Auch die sportlichen Backgrounds der Aktiven sind nicht so einfach festzumachen. Football, Rugby, Handball, oder auch Karate sind Sportarten, die zuvor oder auch parallel zu Quidditch, ausgeübt wurden oder werden. "Ich habe sieben Jahre Basketball im Verein gespielt und spiele jetzt seit viereinhalb Jahren Quidditch. Was mir daran gefällt, ist, dass es ein sehr schneller und taktischer Sport ist", sagt Andrea Wöger, die bei den Vienna Vanguards und im österreichischen Nationalteam die Position der Chaserin ausübt. "Man muss körperliche Fitness besitzen. Das glauben viele nicht. Die denken, da schmeißt man einfach einen Ball herum. Aber es ist ein Vollkontaktsport."

Koordinator Richard Turkowitsch freut sich über eine wachsende Szene. - © Stefan Mayer
Koordinator Richard Turkowitsch freut sich über eine wachsende Szene. - © Stefan Mayer

Dass es nicht ganz zimperlich zugeht, merkt man bereits beim ersten Spiel des Tages. Eine Spielerin der Danube Direwolves muss nach einem Zusammenprall mit einem Spieler der Vanguards medizinisch am Kopf versorgt werden. Glücklicherweise ohne gröbere Folgen. Die in den Regularien vorgeschriebenen Sanitäter sollten im Laufe des Spieltags noch weitere Male benötigt werden. Doch auch die folgenden Einsätze laufen entspannt ab, am Ende gibt es niemanden, der den Tag mit einer größeren Verletzung beendet. Nicht nur körperlich, auch zeitlich kann Quidditch intensiv werden, schließlich nehmen die Spielerinnen und Spieler ihren Sport ernst: "Es geht fast der ganze Urlaub für den Sport drauf, weil ich mir bei Turnieren immer am Freitag und Montag freinehmen muss" erzählt Wöger.

Die ersten Champions

Nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel der Vanguards gegen die Ljubljana Argonauts steht fest, vorzeitiger Sieger der ersten Auflage der Central European Quidditch League 2018/19 und damit auch erstmaliger österreichischer Meister ist das Team aus Wien. Ein weiterer Spieltag folgt noch im Mai im slowenischen Laibach, wo die Champions offiziell gewürdigt werden. Das Ende der Saison ist das allerdings noch nicht, Ende Juni findet die Europameisterschaft im oberfränkischen Bamberg statt, rund 20 Teams kämpfen um den Titel. "Unter die Top fünf zu kommen, würde mir schon sehr gut gefallen", sagt Wöger über die Ziele. Turkowitsch ergänzt: "Mit der Weltmeisterschaft in Florenz 2018 sind wir ziemlich zufrieden gewesen, und auch bei der Euro in Oslo das Jahr zuvor lief es gut. Dort besiegten wir beispielsweise Deutschland im ersten und einzigen Pflichtspiel, das wir bis jetzt gegen sie gespielt haben, mit 100:90, und am Ende standen wir im Viertelfinale."

Auch dass Österreich selber einmal als Ausrichter eines großen Turniers in Frage kommt, ist in Zukunft nicht gänzlich unmöglich. "Das wäre schön, wir haben schon überlegt, den European Quidditch Cup 2 auszutragen. Das Turnier ist im Vergleich das, was im Fußball die Europa League ist und woran auch der österreichische Cupsieger teilnimmt. Ich schließe es für die Zukunft nicht aus. Das Organisieren von Sportanlagen bedarf aber einiges an Aufwand", so der Ligakoordinator.

Auch wenn das nicht gleich in den kommenden Jahren passieren sollte, eines ist fix: Auch zukünftig werden die Teams alles geben, intensiv angreifen und verteidigen. Denn mit dem Ende der Harry-Potter-Saga ist jenes von Quiditch noch lange nicht gekommen.