Augusta. (rel) Als Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg im November 1719 in Gotha das Licht der Welt erblickte, lagerten dort, wo heute die Bürotürme der nach ihr benannten Metropole im US-Bundesstaat Georgia in den Himmel wachsen und im angrenzenden Grün des exklusiven Augusta National GC die Schönen und Reichen putten, noch Angehörige der Native Americans. Von der Ehre, die ihr der englische Adelige und Kolonialgeneral James Oglethorpe Jahre später, 1736, mit der Gründung einer Siedlung namens Augusta im mittleren Westen erwies, dürfte sie wohl kaum Notiz genommen haben. Die erst 16-Jährige war mit anderen Pflichten beschäftigt, wie etwa jener, sich als Angetraute des britischen Thronfolgers Friedrich Ludwig von Hannover in London häuslich einzurichten.

Über Jahrhunderte war der Name auch schon das einzige dominant-weibliche Merkmal, mit dem Augusta in Verbindung gebracht werden konnte. Georgia stand damals nicht nur für Baumwolle und Sklavenwirtschaft, sondern bildete auch für die örtliche Südstaatenelite, die sich vernehmlich aus christlichen weißen Männern zusammensetzte, ein wichtiges Zentrum. So gesehen verwundert es kaum, dass der hiesige, 1932 vom Golfamateur Bobby Jones gegründete Golfklub über eine lange Zeit Traditionen aufrechterhielt, die im 21. Jahrhundert nicht mehr zu vertreten sind. Juden etwa wurde die Aufnahme ebenso verweigert wie Asiaten und Afroamerikanern - von den Frauen gar nicht zu reden, was wiederum unlängst eine Zeitung spötteln ließ, der National GC sei "eine Art Golfclub gewordener Ku-Klux-Verein" gewesen. Das sollte sich auch nicht so rasch ändern: Erst 1990 wurde der erste Afro-Amerikaner, 2012 die erste Frau aufgenommen.

Wobei: So ganz offen für Veränderungen scheint man in Augusta bis heute nicht zu sein. Und dazu eignet sich das "Augusta National Women’s Amateur", das noch bis Samstag abgehalten wird und als das erste Frauenturnier in der Geschichte des Klubs gefeiert wird, als Beispiel. Zunächst einmal findet das Turnier gar nicht in Augusta statt, sondern in einem Privatklub im benachbarten Evans. Erst am Freitag erfolgte eine Proberunde in Augusta, ehe dort, wo am 11. April die Herren ihr Masters abhalten, am Samstag die Abschlussrunde ausgetragen wird. Auch, dass man beim Frauenfeld nur auf Amateurinnen setzt und nicht auf Profis wie beim Männerturnier, wird damit begründet, dass Augustas Klubgründer Jones ja auch Amateur gewesen sei und Amateurgolf eben zur Historie gehöre. Fakt ist: Letztlich bleibt Augusta damit nach wie das einzige Major, das kein äquivalentes Turnier für die Frauen bietet.

Showdown am Samstag auf dem exklusiven Grün von Augusta

Für die Amateurinnen, die aktuell in Augusta am Abschlag stehen, ist der historische Streit hingegen noch zweitrangig. Auch für Österreichs Golf-Aushängeschild Emma Spitz, für die es am Samstag in Augusta zum großen Showdown kommt. Die Niederösterreicherin musste für die Teilnahme am Finale hart kämpfen und durch ein Wellental der Gefühle. Denn nach ihrer ausgezeichneten 71er-Runde und Platz acht zum Auftakt hatte sich die 18-Jährige am Donnerstag auf dem Qualifikations-Kurs unter dem Druck des Bestehen-Müssens zu einer mageren 76 gemüht, aber es dennoch ins Finale am Samstag (14.30 Uhr MESZ) geschafft. Als Führende in die Schlussrunde geht Jennifer Kupcho. Die routinierte Amerikanerin hält nach Runden mit 68 und 71 Schlägen bei 5 unter Par und liegt einen Schlag vor der Mexikanerin Maria Fassi. Spitz liegt mit 3 über Par auf dem geteilten 21. Platz.

Wie auch immer Spitz am Ende abschlagen wird, ein Erfolg ist die Teilnahme angesichts des Medienechos für sie und die übrigen Frauen jetzt schon. Und vielleicht liegt der Moment, wenn man Augusta nicht nur mit einer Prinzessin, sondern auch mit weiblichen Golfprofis in Verbindung bringen wird, nicht mehr fern. Zumindest wäre es 300 Jahre nach Augustas Geburtstag höchst an der Zeit.