Innsbruck/Banff. Am Ostersonntag war es Gewissheit. Die beiden Tiroler Extrem-Bergsteiger David Lama (28) und Hansjörg Auer (35) sind tot. Sie sind wie befürchtet gemeinsam mit ihrem US-Kollegen Jess Roskelley (36) bei einem Lawinenunglück im Banff-Nationalpark in den kanadischen Rocky Mountains ums Leben gekommen. Ihre Leichen wurden am Ostertag geborgen, die Identität der getöteten Alpinisten wurde bestätigt.

Das Trio galt seit vergangenem Dienstag als vermisst. Die drei anerkannten Ausnahme-Alpinisten wollten den 3295 Meter hohen Howse Peak über eine schwierige Route an der Ostseite des Berges besteigen. Jedoch begrub dann eine Lawine die drei Männer unter sich. Nachdem das Trio als vermisst gemeldet worden war, suchten Rettungskräfte das Gebiet aus der Luft ab. Der Rettungseinsatz musste wiederholt wegen schlechten Wetters und der Gefahr weiterer Lawinenabgänge unterbrochen werden. Nach dem Fund von Kletterausrüstung gingen die Behörden schon am Freitag vom Tod der Alpinisten aus.

Der zunächst vermutete und nun bestätigte Tod der Bergsteiger löste in der Kletterszene und weltweit Bestürzung aus. Die Bergsteigerlegenden Peter Habeler und Reinhold Messner zeigten sich tief betroffen und würdigten die Leistungen von Lama und Auer. "Schlimm, schlimm, schlimm. Das waren die Besten der Besten. Überflieger im positiven Sinn", sagte etwa Habeler. Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz sprachen den Familien ihr Beileid aus.

Die Familien selbst äußerten sich schon am Freitag über Internet-Postings zum Unglück. "David lebte für die Berge und seine Leidenschaft für das Klettern und Bergsteigen hat uns als Familie geprägt und begleitet. Er folgte stets seinem Weg und lebte seinen Traum. Das nun Geschehene werden wir als Teil davon akzeptieren", schrieben etwa Lamas Eltern. Weitere Statements gab es am Ostermontag nicht mehr. "Was zu sagen ist, ist gesagt", so Lamas Manager Florian Klingler gegenüber der Austria Presse Agentur.

Wann die Überführung der beiden Leichname nach Österreich erfolgen wird, stand am Montag noch nicht fest. Die Handhabung der Überstellung werde auch von den Wünschen der Angehörigen abhängen, sagte Außenministeriums-Sprecher Peter Guschlbauer. Die Botschaft werde den Familien selbstverständlich jede notwendige beziehungsweise gewünschte Hilfestellung leisten.

David Lama galt als Ausnahmetalent der Alpinisten- und Klettererszene. Einer seiner größten Erfolge war die erste Begehung der Kompressor-Route am Cerro Torre (Patagonien) mit Peter Ortner im Jahr 2012. Eine Leistung, die nicht zuletzt Messner beeindruckte: "Als du den Cerro Torre frei geklettert bist, waren wir alle begeistert - nicht nur ich. Wir standen mit offenem Mund da und haben gesagt, das ist es", meinte die Südtiroler Bergsteigerlegende damals voller Hochachtung über Lama. Im vergangenen Herbst gelang ihm die Erstbesteigung des 6895 Meter hohen Lunag Ri in Nepal über den Westpfeiler im Alleingang.

Der Ötztaler Hansjörg Auer wiederum wurde vor allem durch seine Free-Solo-Klettertouren bekannt - das heißt die Begehung einer Kletterroute im Alleingang unter Verzicht auf alle technische Hilfs- und Sicherungsmittel. Im April 2017 durchkletterte Auer etwa die 37 Seillängen und 1220 Meter lange Route "Durch den Fisch" (Schwierigkeitsgrad 7b+) in den Dolomiten auf diese Weise. Das dritte Opfer, Jess Roskelley, war der Sohn des bekannten US-Bergsteigers John Roskelley. Beide hatten 2003 gemeinsam den Mount Everest bestiegen. Zu diesem Zeitpunkt war Jess Roskelley 20 Jahre alt und damit der jüngste US-Bergsteiger, der den höchsten Berg der Welt bezwang.