Sakhir. (rel/apa) Heißt der neue Mann in der Formel 1 nun Valtteri Bottas? Geht es nach dem Finnen, lautet die Antwort jedenfalls ja. Nach seinem beeindruckenden Auftaktsieg in Australien will der Mercedes-Pilot im zweiten Saisonrennen am Sonntag in Bahrain nachlegen (7.10 Uhr MESZ/ORFeins). An Zuversicht dürfte es ihm jedenfalls nicht mangeln, geht er doch in der Wüste von Sakhir als WM-Führender an die Startposition. Selbstverständlich war das - nach einem langen Jahr ohne Sieg - so nicht.

"Es ist nicht leicht zu erklären, was in meinem Kopf im vergangenen Winter vorgegangen ist. Es hat sich aber bestimmt etwas geändert, wie ich über Dinge im Leben ganz allgemein und im Rennfahren denke", meinte Bottas vor dem Grand Prix in Bahrain etwas sinnierend. "Ich habe versucht, alles für dieses Jahr zu optimieren, jede Kleinigkeit zu maximieren." Um sich selbst zu finden, war der finnische Rennfahrer sogar in die Einsamkeit Lapplands gereist. Tatsächlich scheint der Moment zurückzuschlagen, nach einer Saison, in der Bottas durch Eigenfehler, technische Probleme und die auf Hamilton abgestellte Stallregie ausgebremst worden war, gekommen. Vorbei die Zeiten, in denen Bottas als "Wingman" (Toto Wolff) das Geschäft seines Teamkollegen besorgte. Der Triumph in Melbourne, den der 29-Jährige als das "beste Rennen" in seiner Karriere bezeichnete, kam da gerade recht. Bei einem Rückstand von 20 Sekunden konnte nicht einmal Hamilton mithalten. Auch holte sich Bottas ("Das wird ein großer Schub für dieses Jahr") den Punkt für die schnellste Rennrunde.

Einen Schub kann indes auch Ferrari dringend brauchen. Unter Hochdruck fahndet Sebastian Vettel mit den Ingenieuren nach den in Australien verlorenen Sekunden. Nach dem Schock durch den Mercedes-Doppelsieg ist die Scuderia gezwungen, bereits im Wüstenrennen von Bahrain eine bessere Figur abzugeben. "Wir müssen sicherstellen, dass wir die Bereiche, in denen wir schwach waren, verstanden und korrigiert haben", sagte etwa Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. "Wir erwarten, dass sich die Korrekturen bemerkbar machen."

Angst vor dem Sand

In den ersten 58 Runden dieser Saison hatten Vettel und sein Neo- Stallkollege Charles Leclerc keine Chance gegen die Übermacht von Mercedes. Den roten Rennwagen fehlte die Haftung, die Reifen bauten in besorgniserregendem Maße ab. "Es ist schwierig, in der Wüste den richtigen Rhythmus zu finden, vor allem wegen des Sands, der vom Wind auf den Kurs geblasen wird", meinte Vettel, für den in seinem bereits fünften Ferrari-Jahr bald der WM-Titel her muss. "Wenn man nur Millimeter von der Ideallinie abweicht, fängt man zu rutschen an und kann die Runde wegwerfen, weil man die einmal verlorene Zeit einfach nicht wieder gutmachen kann." Immerhin können Vettel und Ferrari aus ihrer Vergangenheit in Bahrain Zuversicht schöpfen. Nach einem Taktik-Thriller im Vorjahr raste der Deutsche in Sakhir doch noch ganz oben aufs Stockerl.