Paris. (art/apa) Auch wenn der Knalleffekt ein bisschen weniger laut ausfiel, einen leisen Seitenhieb auf die politische Lage des Landes konnte sich auch Herwig Straka nicht verkneifen. Es sei keine kurzfristig angelegte Sache, "keine Übergangszeit wie bei der österreichischen Bundesregierung, sondern schon etwas Längerfristiges" sagte er am Donnerstag - und meinte damit seine neue Tätigkeit als Manager von Dominic Thiem. Wie sein Vorgänger Günter Bresnik bekanntgab, zieht er sich mit sofortiger Wirkung nach der im März erfolgten sportlichen Trennung auch aus diesem Bereich zurück - und überlässt das Feld Straka. "Ich freue mich, dass wir einen international renommierten, erfahrenen und integren Fachmann dafür gewinnen konnten", heißt es in Bresniks vorerst letzter Aussendung in dieser Funktion.

Tatsächlich verfügt Straka über einen klingenden Namen in der Tennis-, aber auch in der gesamten Sportszene. Er ist als Turnierveranstalter beim Erste-Bank-Open in Wien erfolgreich, hat Athleten wie Thomas Muster, Markus Rogan und Mirna Jukic als Manager betreut und sitzt im Tour-Board der Tennis-Profivereinigung ATP. Dass seine vielfältigen Tätigkeiten auch den Geruch von Interessenskonflikten mit sich bringen könnten, ist dem 53-jährigen Steirer bewusst, man habe das Thema auch schon früher im Board diskutiert. "Man hat sich aber entschlossen, dass es besser ist, Insider zu haben, die sich im Sport auskennen. Da nimmt man es in Kauf, dass es halt auch Konflikte geben kann."

Güner Bresnik (r.o.) geht, - © APA/HELMUT FOHRINGER
Güner Bresnik (r.o.) geht, - © APA/HELMUT FOHRINGER

Bresnik "stolz und dankbar"

Über andere mögliche Konflikte, nämlich jene, die zur Entfremdung zwischen Thiem und Bresnik geführt haben könnten, will er freilich nicht sprechen, nur soviel sagt er: "Es ist ja schon länger bekannt, dass das Verhältnis nicht mehr so war wie früher, dann ist das Thema Management halt irgendwann aufgepoppt." Es gebe aber weiterhin ein amikales Verhältnis zwischen Bresnik, der den nunmehr 25-Jährigen immerhin 17 Jahre lang betreut und an die Weltspitze geführt hat, und Thiem, betonen alle Seiten. Auch Bresnik sagt: "Ich bin stolz und dankbar, dass ich Dominic ein wesentliches Stück seines Weges begleiten durfte."

Herwig Straka (r.u.) kommt. - © APA/HERBERT NEUBAUER
Herwig Straka (r.u.) kommt. - © APA/HERBERT NEUBAUER

Nur kleine Schrauben

Dessen "großartiger Erfolg" bringe es aber eben auch mit sich, dass er nicht nur einen Trainer - als solcher wurde Bresnik im März vom chilenischen Olympiasieger Nicolás Massú abgelöst -, sondern auch einen Manager auf der Tour an seiner Seite haben müsse. Straka sei dafür der richtige Mann: "Herwig verfügt insbesondere auch über die Kapazitäten und Möglichkeiten, Dominic auf der Tour zu begleiten. Das wurde angesichts der Vielfalt der laufenden Aufgaben erforderlich", erklärt Bresnik.

Diese Vielfalt beinhaltet die Turnierplanung genauso wie die Sponsorenverhandlungen (Straka: "Es gibt viele langfristige Verträge, und es gibt welche, die auslaufen") und andere Tätigkeiten, mit denen der Weltranglistenvierte noch stärker als Marke positioniert werden soll. "Das heißt nicht, dass man ihm etwas aufsetzt, sondern das verstärkt, was eh da ist." Es seien, genauso wie im sportlichen Bereich, nur noch kleine Schrauben, an denen dabei gedreht werden soll. "Er hat ja ein gutes Standing und ist eine gute Persönlichkeit", betont der Manager, der etwa mit Thiem über ein eigenes Logo nachdenken und sein Team vergrößern wird. "Auf jeden Fall wird die Betreuung vergrößert. Auch jeder andere Top-Fünf-Spieler hat ein Team von mehreren Leuten um sich", sagt Straka, der diesbezüglich aber noch in einem Nachdenkprozess ist. Auskunft geben kann er allerdings schon jetzt über seinen persönlichen Einsatz: "Ich werde sicher viel vor Ort sein, das ist für mich ganz wichtig. Ich werde andere Bereiche delegieren müssen und mich voll auf Tennis Wien, die Board-Position und Dominic konzentrieren."

Die erste Gelegenheit hat er schon ab Sonntag, wenn Thiem die French Open als Vorjahresfinalist und potenzieller Herausforderer von Favorit Rafael Nadal in Angriff nimmt. Zumindest dieses Ziel ist nach der Ankündigung vom Donnerstag dann doch ein recht kurzfristiges.