Wien. (rel) Verglichen mit dem Fußball wäre das so, als hätte das ÖFB-Team Weltmeister Frankreich oder Brasilien zu Gast. Im Fall der österreichischen Eishockeymannschaft lautet der große Name, den man am Dienstag in Wien (19.15 Uhr) willkommen heißen darf, Kanada - wenn auch "nur" zu einem Testspiel. Für die heimischen Eishockey-Nationalspieler ist das Zusammentreffen mit dem immerhin bereits 26-fachen Weltmeister freilich eine kleine Sensation. Es bildet das Highlight der Vorbereitung auf die am Freitag startende Weltmeisterschaft in der benachbarten Slowakei. Schon am Sonntag hatte die Auswahl im Testspiel gegen Dänemark zwei Drittel lang gefallen, nach drei Gegentreffern im Schlussdrittel setzte es aber eine 1:3-Niederlage. Nun wartet mit Kanada ein ganz anderes Kaliber. Davon kann vor allem gerade die dänische Nationalmannschaft ein Lied singen, begann doch ihr Debüt im internationalen Eiszirkus 1949 mit einer traumatischen Niederlage: einem 0:47 in Stockholm - gegen Kanada. Es war dies der höchste Sieg in der 100-jährigen Geschichte der Nordamerikaner.

Daran, dass man wie die Dänen vor 70 Jahren zerpflückt werden wird, glaubt man im ÖEHV-Team nicht - und bleibt gelassen. "Sie kommen alle aus der NHL, das ist ein anderes Tempo. Für uns ist es trotzdem ein Spaß, sich mit solchen Spielern zu messen. Es ist ja nicht unser Alltag", sagte Verteidiger Dominique Heinrich. Er und seine Kollegen hoffen, dass sie eine ähnlich gute Figur wie vor vier Jahren machen können, als sie in Wien nur 2:4 verloren - zweieinhalb Wochen später holte Kanada in Prag WM-Gold. Daher nimmt es nicht Wunder, dass die Kanadier so wie damals auch heuer wieder einer der ganz großen WM-Favoriten sind. Teamchef Alain Vigneault ist mit einer Auswahl aus Routiniers und jungen, talentierten NHL-Spieler angereist, die zusammen auf ein Jahresgehalt von rund 70 Millionen Dollar gekommen sind. Star der Truppe ist hier Stürmer John Tavares, der im vergangenen Sommer bei den Toronto Maple Leafs einen Siebenjahresvertrag über 77 Millionen Dollar unterschrieben hat. Mit Goalie Matt Murray von den Pittsburgh Penguins ist auch ein zweifacher Stanley-Cup-Sieger dabei.

Die Österreicher wollen das ungleiche Duell dennoch nutzen, um sich noch einmal auf das Top-Niveau einstellen zu können. "Kanada ist ein Gegner, der uns zeigen wird, was eine Mannschaft, die um den Titel spielt, auf dem Kasten hat", erklärte Teamchef Roger Bader und ergänzte: "So ein Spiel hilft uns, unser Niveau noch einmal zu steigern. Wir sind gezwungen, mitzulaufen, schnellere Entscheidungen zu treffen, schneller zu antizipieren und schneller zu reagieren. Diese Erfahrung wird uns beim WM-Start helfen", sagte der Trainer.

Einer, der die meiste Erfahrung auf diesem Niveau hat, ist freilich Michael Raffl. Österreichs einziger NHL-Profi im WM-Kader trifft am Dienstag auf zwei Teamkollegen und seinen künftigen Trainer bei den Philadelphia Flyers. Während Sean Couturier zu den Routiniers zählt, hat der 20-jährige Torhüter Carter Hart erst im Dezember sein NHL-Debüt gegeben und mit konstant guten Leistungen überzeugt. "Der Bursche hat wirklich sehr viel Talent und ist auf einem sehr guten Weg, ein Weltklassetorhüter zu werden", meinte Raffl über dessen Zukunft.

Kader auf 26 reduziert

Während Couturier, Hart und Co. fix dabei sind, wackelt bei den Österreichern noch der eine oder andere Platz. So hat Bader den WM-Kader am Montag um drei Spieler auf 26 Mann reduziert, Verteidiger Daniel Jakubitzka sowie die beiden Stürmer Florian Baltram und Martin Ulmer schieden aus dem Kader aus. Nach dem letzten Testspiel am Dienstag gegen Kanada wird noch ein weiterer Spieler das Team verlassen müssen.

Im österreichischen Tor wiederum wird diesmal nicht der gegen Dänemark starke Bernhard Starkbaum stehen, sondern sich David Kickert wohl dem Puck stellen. Eine Arbeitsteilung, die zudem am ersten WM-Wochenende in Bratislava mit zwei Spielen immerhalb von 20 Stunden sehr wahrscheinlich ist. Das bestätigte auch Bader. "Die Chance, dass wir in den ersten zwei Spielen zwei verschiedene Torhüter einsetzen, ist sehr groß", meinte der Coach mit Blick auf die kommenden WM-Partien am Samstag gegen Lettland (16.15 Uhr) und am Sonntag gegen Russland (12.15 Uhr). Vor allem die Begegnung mit den Russen dürfte schwierig werden. Immerhin waren sie es, die Kanada vor 42 Jahren mit einem traumatischen 0:11 die höchste Niederlage seiner Geschichte zufügten. In Wien.