Paris. 2016: Semifinale. 2017: Semifinale. 2018: Finale. Was kann da 2019 kommen? Diese Frage, so hochgegriffen sie auch sein mochte, musste Dominic Thiem im Vorfeld dieser French Open oft beantworten. Er tat es mit jener Mischung aus Bodenständigkeit und Ehrgeiz, für die der Niederösterreicher bekannt ist. Schon das Viertelfinale sei "alles andere als eine Selbstverständlichkeit", sagte er immer wieder, einmal den Pokal in den Pariser Himmel strecken zu können, freilich schon immer ein Traum von ihm gewesen. Mit den Bildern, wie Thomas Muster 1995 in Roland Garros triumphiert hatte, war Thiem, damals noch keine zwei Jahre alt, schließlich aufgewachsen.

Seit Donnerstag steht er selbst zum vierten Mal hintereinander vorerst in der Vorschlussrunde des Pariser Grand-Slam-Turniers. Die wegen Regens verschobene Partie gegen den aufstrebenden Russen Karen Chatschanow, der am Montag immerhin erstmals unter die Top Ten der Welt einziehen wird, gestaltete sich überraschend einseitig. Thiem setzte Chatschanow mit seinem Service sowie seinen aggressiven und fast fehlerlosen Grundschlägen unter Druck, streute aber immer wieder auch Varianten und Tempowechsel ein. "Ich habe versucht, zu mixen. Das hat gut funktioniert", resümierte er nach dem klaren 6:2, 6:4, 6:2-Sieg, nach dem er am Freitag im zweiten Halbfinale nach der Partie Roger Federer gegen Rafael Nadal (12.50 Uhr/ORF1) auf Novak Djokovic trifft.

Der Serbe hatte sich zuvor gegen Sascha Zverev mit 7:5, 6:2, 6:2 durchgesetzt, womit nun – anders als bei den Damen, bei denen es zu den Überraschungsduellen Ashleigh Barty gegen Amanda Anisimova sowie Johanna Konta gegen Markéta Vondroušová kommt – die vier in der Weltrangliste am besten platzierten Spieler den Titel unter sich ausmachen. In welche Sphären Thiem mittlerweile vorgedrungen ist, illustriert ein Detail am Rande: 52 Grand-Slam-Titel vereinen die anderen drei Semifinalisten auf sich.

Gegen Djokovic hat Thiem zwei der bisher acht Duelle gewonnen, unter anderem vor zwei Jahren im Viertelfinale in Paris, ehe er in der Vorschlussrunde gegen Nadal ausschied. Diesmal könnte er wie im Vorjahr im Finale auf den Spanier treffen. Doch so weit will der Österreicher ohnehin noch nicht denken. Zuerst müssen schließlich beide ihre Halbfinalspiele gewinnen. Und auch das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit.