Bratislava. (art/apa) Luftlinie sind es nur etwas mehr als 1200 Kilometer, die Wien von der schwedischen Hauptstadt Stockholm trennen, im Eishockey sind es aber zwei Welten, die am Donnerstag (16.15 Uhr/ORF Sport+) bei der A-WM in der Slowakei aufeinanderprallen: Während für die Österreicher der Klassenerhalt das erklärte Ziel ist, gehen die Schweden als Doppelweltmeister auf den ersten WM-Hattrick seit 18 Jahren los. Zwar hat Rot-Weiß-Rot im Eishockey schon zweimal gegen das Tre-Kronor-Team gewonnen - der jüngste Sieg ist aber schon 72 Jahre her. Und die bisherigen Ergebnisse in der Slowakei waren kaum dazu angetan, das erwartete Kräfteverhältnis zu erschüttern: Während die Mannschaft von Roger Bader alle drei Begegnungen verlor - einem 2:5 gegen Lettland und dem 0:5 gegen Russland war am späten Dienstagabend ein 0:4 gegen die Schweiz gefolgt -, haben sich die Skandinavier schnell von ihrem Auftaktdämpfer, einem 2:5 gegen Tschechien, erholt und sich in den beiden weiteren Partien gegen Italien (8:0) und Norwegen (9:1) nicht nur keine Blöße gegeben, sondern in wahrer Torlaune präsentiert.

 89 Schweden spielten heuer in der NHL

Überraschend ist das freilich nicht, betrachtet man die nackten Zahlen und Fakten: Teamchef Rikard Grönborg, der künftig die ZSC Lions aus Zürich trainiert, hat 19 NHL-Spieler zur Verfügung. Insgesamt zehn Weltmeister von 2017 oder 2018 sind dabei. Verteidiger Oliver Ekman-Larsson, Klubkollege von Michael Grabner bei den Arizona Coyotes, ist der einzige, der beide Goldmedaillen geholt hat. "Die Topnationen sind in der Lage, immer wieder sehr gute Mannschaften zu stellen. Es ist erstaunlich, welche Breite an erstklassigen Spielern sie haben", sagt Bader. In dieser Saison kamen 89 Spieler aus dem größten skandinavischen Land in der NHL zum Einsatz.

Schweden ist längst das Exportland Nummer eins, wenn NHL-Klubs auf der Suche nach Nachschub sind. In den vergangenen 22 Jahren wurden nie weniger als 14 Spieler von schwedischen Klubs gedraftet. Bei der Talente-Auswahl im Vorjahr wurden gar 28 Schweden gewählt, sechs in der ersten Runde. Zum Vergleich: Seit Michael Grabner und Andreas Nödl 2006 hat sich kein NHL-Klub mehr die Rechte an einem österreichischen Talent gesichert. "Die Schweden haben vor rund 15 Jahren ihr Trainingssystem im Nachwuchs umgestellt und profitieren nun davon. Sie konzentrieren sich mehr auf die individuellen Fähigkeiten", erklärte Goran Stubb, NHL-Director für das europäische Scouting.

Die Voraussetzungen für die Erfolge der Nordeuropäer sind eine breite Basis an Spielern und eine passende Infrastruktur. Schweden, das nur etwas mehr Einwohner als Österreich hat, hat laut Statistik des Weltverbands 43.000 Nachwuchsspieler und 362 Eishallen - jeweils rund zehnmal so viel wie Österreich.

 Österreicher wollen Köpfe nicht hängen lassen

Trotz der weiterhin schwierigen Ausgangslage sowie der Punktelosigkeit nach drei Partien will man im heimischen Team die Köpfe jedoch nicht hängen lassen. Natürlich, Niederlagen würden immer nagen, sagt Bader, der den Spielern daher am Mittwoch frei gab, um den Kopf frei zu bekommen. Unterm Strich falle die Bilanz aber "mehr positiv als negativ" aus. Man habe mit den Topmannschaften phasenweise mitgehalten, der 18-jährige Benjamin Baumgartner ein "sensationelles" Debüt gegeben. Den Klasseunterschied müsse man aber anerkennen. "Natürlich hofft man auf mehr - dass man den Großen ein Bein stellen kann. Aber die Realität ist eine andere. Bei einer A-WM, wo es mehr Niederlagen als Siege gibt, sind das aber Dinge, mit denen wir umgehen müssen."

Jene Spiele, in denen man sich mehr erwartet, um den erhofften Klassenerhalt zu fixieren, kommen ohnehin erst am Freitag gegen Norwegen sowie am Montag gegen Italien. Gegen Lettland, Russland und die Schweiz sei man von vornherein Außenseiter gewesen, betont Bader. Nicht anders ist es freilich am Donnerstag gegen Schweden.

 Sbornaja kommt immer besser ins Rollen

Unterdessen stehen WM-Favorit Russland, Vizeweltmeister Schweiz und der Olympia-Zweite Deutschland vor dem Aufstieg ins Viertelfinale. Russland feierte am Mittwoch in Bratislava mit einem 10:0 gegen Italien den ersten zweistelligen Sieg des Turniers, die Eidgenossen besiegten Norwegen mit 4:1. Deutschland bezwang in Kosice WM-Gastgeber Slowakei mit 3:2.

Das Trio hält nach vier Spielen beim Maximum von zwölf Punkten. Die drei Teams sind rechnerisch zwar noch nicht durch, zwölf Punkte reichten bisher aber immer für das Viertelfinale. Der Aufstieg bringt für alle drei auch das Ticket für die Olympischen Spiele 2022 in Peking.