Augusta. Das Urteil von Basketball-Superstar Stephen Curry kam über Twitter, quasi die letzte Instanz der Schönen, Reichen und medial geschulten Sportlichen. "Greatest comeback-story in sports", zwitscherte also Curry, als der Sieg von Tiger Woods beim Masters in Augusta, einen Schlag vor seinen US-Landsmännern Dustin Johnson, Xaver Schauffele und Brooks Koepka, feststand.

22 Jahre nach seinem ersten und elf Jahre nach seinem bisher letzten Triumph bei einem der vier Major-Turniere im Golfsport schlug Woods damit erneut und zum bisher 15. Mal zu; das alleine wäre schon bemerkenswert genug - und würde locker für einen Ehrenplatz in der Geschichte der triumphalen Rückkehren im Sport genügen, die von Muhammed Ali über Michael Jordan und Niki Lauda bis hin zu Hermann Maier reichen.

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Was das Comeback Woods’, das freilich kein echtes war, zumal er auch im vergangenen Jahr nicht wirklich weg, sondern eben nur nicht mehr auf dem Thron einer der vier Topveranstaltungen war, darüber hinaus aber so besonders macht, bemisst sich nicht in Scores und Titeln alleine. Es ist eher die Geschichte vom gefallenen Helden, der sich wider alle Umstände und, vor allem anderen, wider die eigenen Dämonen zurückkämpft, die die Menschen weit über die Grenzen des Sports hinaus fasziniert und Anlass zu allerlei Projektionen bietet. Nicht umsonst haben sich auch US-Präsident Donald Trump sowie zwei seiner Vorgänger in die lange Gratulantenschlange eingereiht und dabei auf diese Aspekte verwiesen. "Ich liebe Menschen, die unter Druck Großes leisten", schrieb Trump; "Niemals aufgeben", Bill Clinton. Barack Obama wiederum führte aus: "Zurückzukommen und das Masters nach all den Höhen und Tiefen zu gewinnen, ist ein Zeugnis von Exzellenz, Willen und Entschlossenheit." Trump will den Golfer nun sogar mit der "Presidential Medal of Freedom", der höchsten zivilen Auszeichnung der USA ehren. Als Grund nannte Trump unter anderem Woods' "Comeback im Sport und, noch wichtiger, im Leben".

Tiger Woods feierte seinen 15. Major-Triumph vor den Augen seiner Familie. - © Reuters
Tiger Woods feierte seinen 15. Major-Triumph vor den Augen seiner Familie. - © Reuters

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass genau die von Obama genannten Attribute Woods sowohl zu Beginn seiner Karriere als auch in seiner schweren Krise bisweilen abgesprochen worden waren. Als er sich 1997 zum ersten Mal das Green Jacket für den Masters-Sieg überstreifen ließ, sahen viele in ihm den Hochbegabten, den alles - samt Werbeverträgen in für einen Golfer noch nie dagewesenem Ausmaß - in den Schoß zu fallen schien. Als er später jahrelang die Szene dominierte und zum ersten Sport-Milliardär der Geschichte wurde, meldeten sich Neider zu Wort. Jedes Schwächeln wurde als Zeichen eines übersättigten Tigers interpretiert, auch dass Woods, erster dunkelhäutiger Golfstar, seine Wurzeln verraten würde, war ein gängiger Vorwurf.

Tiger Woods 1997 bei seinem ersten Major-Titel - ebenfalls in Augusta - © Reuters
Tiger Woods 1997 bei seinem ersten Major-Titel - ebenfalls in Augusta - © Reuters

Vom Saulus zum Paulus

Bis 2008, bis zu seinem bis Sonntag letzten Major-Titel, ließ sich Woods nach außen hin von derlei nicht beirren; dann aber kamen private Probleme ans Licht, die mehr Schlagzeilen verursachten als all seine sportlichen Leistungen. Nach der vom Boulevard genüsslich ausgeschlachteten Scheidung von seiner Ehefrau samt weiteren Beziehungen dauerte es, bis er wieder Fuß fasste - und dann erneut, diesmal durch Verletzungen, auch wortwörtlich wieder ins Wanken geriet. Zwischen 2014 und 2017 musste er sich mehreren Rückenoperationen unterziehen, im Mai vor zwei Jahren schließlich ging das Polizeibild eines sichtlich gezeichneten Woods um die Welt, weil dieser nach der Einnahme eines Medikamentencocktails am Steuer seines Autos eingeschlafen war. Woods schien endgültig am Ende; "ich war körperlich ein Wrack", sollte er später über diese Zeit sagen. Eine Therapie, die Familie und eisernes Training mit der Gewissheit, so nicht von der Sport-Bühne abtreten zu wollen, brachten ihn schon im Vorjahr wieder auf den Erfolgsweg zurück - und ihm mehr Sympathien ein als alle seine Siege.

Der Erfolg fühle sich "unwirklich" an, sagte Woods am Sonntag; dass er ihn vor den Augen seiner Tochter Alexis und seinem nach dem davor letzten Major-Sieg geborenen Sohn Charlie feiern durfte, mache es noch spezieller. "Ich wollte ihnen zeigen, wie es ist, wenn ihr Vater ein großes Turnier gewinnt. Dass meine Familie an meiner Seite war, ist etwas, das ich nie vergessen werde. Und ich hoffe, dass sie das auch nie vergessen werden." Für die Sportwelt war es in jedem Fall ein Comeback, das nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.