Bratislava. (apa/rel) Gleich mit einem Doppel binnen 20 Stunden startet Österreichs Eishockey-Nationalmannschaft am Wochenende in Bratislava in die A-WM. Und eines ist im Vorhinein klar: Gegen Goldfavorit Russland am Sonntag (12.15 Uhr) wird kaum etwas zu holen sein. Dafür spekulieren die Österreicher im Auftaktmatch am Samstag (16.15 Uhr/ORF Sport+) gegen Lettland mit einer Überraschung. Nicht ohne Grund ließ daher auch Coach Roger Bader Lettland bei den abschließenden Testspielen in der Schweiz durch seinen Assistenten Markus Peintner beobachten. Und was der dort so notierte, ist durchaus interessant: Demnach bauen die Letten auf ein Gerüst von gleich neun Spielern des durchschnittlich erfolgreichen KHL-Klubs Dinamo Riga, die bestens eingespielt und hohes Tempo gewohnt sind. Bader gab sich dennoch recht zuversichtlich: "Es gab letzte Rückschlüsse, weniger über die Spielweise, mehr, was machen sie für einen Eindruck als Mannschaft. Wir sind nicht chancenlos. Wenn wir eine gute Leistung abrufen, können wir sie schlagen", betonte der Schweizer.

Zuversichtlich stimmen die Nationalmannschaft auch die jüngsten WM-Duelle mit dem Team aus dem Baltikum. 2013 gewann Österreich in Helsinki mit 6:3, 2015 gab es in Prag eine 1:2-Niederlage - nach Verlängerung. "In Prag haben wir gezeigt, dass wir gut gegen sie spielen können", erklärte Verteidiger Dominique Heinrich. "Wir sind mit ihnen auf Augenhöhe, an einem guten Tag können wir Punkte holen." Ähnlich sieht es Manuel Ganahl. "Lettland wird für uns ein super Gradmesser. Sie haben eine super Mannschaft und sind vom Papier her klar überlegen. Aber wir haben ja im Vorjahr gegen die Schweiz (2:3 nach Verlängerung gegen den späteren Vizeweltmeister, Anm.) bewiesen, wenn wir einen super Tag haben und kompakt auftreten, dass wir punkten können. Unser Ziel ist, mit Kampf und Disziplin dagegenzuhalten und probieren, Punkte zu hamstern", sagte der Stürmer.

Ob die Wünsche aufgehen werden, wird auch an der Personalauswahl liegen. Bader nannte am Donnerstagabend vorerst 16 Feldspieler und zwei Torhüter, vier Feldspieler folgen. Der zuletzt angeschlagene Raphael Herburger, Center der ersten Linie zwischen NHL-Profi Michael Raffl und Peter Schneider, konnte am Donnerstag voll trainieren und sollte fit sein. Offen ist, wem der Trainer im Tor den Vorzug gibt. David Kickert und Bernhard Starkbaum werden sich die zwei Einsätze am ersten WM-Wochenende wohl teilen.

Bob Hartley als harte Nuss

So wie Österreich hat auch Lettland drei Stürmer in der NHL und mit Rudolfs Balcers (Ottawa Senators) einen bei der WM dabei. Star Zemgus Girgensons (Buffalo Sabres) hat abgesagt, Teddy Blueger (Pittsburgh Penguins) ist verletzt. Und auch bei den Letten stellt sich die Frage nach dem Torhüter, weil der langjährige Rückhalt Elvis Merzlikins fast zwei Monate kein Spiel mehr bestritten hat.

Dennoch ist davon auszugehen, dass sich das Teamchef Bob Hartley überlegt hat. Der 58-jährige Kanadier hat nicht umsonst Titel in der kanadischen Juniorenliga, der nordamerikanischen AHL und in der Schweiz gewonnen und seine Karriere bereits 2001 mit dem Stanley Cup (Colorado Avalanche) und 2015 mit dem Jack Adams Award als bester Trainer der NHL gekrönt. Erst im Vorjahr hat Hartley die Letten ins Viertelfinale geführt, wo gegen den späteren Weltmeister Schweden Endstation war (2:3). Heuer erreichte er mit dem russischen KHL-Klub Avangard Omsk das Finale um den Gagarin-Cup. Klingt nach harter Arbeit. Aber die Hoffnung lebt.

 Russland siegt, Nordamerikaner straucheln

 Jene freilich, dass die Russen, Gegner am Sonntag, den WM-Auftakt auf die leichte Schulter nehmen könnten, erlitt am Freitagabend einen Dämpfer. Die Sbornaja zeigte sich schon beim 5:2-Sieg über Norwegen in Bestform. Ganz anders die Schweden (2:5 gegen Tschechien) und die Nordamerikaner: Sowohl für die USA als auch für Kanada setzte es Niederlagen. Die Kanadier mussten sich Finnland 1:3 geschlagen geben, die US-Kollegen den slowakischen Gastgebern mit 1:4.

Immerhin: Der Atmosphäre in den Hallen wird die starke Leistung der Heimmannschaft nicht schaden. Die WM kann nun so richtig beginnen - auch für Österreich.