Feldkirch/New Jersey. Natürlich hat Sabrina Kühne die bisherigen Spiele der Eishockey-WM verfolgt; hat die Kantersiege der großen Nationen und die Niederlagen der österreichischen Nationalmannschaft gesehen. "Wenn man Österreich mit den großen Nationen vergleicht, muss man sagen, dass das Gesamtpaket ,Eishockey-Österreich‘ noch ausbaufähig ist", meinte sie noch vor dem entscheidenden Spiel um den Klassenerhalt, das das ÖEHV-Team am späten Montagabend gegen Italien unglücklich mit 3:4 nach Penaltyschießen verlor. Wie Millionen Menschen ist Kühne dem Spiel mit dem Puck verfallen. Doch nur zuzuschauen und Ferndiagnosen zu stellen, ist ihre Sache nicht. Noch lieber spielt sie selbst; gerade hat die 18-jährige Torfrau ihre erste Saison bei den GCK Lions in Zürich absolviert.

Während also die Herrenmannschaft von Roger Bader in Bratislava ihre Hotelzimmer räumen muss, sitzt Sabrina Kühne daheim in Vorarlberg selbst auf gepackten Koffern. Aktuell bereitet sie sich auf das bisher größte Abenteuer ihrer Karriere vor, ein Probetraining beim US-Profiteam Metropolitan Riveters. Dass es einmal so weit kommen würde, konnte noch niemand ahnen, als Kühne schon von klein auf ihren älteren Bruder Patrick, mittlerweile Spieler der VEU Feldkirch, zum Eishockey-Training begleitet hat. Dort habe sie immer auf einem "Schneehaufen" gespielt, bis ihre Mutter sie mit etwa dreieinhalb Jahren "in die Eislaufschuhe ,gesteckt‘" habe, wie sie erzählt. Schnell war klar, dass sie selbst Spielerin werden wollte, die ersten Stationen waren der HC Rankweil, die VEU Feldkirch und ab dem Alter von elf Jahren der SC Rheintal in der Schweiz, der in der Jugend eine Kooperation mit den Bulldogs Dornbirn unterhielt. "Das Niveau in der Jugend ist in der Schweiz einfach besser, und da ich auch in Vorarlberg wohne, habe ich mir lange Auswärtsfahrten in den Osten erspart", sagt Kühne.

Kurzfristige Einladung
ins Sichtungscamp

Schließlich war der Aufwand auch so schon groß genug: Schule, Training und zuletzt die Ausbildung als Werkzeugbautechnikerin, die sie im Herbst abschließen will, mussten koordiniert werden. "Am Anfang war schon alles sehr streng, aber mit der Zeit gewöhnt man sich, und es fehlt kein Stück Lebensqualität", betont Kühne. Dass sie so lange wie möglich mit den Burschen zusammengespielt hat, betrachtet sie als Gewinn. "Ich habe davon profitiert, dass das Niveau sehr hoch war und ich mich gegen manchmal sehr anstrengende Jungs durchsetzen musste."

Durchsetzungsvermögen und Zielstrebigkeit sind überhaupt Eigenschaften, die man Kühne sofort abnimmt. Als sie vor wenigen Wochen von den Riveters, denen sie bei einem Spiel der GCK Lions aufgefallen war, kontaktiert wurde, zögerte sie nicht lange. "Sie wollten Hockey Clips von mir, ein paar Tage später kam die Einladung zum Free Agency Camp, bei dem nur circa 25 Frauen weltweit eingeladen sind", erzählt Kühne. Ab Donnerstag in einer Woche hat sie nun bis Sonntag die Chance, die Verantwortlichen des Teams der NWHL, des Pendants zur National Hockey League für Frauen, zu überzeugen, vielleicht sogar einen Vertrag in der Profiliga zu ergattern. Illusionen gebe sie sich keinen hin, sagt sie, "es wird sicher schwer, aber probieren werde ich es auf jeden Fall".

Auch in der NWHL ist
das tägliche Brot hart

Einfach sind schon die Vorbereitungen nicht, auch die relativ spontane Reise muss erst einmal bezahlt werden. Durch eine Suche nach Sponsoren, die im Gegenzug Goodies aus den USA bekommen, versucht sie, einen Teil der Kosten für Flug, Verpflegung und Unterkunft zu finanzieren. Im Vordergrund steht freilich anderes: Durch ihre Geschichte möchte sie "ein Vorbild für junge Eishockey-Spielerinnen sein und noch mehr Mädchen zu diesem tollen Sport bewegen", wie sie sagt.

Geld alleine kann ohnehin kein Antrieb sein. Während die besten männlichen Spieler Millionen verdienen, ist es für Frauen selbst in der NWHL kaum möglich, vom Sport zu leben. "Der finanzielle Unterschied ist schon krass", sagt Kühne. "Aber wenn man die Chance hat, sich mit den besten Spielerinnen der Welt zu messen, muss man sie annehmen."

Immerhin wäre der Verein bei einem Vertragsabschluss bei der Wohnungs- und Jobsuche behilflich. Doch auch wenn es nicht klappen sollte, "eine coole Sache" werde es auf jeden Fall - und eine Reise, von der sie womöglich positivere Erfahrungen mitnehmen kann als das Herren-Team von der WM.