Pebble Beach. Unverhofft kommt manchmal oft - und im aktuellen Fall in Form von zwei rot-weiß-roten Teilnehmern an den US Open im Golf daher. Nachdem Österreich bei den ersten beiden Major-Turnieren des Jahres, dem Masters in Augusta sowie der PGA-Championship, durch Abwesenheit geglänzt hat, wird die heimische Golfszene bei den am Donnerstag im kalifornischen Pebble Beach beginnenden Open gleich durch ein Duo vertreten sein. Der in den USA lebende Doppelstaatsbürger Sepp Straka aus Wien hatte sich seine Startberechtigung vor einer Woche sensationell durch seinen Sieg bei einem Qualifikationsturnier erspielt und wird sein Debüt bei einem der vier prestigeträchtigsten Turniere geben, Bernd Wiesberger wiederum hat erst am Montag erfahren, als Ersatzspieler ins Feld gerutscht zu sein. Den Anreisestress - der Flug verzögerte sich aufgrund einer defekten Maschine - tat sich der 33-Jährige gerne an, schließlich ist seine Major-Teilnahme ein weiterer Meilenstein auf seinem Weg zurück, der sich nach einer hartnäckigen Verletzung schwierig gestaltet hat. Zuletzt hat der Burgenländer aber wieder mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht und sich in der Weltrangliste wieder auf Platz 143 verbessert, womit er klar bester Österreicher vor Matthias Schwab (235.) sowie Straka (359.) ist.

Topplatz aus der Hand gegeben

Die beiden österreichischen Teilnehmer gehen freilich unter komplett unterschiedlichen Voraussetzungen in das Turnier. Wiesberger kann auf die Erfahrungen von 18 Major-Teilnahmen zurückgreifen, zudem dürfte ihm der ikonische Links-Kurs mit dem heftigen Wind, den schnellen Grüns und der Kulisse von an die Pazifikküste heranpeitschenden Wellen liegen. Auf einem Kurs mit zumindest ähnlich schwierigen Bedingungen hat er vor zwei Jahren mit dem 16. Platz sein zweitbestes Ergebnis bei einer der vier Top-Veranstaltungen erreicht. Das beste war ein 15. Platz bei der Championship 2014. Von solchen Resultaten kann Straka bei seiner Premiere freilich nur träumen. Doch der 26-Jährige hat in seiner jungen Profikarriere schon einige überrascht: Bei seinem Debüt auf der PGA-Tour, für die er als erster Österreicher in der Geschichte im Herbst des Vorjahres die Spielberechtigung gelöst hatte, lag er nach dem ersten Turniertag in Führung, musste diese dann allerdings ebenso aus der Hand geben wie an diesem Wochenende einen möglichen Spitzenplatz bei der Open-Generalprobe in Kanada. Dort fiel er nach einem starken Start mit einer völlig verkorksten Sechs-über-Par-Runde auf den 60. Gesamtrang zurück.

Den Rummel ausblenden

Vielleicht noch fehlende Konstanz in den entscheidenden Momenten ist freilich das eine, die für den Absolventen der University of Georgia (Wirtschaft) typische Ruhe und Gelassenheit das andere. Mit dieser will Straka auch den Rummel bei seinem ersten Major möglichst gut wegstecken.

Immerhin wird das Rampenlicht in Pebble Beach weniger auf ihn denn vielmehr auf die Topstars gerichtet sein. Wie Tiger Woods, der im April sein Comeback mit dem Sieg beim legendären Masters in Augusta gekrönt hat, danach bei der Championship aber am Cut gescheitert ist, abschneidet, wird eine der zentralen Fragen des Turniers sein; ebenso, ob Generalprobensieger Rory McIlroy seine bestechende Form von den Canadian Open mitnehmen kann, und ob der Weltranglistenführende Brooks Koepka seine Kampfansage wahr machen und nach seinem Triumph bei der Championship gleich den nächsten weiteren großen Titel feiern kann.

Immer zu beachten sind auch der Weltranglistenzweite Dustin Johnson, Graeme McDowell, 2010 der bisher letzte US-Open-Sieger in Pebble Beach, sowie Altstar Phil Mickelson, der schon öfters als Zweiter nur denkbar knapp an einem US-Open-Sieg vorbeigeschrammt ist und nur zu gerne seinen Karriere-Grand-Slam komplettieren würde. Während Mickelson sich mit 48 Jahren freilich im Herbst seiner Karriere befindet, steht die nächste Generation schon beim Abschlag bereit. Auch Straka will ihr angehören.