Zürich/Wien. "Der Motor brummt wieder", hatte Walter Klepetko, Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie am Wiener AKH, im Herbst 2018 noch optimistisch gemeint. Am Montagabend, neun Monate nach jener spektakulären Lungentransplantation, ist dieser Motor nun doch verstummt. Niki Lauda ist tot. Ein großer Motorsportler und Unternehmer, aber auch das Idol einer ganzen Generation ist nicht mehr. "In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser geliebter Niki am Montag im Kreise seiner Familie friedlich entschlafen ist", teilte die Familie in einer E-Mail in der Nacht auf Dienstag mit. "Seine einzigartigen Erfolge als Sportler und Unternehmer sind und bleiben unvergesslich. Sein unermüdlicher Tatendrang, seine Geradlinigkeit und sein Mut bleiben Vorbild und Maßstab für uns alle."

Leben und Tod - das waren für Andreas Nikolaus Lauda, der am 22. Februar 1949 in Wien geboren wurde und vor wenigen Wochen noch seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte, zwei Seiten derselben Medaille. "Wir mussten uns damit auseinandersetzen, dass wir vielleicht morgen nicht mehr da sind", sagte er einmal über seine Zeit bei der Formel 1. "Wir lebten schneller. Intensiver." Wobei: Intensiv war eigentlich sein gesamtes Leben gewesen. Die Geschwindigkeit war sein ständiger Begleiter, ob auf der Rennbahn oder auch in der Luft. Stillstand kannte er nicht, bezeichnete ihn als "langweilig". Vor diesem Hintergrund ist auch der Titel der 2013 erschienenen Filmbiographie "Rush - Alles für den Sieg", mit Daniel Brühl in der Hauptrolle, mehr als stimmig. Und gewonnen hat Lauda tatsächlich viel, ebenso musste er in seinem Leben aber auch Niederlagen einstecken - beruflich wie menschlich.

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Nach seinem Unfall auf dem Nürburgring 1976 dem Feuertod entkommen zu sein, steht jedenfalls auf der Habenseite. 55 Sekunden saß er eingeklemmt im Wrack fest, wurde mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht - und überlebte. Lauda blieben die Stunden auf der Intensivstation zeitlebens in Erinnerung, insbesondere der Moment, als ihm ein Priester die Krankensalbung, auch "Letzte Ölung" genannt, spendete. "Da habe ich mir gedacht: So nicht mit mir", erzählte er später. Ob ihm das Sakrament oder sein Lebenswille das Leben rettete? Klar ist: Mit der Kirche hatte Lauda, gleichwohl er als Adelsspross katholisch erzogen worden war, lange Zeit nichts am Hut. Nicht nur fand er den Papst unmodern, auch wollte er, wie er offen zugab, die Kirchensteuer nicht bezahlen ("Die haben mich einfach auf irgendwas Astronomisches geschätzt"). 2011 trat der dann frischgebackene Vater doch wieder in die Kirche ein - und ließ seine Zwillinge Max und Mia taufen. Lauda hinterlässt neben Ehefrau Birgit auch drei erwachsene Kinder aus früheren Beziehungen.

Rennfahrerlegende Niki Lauda