Monte Carlo/Wien. (art/apa) Vor nicht ganz 15 Jahren lag ihm ganz Chile zu Füßen. Nun soll er Österreichs besten Tennisspieler in noch höhere Sphären führen. Nicolás Massú, der sich 2004 im Doppel mit Fernando González zum ersten Olympiasieger seines Heimatlandes gemacht und einen Tag darauf im Einzel nachgelegt hatte, wird nach einer Testphase als Dominic Thiems Touring-Coach in der am Wochenende in Monte Carlo beginnenden europäischen Sandplatzsaison in die erste Reihe rücken. Erstmals steht Thiem damit über einen längeren Zeitraum als erster Ansprechpartner nicht sein Langzeitbetreuer Günter Bresnik zur Seite, sondern jemand, der von extern geholt wurde.

Was von einigen Beobachtern als Symptom einer Entfremdung gesehen wurde, will man im Team Thiem als normalen Prozess verstanden wissen. Immerhin ist Österreichs Tennis-Aushängeschild 25 Jahre alt, Nummer fünf der Welt und "eine fertige Persönlichkeit", wie Bresnik sagt. "Und teilweise wird er in der Öffentlichkeit immer noch wahrgenommen, als ob er ein kleines Kind wäre." Es mag sein, dass dies auch an dem väterlichen Verhältnis gelegen hat, das Thiem und Bresnik auf der Tour verkörperten. In Massú hat er nun jemanden an seiner Seite, der mit seinen 39 Jahren schon alleine deswegen in eine andere Kategorie fällt. Doch auch sonst hat der geringere Altersunterschied seine Vorteile, erzählte der Chilene jüngst dem Internetportal tennisnet.com. "Ich spüre auf dem Schläger, wie Dominic die Bälle spielt. Dadurch kann ich viel besser und direkter erklären, woran er arbeiten muss." Es seien allerdings ohnehin nur Kleinigkeiten, die in der täglichen Arbeit verbessert werden können. An und für sich sieht Massú, der vorher das chilenische Daviscup-Team betreut hatte und beim (erfolgreichen) Gastspiel in Österreich mit Bresnik in Kontakt gekommen war, seinen neuen Schützling als beinahe kompletten Spieler. Ein Beispiel sei Indian Wells gewesen, wo Thiem seinen ersten Masters-1000-Titel holte. Die Gegner und Matches seien allesamt unterschiedlich gewesen, der Niederösterreicher hatte stets die richtige Antwort - und das auf Hartplatz, seinem nicht unbedingt bevorzugten Belag. Nun geht es auf Sand, wo Thiem - wie einst Massú - seine Stärken bisher noch besser ausspielen konnte. Dass die Erwartungen durch den jüngsten Erfolg, dem allerdings ein frühes Ausscheiden in Miami gefolgt war, sowie in Anbetracht der Tatsache, dass Thiem im vergangenen Jahr im French-Open-Finale gestanden war, gestiegen sind, sieht Thiem nicht als Nachteil, es nehme sogar "ein bisschen Druck weg", sagt er. "Es ist jedes Mal wie nach Hause kommen, wenn ich wieder auf Sandplatz komme. Das wird immer mein Hauptbelag bleiben."

Dominic Thiem schlägt in Monte Carlo wieder auf Sand auf. Foto: APAWeb / USA Today Sports / Geoff Burke - © USA TODAY Sports
Dominic Thiem schlägt in Monte Carlo wieder auf Sand auf. Foto: APAWeb / USA Today Sports / Geoff Burke - © USA TODAY Sports

Monte Carlo selbst hat sich allerdings bisher nicht unbedingt als bester Boden für ihn erwiesen; bei seinen ersten beiden Antritten scheiterte er jeweils in der ersten Runde, danach standen zwei Achtelfinal-Teilnahmen zu Buche, ehe er im Vorjahr nach einem Sieg über Novak Djoković im Viertelfinale klar gegen Rafael Nadal ausschied. Das Level von Spiel zu Spiel, von Turnier zu Turnier zu halten, ist folglich eines der Hauptziele Thiems. Helfen soll dabei auch die positive Energie, die Massú auszeichnet. Der sagt über sich: "Ich liebe den Wettkampf, ich liebe Drucksituationen: die Nervosität vor dem Match, den Moment des Sieges, aber auch die Niederlage." Bresniks Einschätzung nach ist er damit der richtige Mann zur richtigen Zeit. "Es ist momentan eine Superlösung."