Melbourne. So wie die abgelaufene Formel-1-Saison 2018 geendet hat, so scheint nun auch die neue in Australien zu beginnen. Jedenfalls ist Mercedes am Freitag wieder überraschend dominant in die Königsklasse gestartet, wobei Lewis Hamilton und Valtteri Bottas das freie Training in Melbourne nahezu nach Belieben beherrschten. Hamilton fuhr in beiden Sessions Bestzeit, bei seiner schnellsten Runde des Tages lag er 0,048 Sekunden vor seinem finnischen Teamkollegen. Ein erster Schritt Richtung Pole Position beim Rennen am Sonntag (6.10 Uhr MEZ/ ORFeins) ist damit getan.

Die Konkurrenz lag indes mehr als acht Zehntelsekunden zurück. Ferrari-Star Sebastian Vettel landete hinter den beiden Red-Bull-Piloten Max Verstappen und Neuzugang Pierre Gasly nur auf Platz fünf. Schrillen bei den Italienern da bereits die Alarmglocken? "Ich mache mich nicht verrückt", sagte Vettel nach den schwachen Rundenzeiten. "Wir verlieren in jeder Kurve ein wenig, also müssen wir uns in 16 Kurven verbessern."

Ganz unmöglich ist das nicht, war doch Vettel zumindest im ersten Training als Zweiter knapp an Hamilton dran gewesen. Von der ihr zugeschriebenen Favoritenrolle, in der man sich nach den starken Vorstellungen bei den Tests wiederfand, wollte die Scuderia ohnehin nichts wissen. "Wintertests sind nicht dasselbe wie eine Qualifikation oder eine Rennsituation", meinte Teamchef Mattia Binotto. "Erst hier in Melbourne beginnen wir, das Auto richtig zu verstehen. Wir wollen uns Schritt für Schritt verbessern." Das wird auch notwendig sein, machte Mercedes doch in Down Under nicht nur auf schnellen Runden, sondern auch bei Rennsimulationen einen guten Eindruck. "Sie waren in einer eigenen Liga", konzedierte selbst Vettel. Die Diskussionen über ein möglicherweise verschobenes Kräfteverhältnis seien aber "Quatsch" gewesen. "Keiner hat wirklich verstanden, was Mercedes beim Testen gemacht hat, vielleicht sie selbst auch nicht", erklärte der Deutsche.

Red Bull macht gute Figur

Die Silberpfeile haben es aber zumindest verstanden, ihr Auto wieder schnell zu machen. Hamilton strahlte im Albert Park über das ganze Gesicht. "Das Auto heute zu fahren, hat mir einen Schub gegeben", sagte der Brite. "Wir sind gut durchs Programm gekommen, es hat keine Probleme gegeben."

Ganz im Gegensatz zur Scuderia, wo neben Vettel auch dessen neuer Kollege im Team, der Monegasse Charles Leclerc, dem Kiesbett einen Besuch abstatteten. Der 21-Jährige kam in der Folge im Training nicht über den neunten Platz hinaus. Allerdings schließen verschiedene Experten nicht aus, dass sich Ferrari seine volle Leistungsfähigkeit erst für das entscheidende Qualifying am Samstag aufgespart haben könnte. Der Start erfolgt hier um 7 Uhr MEZ.

Keine allzu schlechte Figur gab im Vergleich zu den Italiener am Freitag Red Bull ab. Für das Wochenende hoffen lässt hier den österreichisch-englischen Rennstall die Tatsache, dass Verstappen seine schnellste Runde zu Beginn eines Longruns fuhr. Eine weitere gute Nachricht lautete, dass auch der neu eingebaute Honda-Motor keine gröberen Probleme bereitete. Aber: "Wir haben viele Dinge gesehen, die wir möglicherweise noch verbessern können", betonte Verstappen in Melbourne. "Ich denke, wir können noch nicht zufrieden sein." Vor allem die Reifen müsse man noch besser verstehen, meinte der 21-Jährige, der bereits 81 Grand-Prix-Starts hinter sich hat. Die neue Saison beginnt am Sonntag mit dem Grand Prix von Australien. Bis zum Finale am 1. Dezember in Abu Dhabi sind 21 Rennen zu absolvieren.