Barcelona. (art) Die schlechte Nachricht zuerst: Es war nicht der größte Erfolg in Dominic Thiems bisheriger Karriere. Die positive: Es war ein Triumph, der mit Sicherheit zu den bedeutenderen zählt. Mit seinem 6:4, 6:0-Finalerfolg in Barcelona über den Russen Daniil Medwedew holte der 25-jährige Niederösterreicher seinen insgesamt 13. Turniersieg, den dritten auf ATP-500-Ebene und den zweiten in dieser Saison, nachdem er im März in Indian Wells auf Hartplatz erstmals in der noch höheren 1000er-Kategorie zugeschlagen hatte. Wenige Wochen vor den French Open - und kurz nach seinem überraschenden Achtelfinal-Aus in Monte Carlo - hat der in der Weltrangliste nach wie vor auf Platz fünf liegende Thiem damit einerseits bewiesen, dass die Form auch auf seinem Lieblingsbelag Sand stimmt, und andererseits Spekulationen obsolet gemacht, wonach ihm die im Frühling nicht weniger überraschend erfolgte Trennung von seinem Langzeittrainer Günter Bresnik doch mehr zu schaffen machen könnte als zugegeben.

"Ich habe 15 Jahre mit ihm trainiert, es war eine unglaublich erfolgreiche Zeit, aber ich glaube, dass es im Sport fast unmöglich ist, für immer mit jemandem zusammenzusein. Irgendwann muss etwas Neues her", sagte Thiem in Barcelona über den Wechsel zu seinem neuen Betreuer Nicolás Massú. Die Basis zur neuen Konstanz, die Thiem nur einen Tag nach seinem Halbfinalsieg über Rafael Nadal nun gegen den an Matchsiegen in dieser Saison erfolgreichsten Spieler führte, wurde freilich früher gelegt; es sei einfach an kleinen Schrauben gedreht worden, erzählte er. "Das Wichtigste ist, dass ich mich wohlfühle auf dem Platz."

Das hat Thiem in Barcelona zur Genüge bewiesen; nach anfänglichen Problemen gegen seinen um zwei Jahre jüngeren Konkurrenten sowie einem 0:2-Rückstand fand er schnell zu seinem Spiel und ließ nach gewonnenem ersten Satz keinen Zweifel mehr am Sieg aufkommen. "Er hat sehr gut begonnen, und das, was ich mir vorgenommen habe mit dem Slice, hat nicht so gut funktioniert. Dann ist es besser geworden, und ich glaube, das war dann auch der Schlüssel", meinte Thiem.

"Kann mir nichts kaufen"

Dass er sich mittlerweile auf praktisch jeden Spieler einstellen kann und passende Lösungen parat hat, macht ihn auch für Nadal zu einem der gefährlichsten Konkurrenten um den French-Open-Titel. Im Finale 2018 hatte der Spanier noch deutlich triumphiert, der nunmehrige Sieg Thiems bringt dem Österreicher aber auch einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Vorteil. Als Favorit auf den Titel in Paris sieht er sich dennoch anders als so manche übereuphorische Beobachter keineswegs. "Ich ändere jetzt nicht meine Meinung, dass Rafa der Favorit auf jeden Sandplatztitel ist."

Schon in der nächsten Woche können sich die Kräfteverhältnisse wieder ändern, beim Masters-1000-Turnier in Madrid ist die versammelte Elite dabei. "Dort kann ich mir um den Barcelona-Titel nichts kaufen", betonte Thiem. "Jetzt ist es ein großer Moment in meiner Karriere, aber im Tennis kann es schnell gehen."

Davor steht ein kurzer Heimaturlaub auf dem Programm; bei dem am Sonntag beginnenden Turnier in der spanischen Hauptstadt hat Thiem zum Auftakt ein Freilos, ehe er versuchen wird, seinen Lauf aus den beiden Vorjahren zu wiederholen oder zu übertreffen. 2017 war im Finale gegen Nadal Schluss, ein Jahr später an selber Stelle gegen den Deutschen Alexander Zverev, der sich aktuell allerdings im Krisenmodus befindet. "Das Turnier liegt mir sehr, die Bedingungen taugen mir extrem, und ich habe dort die vergangenen Jahre sehr gut gespielt", sagte Thiem, für den es danach Schlag auf Schlag mit Rom und eben Roland Garros weitergeht.

Träume von Paris

So weit denken will er aktuell noch nicht ("Es ist noch ein bisschen weit weg"), im Hinterkopf spukt es aber sehr wohl herum. Einmal den Coupe des Mousquetaires in den Pariser Himmel zu stemmen, sei "wahrscheinlich das größte Ziel" seiner Karriere, sagte der Niederösterreicher, der dort abgesehen vom Finaleinzug 2018 zwei Halbfinalteilnahmen aus den Jahren davor zu Buche stehen hat. "Ich liebe dieses Turnier einfach, ich habe die letzten drei Jahre dort gut gespielt und hoffe natürlich, dass das so weitergeht", sagte er, gab aber auch zu bedenken, dass das "der wahrscheinlich schwerste Titel" sei. "Den kann man nicht planen."

So weit die schlechte Nachricht. Die gute: Man kann zumindest versuchen, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen - und diesbezüglich sieht sich Dominic Thiem gerüstet: "Ich arbeite gut daraufhin."