Los Angeles/Cincinnati. Runde Jubiläen sind immer ein guter Anlass, um zurückzublicken, zu reflektieren, zu feiern - und um Geld zu machen. Heute geht die nordamerikanische Major League Baseball (MLB) in ihre neue Saison, es handelt sich um den frühesten Starttermin aller Zeiten. Das Jubiläum, das sie sich heuer gibt, hat nichts mit ihrer Gründung zu tun (1903) und auch nichts mit denen später in ihr aufgegangenen Ligen, die bis heute Bestand haben (National League 1876, American League 1901). Der Anlass, den die MLB nutzt, um mehr als zwei Dutzend auf die Saison limitierte Sonderkollektionen in allen Teamfarben von Boston bis San Diego auf den Merchandise-Markt zu werfen, besteht im Abfeiern einer Mannschaft, die es längst nicht mehr gibt, ja die im Grunde genommen nicht einmal einen formalen Nachfolger hat; den Sport aber trotzdem in einer Art und Weise revolutionierte, von dem es kein Zurück mehr gab.

Am 4. Mai 1869 spielten die Cincinnati Red Stockings gegen die aus der gleichen Stadt im Mittleren Westen kommenden Great Westerners, das Endergebnis lautete 45:9. Was den Qualitätsunterschied erklärte, war eine Tatsache, die zuvor lange als undenkbar galt. Alle zehn Spieler der Red Stockings wurden für ihre Arbeit am Spielfeld bezahlt und hatten sonst keine Jobs: Sie waren das erste Profiteam der Baseballgeschichte - und weil dieser denkwürdige, aber im Kontext des modernen Baseball etwas an den Haaren herbeigezogen wirkende Umstand heuer genau 150 Jahre her ist, tragen in dieser Saison alle Mannschaften außer der aus Cincinnati die Nummer 150 am Arm und am Kappel. Die Reds durften ein eigenes Logo entwickeln, obwohl eigentlich die Atlanta Braves die legitimen Nachfolger der Red Stockings sind, aber das ist eine andere Geschichte, zu kompliziert und komplex, um sie an dieser Stelle auszubreiten. Sei’s drum: Heißt nicht viel, schaut aber gut aus, trägt das Mäntelchen der Tradition und kostet im Fanshop viel. Auch eine Methode, um das Geschäft am Laufen zu halten.

Technologischer Fortschritt

Nämliches läuft jetzt nicht explizit schlecht (der Jahresumsatz der MLB liegt bei mehr als zehn Milliarden Dollar), was unter anderem darin Niederschlag findet, dass die professionellen Baseball-Spieler immer mehr werden. Wie das mit derlei Fragen beschäftigte Statistik-Unternehmen Elias Sports Bureau herausfand, wurden in der vergangenen Saison von den 30 die MLB umfassenden Mannschaften 1379 Spieler eingesetzt, was den sechsten Anstieg in Folge darstellt. Zu verdanken ist das allem voran, wie die "New York Times" jüngst zu berichten wusste, einer mittlerweile hochgradig professionalisierten Nachwuchsarbeit, die dafür sorgt, dass sich immer mehr Teenager immer früher zu MLB-Kalibern entwickeln. Das Geheimnis dahinter, wie könnte es anders sein: der technologische Fortschritt, der auch vor dem Geschehen am Diamond nicht Halt macht.