Oakland (Kalifornien). Die Toronto Raptors haben sich am Donnerstagabend (Ortszeit) als erster kanadischer Club zum Champion der National Basketball Association (NBA) gekrönt. Mit einem 114:110-(60:57)-Sieg in Oakland beim Titelverteidiger Golden State Warriors entschied das Team von Trainer Nick Nurse die "best of seven"-Finalserie mit 4:2 für sich. Damit endete nach 72 Jahren die Dominanz der US-Clubs in der NBA.

2:22 Minuten vor Ende des dritten Viertels kam es zur entscheidenden Szene im sechsten Endspiel: Bei einem Foul von Danny Green erlitt Warriors-Scharfschütze Klay Thompson, der mit 30 Punkten Topscorer der Partie war, eine Verletzung am linken Knie. Deshalb musste nach Kevin Durant, der sich zuletzt am Montag beim 106:105-Auswärtssieg in Toronto einen Achillessehnenriss zugezogen hatte, der nächste All-Star von Golden State die Halle auf Krücken verlassen.

Die Raptors nutzten diesmal diesen personellen Vorteil und gewannen somit auch das vierte Saisonmatch in der Oracle Arena, die zum allerletzten Mal Schauplatz eines Warriors-Heimspiels war. Golden-State-Kapitän Stephen Curry (21 Punkte) und Draymond Green, der mit elf Zählern, 19 Rebounds und 13 Assists sein bereits sechstes Triple-Double in den Play-offs 2019 verbuchte und den 52 Jahre alten Postseason-Rekord von NBA-Legende Wilt Chamberlain um nur eines verpasste, mussten am Ende den Gästen gratulieren.

"Ich spiele nicht 'Hero-Basketball' 

Angeführt wurden die Raptors am Donnerstag zwar von Routinier Kyle Lowry und Pascal Siakam mit je 26 Zählern, doch den Premierentitel hatten sie in erster Linie Kawhi Leonard (22) zu verdanken. Mit insgesamt 732 Punkten sorgte der 27-Jährige für die drittbeste Postseason-Ausbeute der NBA-Geschichte. Nur die Allzeit-Größen Michael Jordan (Chicago Bulls/759 im Jahr 1992) und LeBron James (Cleveland Cavaliers/748 im Vorjahr) schafften noch mehr.

Deshalb wurde "The Klaw" (die Klaue), so der Spitzname von Leonard aufgrund seiner riesigen Hände, zum zweiten Mal nach 2014 als wertvollster Spieler (MVP) der Finalserie ausgezeichnet. Vor fünf Jahren hatte der Zwei-Meter-Mann mit den San Antonio Spurs den dritten Titel en suite der von LeBron James angeführten Miami Heat verhindert. Diesmal machte er den Warriors einen Strich durch die "three-peat"-Rechnung.

"Ich spiele nicht 'Hero-Basketball' oder für Fans. Ich spiele, um zu gewinnen, nicht um irgendwelche Rekorde zu brechen. Solange ich meinem Team zum Sieg verhelfe, bin ich zufrieden", lautet das Credo von Leonard, der nicht nur in TV-Interviews stets stoisch und nüchtern rüberkommt. Auch auf dem Parkett erledigt der wohl bescheidenste NBA-Ausnahmekönner seinen Job in der Regel völlig emotionslos.