Baku. Ferrari will beim Formel-1-Grand-Prix von Baku mit einem überarbeiteten Auto an der Übermacht von Mercedes kratzen. "Wir bringen ein paar Updates mit nach Baku. Das ist der erste Schritt in der Weiterentwicklung des SF90", sagte Teamchef Mattia Binotto vor dem vierten WM-Lauf. Die Italiener sind 2019 noch ohne Sieg und müssen zudem darauf achten, dass die Chemie intern nicht explosiv wird.

Die Scuderia steht vor dem Grand Prix am Sonntag (14.10Uhr/ORFeins, RTL und Sky) auf dem Stadtkurs am Kaspischen Meer schon unter Druck. Mercedes hat in den ersten drei Rennen jeweils die Plätze eins und zwei belegt, für Vettel gab es erst zuletzt in Shanghai den ersten Stockerlplatz, als er Dritter wurde. Zudem sorgte in China eine Stallorder für Aufsehen: Teamkollege Charles Leclerc hatte Vettel vorbeiziehen lassen müssen.

"Leclerc kann WM gewinnen"

Der Sieg ging an Mercedes-Star und Weltmeister Lewis Hamilton, der auch in der laufenden Saison die Gesamtwertung anführt. Dennoch sieht er sich keineswegs an der Leistungsgrenze. Jeder mache Fehler, betonte der Engländer. "Ich bin nicht perfekt. In Wahrheit ist es die Unvollkommenheit, die einen stark macht und uns voneinander unterscheidet." Um in der WM-Wertung nicht noch weiter den Anschluss an Hamilton (68 Punkte) zu verlieren, muss das Ferrari-Duo Vettel (37) und Leclerc (36) in Baku liefern. Die Situation ist teamintern nicht ungefährlich: Denn Vettel kann auf den Status als Team-Nummer-eins nur weiter pochen, wenn seine Leistungen das rechtfertigen. Wenn der 21-jährige Leclerc die besseren Resultate bringt, wird die von Binotto vor der Saison ausgegebene Hierarchie nicht mehr lange argumentierbar sein.

"Ich glaube nicht, dass es genug ist zu sagen, der eine ist erfahren, der andere ist nicht erfahren, also setzen wir auf die Karte Erfahrenheit", hatte sich vor einigen Tagen Gerhard Berger über die Situation zu Wort gemeldet. "So sehr ich Sebastian mag und so sehr ich ihn schätze: Das ist ein Bursche, der in der Lage ist, die Weltmeisterschaft zu gewinnen", lobte er Leclerc.

Der Monegasse pries bereits seine Erfolge in Baku, auf einer seiner "absoluten Lieblingsstrecken". Er verwies auf einen Sieg und einen Stockerlplatz in der Formel 2, dazu auf seine ersten Punkte in der Formel 1 anno 2018. "Ich bin dort immer sehr gut gefahren", erklärte der Ferrari-Neuling. Der Formel-2-Sieg gelang ihm 2017 nur wenige Tage nach dem Tod seines Vaters.

Negativ sind indes die Erinnerungen Vettels: Im Vorjahr gab es nach einem heftigen Verbremser statt des möglichen Sieges nur Platz vier, 2017 sorgte sein Ausraster mit einem Rammstoß gegen Hamilton für negative Schlagzeilen. Vettel konnte seit der Aserbaidschan-Premiere 2016 noch nicht in Baku gewinnen, Gleiches gilt für seinen Rennstall.

"Nachdem die ersten drei Rennen definitiv nicht so gelaufen sind, wie wir wollten, ist dieser Grand Prix ein weiterer wichtiger Moment für uns", merkte Binotto an. Die Scuderia sei "sehr gut vorbereitet" und hätte nach einer umfassenden Datenanalyse Bereiche gefunden, "in denen wir uns verbessern können". Dazu gehört unter anderem das Motoren-Management.

Der Stadtkurs in Baku sollte den starken Ferrari-Motoren gerade wegen der mehr als zwei Kilometer langen Start-Ziel-Gerade liegen. In der Hauptstadt Aserbaidschans geht es jedoch auch um die Nerven der Fahrer. Im Vorjahr räumte Daniel Ricciardo seinen damaligen Teamkollegen Max Verstappen unsanft ab und bescherte beiden Red Bull das vorzeitige Rennende.