahme am Dienstag, teilte die Staatsanwaltschaft Innsbruck am Mittwoch mit, dass der 31-jährige Niederösterreicher gestanden habe, seit Jahren und bis zuletzt Eigenblutdoping betrieben zu haben.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den Langläufer, im Hauptberuf Zollbeamter, dass er nicht nur andere Sportler an den Erfurter Sportmediziner Mark S. vermittelt habe, sondern auch, dass Dürr selbst bis vor kurzem Eigenblutdoping betrieben habe und sich dabei von ebendiesem Arzt behandeln ließ. Weil Dürr zur Finanzierung seines geplanten Comebacks Crowdfunding betrieben habe (knapp 40.000 Euro Erlös), bestehe der Verdacht des Sportbetrugs. Außerdem befand sich Dürr ja weiterhin auf Eigeninitiative im Langlauf-Geschehen - in der heurigen Saison bestritt er insgesamt 14 FIS-Rennen. Zuletzt reichte es im Alpen-Cup am 10. Februar in Planica aber nur zu Rang 54 über 20 Kilometer. Sieger war der in Seefeld als Dopingsünder aufgeflogene Max Hauke.

Vermittlerdienste dementiert

Laut Anklagebehörde bestreitet Dürr allerdings weiterhin, andere Athleten an den Sportmediziner vermittelt zu haben. Auch, dass er sich mit dem Eigenblutdoping unrechtmäßig bereichert hätte, dementiert der Langläufer - denn für die finanzielle Unterstützung habe er jeweils entsprechende Leistungen erbracht, so seine Verteidigung.

Faktum ist, dass die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen Dürr fortführt, ihn aber vorerst auf freien Fuß gesetzt hat, "da nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht anzunehmen ist, dass er auf freiem Fuß die Ermittlungen beeinträchtigen würde".

Sollte es gegen Dürr zu einem Prozess kommen, drohen ihm aber höhere Strafen als seinen Kollegen - obwohl der 31-Jährige strafrechtlich noch unbescholten ist. Grund ist, dass sein Sotschi-Vergehen (Blut- und Epo-Doping) im Jahr 2015 mittels Diversion und damit ohne Prozess erledigt wurde. Die Staatsanwaltschaft Wien stellte damals das Verfahren wegen Sportbetrugs (§ 147 Abs 1a StGB) ein und wählte mit der Setzung einer Probezeit von zwei Jahren, in der er sich nichts zuschulden kommen lassen dürfe, die "gelinderste Form der Diversion", wie Andreas Zembaty vom Bewährungshilfe-Verein "Neustart" mitteilt. Pikant ist nun jedoch, dass das Sotschi-Verfahren gar nicht neu aufgenommen werden kann, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass Dürr in der Probezeit gegen diese Auflagen verstoßen - sprich gedopt - hätte. "Der alte Fall kann nicht mehr aufgerollt werden, denn die Diversion hat kein Urteil als Endpunkt, deswegen kann auch nicht korrigiert werden", so Zembaty im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Allerdings ist er überzeugt, dass sich Dürrs erstes Vergehen sehr wohl negativ auswirken würde: "In der Urteilsbegründung für ein neuerliches Delikt wird sicherlich aus dem Strafakt, den es bei der Justiz ja noch gibt, zitiert werden und das auch Auswirkungen auf das Strafmaß haben." Bei Sportbetrug liegt der Strafrahmen bei maximal drei Jahren Haft.

Hauke, Baldauf reden

Indes haben Hauke und Dominik Baldauf ihr erstes Interview nach dem Seefelder Doping-Skandal gegeben. Dabei wiederholte Baldauf via "Krone", dass Dürr bereits 2016 den Hinweis auf den Erfurter Arzt gegeben habe - im Sommer 2018 sei es dann zur ersten Blutabnahme gekommen. Es sei der "Beginn unseres Untergangs" gewesen. Bei Doping-Tests seien sie nie aufgeflogen: "Es reicht, nach dem Rennen ein Glas Salzwasser zu trinken, dadurch wird das Blut so stark verdünnt, dass die Werte normal sind", so Baldauf, der so wie sein Kollege bedauert: "Wir haben so viel kaputt gemacht, und wir entschuldigen uns dafür. Wir bereuen zutiefst, dass wir gedopt haben."