Paris. Zwei Best-of-Five-Matches gegen zwei der größten Tennis-Spieler aller Zeiten innerhalb von 23 Stunden. Als ob die Aufgabe nicht schwierig genug gewesen wäre. Zunächst den Weltranglistenersten Novak Djokovic mit einem Fünf-Satz-Sieg vom vierten Major-Sieg in Folge abhalten und dann auch noch gegen Sandplatz-König Rafael Nadal im Finale antreten zu müssen. Das war auch für Dominic Thiem zu viel.

Der mittlerweile 33-jährige Nadal ist nach wie vor gerade in Roland Garros eine Macht. Da bedarf es schon 110 Prozent Leistungsfähigkeit, wie er am Pfingstsonntag meinte: "Ich habe gestern eine der größten Legenden unseres Spiels geschlagen und nicht einmal 24 Stunden später muss ich gegen eine andere unglaubliche Legende unseres Sports auf den Platz. Den besten Sandplatz-Spieler aller Zeiten. Das zeigt auch, wie schwierig es ist, einen Grand Slam zu gewinnen", erklärte Thiem.

Keine Frage, dass ein erster Grand-Slam-Titel mit Siegen über zwei derartige Hürden in Folge in den Augen vieler Anhänger vielleicht noch goldener geglänzt hätte. Aber so denkt Thiem nicht. Denn er hofft, dass Nadal auch noch länger weiterspielt. "Ich wünsche mir auf keinen Fall, dass er aufhört. Aber für mich wäre es auch genauso viel wert, wenn ich vielleicht irgendwann einmal das Turnier hier gewinne, ohne ihn zu schlagen. Das ist mir ziemlich wurscht", versicherte Thiem. Was man aber nicht vergessen darf, erklärt der Niederösterreicher, dass es nun "gerade eine spezielle Zeit im Tennis" ist. Die drei einzigen Spieler, die jemals über 15 Grand Slams gewonnen haben, und die alle vier Grand Slams gewonnen haben, spielen zur Zeit alle in sehr guter Form."

Thiem hatte bald schon den Fokus in Richtung Zukunft gerichtet. "Das Einzige, woran ich denke, ist, dass ich jetzt richtig weiterarbeite. Ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin." Er habe bisher eine sehr gute Saison. "Ich glaube auch, dass ich mich spielerisch noch einmal weiterentwickelt habe in den letzten Wochen und Monaten." Und er möchte sich auch auf anderen Belägen weiterentwickeln. "Ich will auch in Wimbledon und New York gut spielen und mich nicht zu sehr auf die French Open festlegen."

Völlig zu Recht, denn mit kleinen Adaptionen ist für Thiem bei allen Slams mehr möglich als bisher. Das hat man im Viertelfinal-Klassiker gegen Nadal auch schon bei den US Open 2018 gesehen, als er erst nach fast fünf Stunden mit 6:7 im fünften Satz verlor. Zudem hat Thiem den ersten Masters-1000-Titel in Indian Wells auf Hartplatz gefeiert, auch schon einen Hallen-Titel in St. Peterburg sowie einen Rasen-Triumph in Stuttgart zu Buche stehen.

"Das nächste Ziel ist Wimbledon, ganz klar. Da ist noch genug Zeit zum Erholen, genug Zeit, sich auf Rasen vorzubereiten", erklärte Thiem, der aus dem Vorjahr wegen einer Erstrunden-Aufgabe keine Punkte zu verteidigen hat. Dafür stand er schon vor zwei Jahren kurz vor dem Viertelfinaleinzug, unterlag Tomas Berdych in fünf Sätzen. Das wäre damals gleichbedeutend mit dem Semifinale gewesen, denn Novak Djokovic musste damals im Viertelfinale gegen Berdych aufgeben.

Doppel-Sieg an Thiem-Freundin

Für Thiem gab es dann am Sonntag dennoch etwas zu feiern. Seine Freundin Kristina Mladenovic holte in Paris den Doppel-Titel. Beim Damen-Einzel war der Sieg bereits am Samstag an die Australierin Ashleigh Barty gegangen. Die 23-Jährige, in Paris als Nummer acht gesetzt, setzte sich gegen die 19-jährige Tschechin Markéta Vondroušová nach 70 Minuten mit 6:1 und 6:3 durch. Barty wird damit am Montag zur Nummer zwei der Welt. Barty kürte sich damit zur ersten Roland-Garros-Siegerin aus Australien seit Margaret Court vor 46 Jahren.

Thiems nächster Einsatz wird in Halle ab 17. Juni sein. Es wird die Generalprobe für sein sechstes Wimbledon-Turnier.