Doha. (art) Es ist ein untrügerisches Zeichen dafür, dass es Zeit für den Saisonbeginn wird, wenn die Zündeleien abseits der Strecke zunehmen. Diese konzentrierten sich in den Tagen vor dem WM-Auftakt in der Motorrad-WM in Doha am Sonntag (18 Uhr MEZ/ServusTV) im Wesentlichen darauf, wer seine Fahrer besser behandle - KTM oder Honda. Zuerst erboste sich Stefan Pierer, der Chef des österreichischen Herstellers, darüber, dass Dani Pedrosa nach 14 Jahren in Diensten der Japaner von ebendiesen ausgemustert worden sei, woraufhin er im krassen Gegensatz dazu die "familiäre Atmosphäre" bei KTM anpries, wo Pedrosa nun als Testfahrer anheuerte.

Honda-Teamchef Alberto Puig dagegen widersprach dieser Darstellung, man hätte den Spanier gerne behalten - "aber er hat sich für einen anderen Weg entschieden." Als Grand-Prix-Fahrer hat Pedrosa allerdings da wie dort kein Leiberl mehr, stattdessen gehen für das KTM-Werksteam Pol Espargaro und Johann Zarco sowie im Satellitenteam Miguel Oliveira und Hafizh Syahrin auf Punktejagd. Bei Honda wiederum ist Jorge Lorenzo nun anstelle Pedrosas der neue Teamkollege von Weltmeister Marc Márquez.

Es ist eine Konstellation, die in den kommenden Monaten durchaus auch auf der Strecke für Aufsehen sorgen könnte: Die beiden Piloten haben sich seit 2010 bis auf eine Ausnahme (Casey Stoner 2011) alle Titel in der höchsten Kategorie untereinander ausgemacht: 2010, 2012 und 2015 triumphierte der damals noch bei Yamaha unter Vertrag stehende Lorenzo; 2013, 2014, 2016, 2017 sowie 2018 hieß der Weltmeister Márquez. Der erst 26-jährige Spanier gilt trotz seines Temperaments, das ihm nicht nur uneingeschränkte Bewunderung einbrachte, als Maß aller Dinge in der MotoGP-Klasse, insgesamt hält er nun schon bei sieben WM-Titeln und 70 Grand-Prix-Siegen. Auch in der heuer 19 Rennen - darunter jenes in Spielberg am 11. August - umfassenden Saison ist Márquez der Mann, den es zu schlagen gilt.

Einer, der dies erneut versuchen wird, ist nicht nur sein Landsmann Lorenzo oder der einst ähnlich dominante Altstar Valentino Rossi auf seiner Yamaha, sondern vor allem Andrea Dovizioso. Der Italiener hat die vergangenen beiden Jahre jeweils als Vizeweltmeister beendet und brennt darauf, aus dem Schatten zu treten. Dass die Ducati-Maschinen - die zweite wird von Danilo Petrucci gesteuert - die Grundgeschwindigkeit dazu haben, haben sie bei den Tests hinlänglich bewiesen. Allerdings waren sowohl Márquez als auch Lorenzo in der Vorbereitung durch Verletzungen gebremst.

KTM indessen wird wohl auch im dritten MotoGP-Jahr nicht um den Titel mitkämpfen. Nur um die von Pierer gepriesene "familiäre Atmosphäre" geht es freilich längerfristig dann auch wieder nicht. "Das olympische Prinzip ist nicht unseres", sagt er. "Wenn wir wo reingehen, wollen wir irgendwann auch gewinnen."