Paris. (apa) Dominic Thiem hat recht behalten: Österreichs Tennis-Star hatte schon in Madrid jeden davor gewarnt, Roger Federer auf Sand zu unterschätzen. "Er ist sehr oft erst von Nadal gestoppt worden. Ich glaube, wenn Nadal nicht wäre, dann hätte Federer wahrscheinlich fünf oder sechs Paris-Titel geholt", meinte Thiem, dessen eigene French-Open-Viertelfinal-Partie gegen Karen Chatschanow sich am Mittwoch wegen Regens erst verzögerte, dann auf Donnerstag (nicht vor 14.20 Uhr/ORF Sport+) verschoben werden musste.

Der 37-jährige Schweizer indessen steht nach drei Jahren Sand-Auszeit schon jetzt im Halbfinale von Paris. Federer sieht sich am Freitag dem ultimativen Test für jeden Spieler auf Sand gegenüber. Ein Test, den Federer, wenn man so will, auch in jüngeren Jahren in Roland Garros nicht bestanden hat. Die reine French-Open-Bilanz lautet 5:0 für Nadal. Und Thiems Aussagen stimmen: In den Jahren 2006, 2007, 2008 und 2010 wurde Federer im Bois de Boulogne erst im Endspiel von Nadal gestoppt, 2005 im Semifinale.

Federer ist nach drei von ihm ausgelassenen Sandplatz-Saisonen zurückgekommen, als wäre er nie weg gewesen. In Madrid scheiterte er im Viertelfinale knapp in drei Sätzen an Thiem, vor dem Viertelfinale in Rom gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas gab er wohl auch schon im Hinblick auf Paris w.o. Damals hatte Federer wegen Regens wie auch andere Akteure zwei Spiele an einem Tag spielen müssen. Die zwei freien Tage bis zum Halbfinale kommen dem 20-fachen Grand-Slam-Sieger also gerade recht. Federer hat eine recht gute Auslosung genutzt, aber auch gezeigt, dass man ihn weiterhin auf der Rechnung haben muss. "Ich habe meine Erwartungen übertroffen", sagte der vierfache Vater.

Er wird sich nun bestmöglich auf sein 39. Aufeinandertreffen mit dem elffachen French-Open-Champion vorbereiten. "Ich muss einen Plan ausarbeiten und ihn rigoros befolgen", lautet Federers Rezept. Wenn er nicht richtig gut spiele, werde es nicht reichen. Und er weiß auch, dass sehr viel vom Auftreten Nadals abhängig sein wird. "Es liegt auf seinem Schläger. Er ist der Beste auf Sand." Nadal führt nicht nur im Head-to-Head mit 23:15, sondern hat auch 13 von 15 Partien gegen den Schweizer auf Sand gewonnen. Und im Westen von Paris ist der seit Montag 33-Jährige ohnehin noch eine Klasse stärker einzuschätzen. Doch der 17-fache Grand-Slam-Sieger ist erfahren genug, dass er einen Roger Federer niemals unterschätzen wird. "Er spielt auf allen Belägen gut und hat auch auf Sand gute Chancen auf den Sieg. Er spielt wieder hier, weil er sich körperlich gut fühlt", sagte Nadal. Federer gibt sich natürlich eine Chance. "Man weiß halt nie, er könnte ein Problem haben, oder krank werden. Ich könnte großartig spielen und er nicht seinen besten Tag haben", erklärte der Schweizer. Deshalb müsse man sich selbst einmal in diese Position bringen. "Jetzt habe ich dieses Match gegen Rafa, und ich bin wirklich aufgeregt."

Federers bisher letzter Sieg auf Sand gegen Nadal, einer von nur zwei, war übrigens vor zehn Jahren in Madrid. Doch auch wenn es vorbei sein sollte, darf Federer hochzufrieden bilanzieren: Seit Jänner 2018 hatte er nicht mehr die Vorschlussrunde eines Majors erreicht, nun ist es ihm ausgerechnet auf Sand gelungen. Jenem Grand-Slam-Turnier, dass er "nur" einmal - vor zehn Jahren - gewonnen hat. Bisher.