Wien. In Deutschland ist Bayern München gerade zum siebten Mal in Serie Meister geworden, noch eintöniger in Italien, dort sicherte sich Juventus Turin bereits im April den achten Scudetto in Folge, in Frankreich gewann Paris Saint-Germain sechs der jüngsten sieben Spielzeiten, und in Spanien konnte der FC Barcelona zehn der jüngsten 15 Meisterpokale in die Höhe stemmen. Auch in Österreich sieht es nicht viel anders aus. Durch die Brause-Power gewann Salzburg nun den sechsten Titel en suite, insgesamt den zehnten seit der Red-Bull-Übernahme 2005.

Interessant ist das nur mehr bedingt, und wohl selbst die erfolgshungrigsten Fans würden auf den einen oder anderen Titel verzichten, wenn es etwas mehr Spannung geben würde. Um so einer Langeweile vorzubeugen, gibt es in den großen Sportligen der USA gewisse Mechanismen, die das verhindern sollen. Und das funktioniert zumeist sehr gut.

In der National Football League gab es in den vergangenen zehn Saisonen acht unterschiedliche Sieger, in der Major League Baseball sieben, bei den Basketballern der NBA sechs, und in der National Hockey League immer noch fünf. Ein Zauberwort, das zu diesen Ergebnissen führt, heißt: Umverteilung. Nicht nur in einer sozialen Marktwirtschaft ist dies ein Mechanismus, um die Schere zwischen Arm und Reich zumindest etwas kleiner zu halten, auch im amerikanischen Sport lebt man das. Am intensivsten wohl bei den Footballern. Fast unvorstellbar, wenn man sich ansieht, welche Summen in diesem Sport stecken, und wie durchkommerzialisiert diese Liga ist. "Im Football gibt es das sogenannte Revenue Sharing" sagt Puls-4-NFL-Moderator Walter Reiterer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Große Teile der Einnahmen durch Lizenzen, Merchandise und TV-Rechte werden zu gleichen Teilen unter den 32 Teams ausgeschüttet, egal wie viele Zuseher sie generieren oder Fanartikel sie verkaufen." Und hier handelt es sich nicht um eine kleine, vernachlässigende Summe, sondern um viel Geld. "Zuletzt waren das ungefähr acht Milliarden Dollar, was bedeutet, dass ein jedes Franchise 250 Millionen fix bekommt."

In den USA gibt es große und kleine TV-Märkte, und die NFL will hier gegensteuern. "Buffalo ist beispielsweise ein Small-Market und hat nur einen Bruchteil an Zusehern von Dallas oder ähnlichen Large-Markets, bekommt aber dasselbe Geld, um im Fernsehen zu laufen." Reiterer sieht in dieser Umverteilung und im Draft-System zwei relevante Werkzeuge, um die Liga ausgeglichen zu halten. "Die New England Patriots sind das einzige Team, die dieses System mit Know-how ausgetrickst haben. Es ist das erste Mal in der Super-Bowl-Ära, dass ein Team so lange so weit vorne mitspielt. Es ist ein Ausreißer. Die Regel zeigt: Jedes Jahr sind andere Teams in den Play-offs."